"Wie kann so etwas passieren“ – Bestürzung aller Orts nach dem Tod eines kleinen Buben

Die Österreichischen Kinderschutzzentren appellieren an die Politik deutlich mehr in Prävention zu investieren.

Wien (OTS) - Ein kleiner Bub ist gestorben. Vermutlich wurde er von seinen Eltern so schwer verletzt, dass die SpezialistInnen in der Kinderklinik des SMZ-Ost dem Kind nicht mehr helfen konnten.

Passieren Fälle wie dieser, berührt uns das alle besonders. Viele Fragen werden laut. Wie konnte das geschehen? Wer hat hier versagt? Wusste schon jemand, wie es um die Familie steht? Was sind das nur für Eltern? Bestürzung, Beurteilung, Verurteilung.

Noch wissen wir nicht, welche Rahmenbedingungen in diesem speziellen Fall zu diesem furchtbaren Lebensende des Buben geführt haben. Aber wir wissen:

Kinder im ersten Lebensjahr sind nicht nur extrem hilflos, und können sich nicht artikulieren, sondern haben auch kaum andere Kontakte als die zu ihren Pflegepersonen, die in der Regel auch die MisshandlerInnen sind. Mit Überforderung allein, kann der Umstand nicht erklärt werden, dass ein Säugling in den Händen seiner Eltern zu Schaden kommt oder gar sterben muss. Vielmehr zeigen Untersuchungen solcher Fälle Im Nachhinein, dass diese Familien eine Reihe erheblicher Risikofaktoren aufweisen, die offenbar nicht erkannt werden. Diese sind allen voran Armut in Form prekären häuslichen Verhältnissen bis hin zu einer Delogierungsproblematik, mangelnder Erwerbsfähigkeit und niedriger Bildungsstand, sowie Isolation aufgrund eines fehlenden sozialen Netzes. Oft sind keine Großeltern oder andere Verwandte verfügbar oder der Kontakt zu ihnen ist abgerissen. Eigene Erfahrungen von Vernachlässigung und/oder Gewalt erhöhen dann dieses soziale Risiko beträchtlich.

Während Kinder ab dem 2. bis 3 Lebensjahr - sofern sie eine Betreuungseinrichtung besuchen – durch diesen Außenkontakt ein zusätzliches Umfeld haben, das auch als Schutzfaktor dienen kann, haben Kinder im ersten Lebensjahr in der Regel nur flüchtige Kontakte mit Einrichtungen im Gesundheitssystem, in dem ihr Leid kaum auffällt, da dort ein schon ohnedies ein nicht zu unterschätzender Arbeitsstress herrscht, der für soziale Risikofaktoren kaum Instrumente hat. Genau das würde es aber brauchen.

„Misshandlungen im Säuglingsalter mit und ohne Todesfolge sind aber nur die beklemmende Spitze eines Eisbergs alltäglicher Gewalt in vielen Formen“, bringt Dr.in Adele Lassenberger von den Österreichischen Kinderschutzzentren die Problematik auf den Punkt. Die Kinderschutzzentren sind einerseits bestrebt durch Beratung den Weg aus der Gewaltspirale mit Familien zu gehen und zum anderen können Betroffene ihre Gewalterlebnisse aufarbeiten.

Allerdings ist der Bedarf höher, als von den derzeit 30 Kinderschutzzentren geleistet werden kann – und das gilt einmal nur für jene, die imstande sind, sich selbst Hilfe zu holen oder entsprechende Hinweise aufnehmen können.
Kinderschutz muss aber noch viel weiter gehen. Wir brauchen eine vernetzte Infrastruktur zwischen Justiz, Gesundheitssystem und psychosozialen Netzwerken, um jene Familien zu erreichen, die ihren Kindern Schaden zufügen.

„Dabei wird es auch auf die Haltungen ankommen, mit denen wir diesen schlimmen Geschichten begegnen“, so Lassenberger. Wegsperren und Skandalisieren - bis zum nächste Mal - sind die Feinde des Kinderschutzes.

Klare Botschaften, begleitende Auflagen und unterstützende Kontrolle sind Eckpfeiler eines modernen Kinderschutzes, den es weiterzuentwickeln gilt. Aber auch das braucht Ressourcen, die nicht nur den Kinderschutzzentren fehlen.

Was wir in Österreich haben, sind grundsätzlich ausreichende gesetzliche Rahmenbedingungen für den Kinderschutz, was fehlt sind Ressourcen für eine effektive Infrastruktur für sozial belastete und gefährdete Familien zum Schutze der Kinder.

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DIE ÖSTERREICHISCHEN KINDERSCHUTZZENTREN
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