Arbeiten bis zum Umfallen?: „Menschen & Mächte“ über das Pensionssystem im Wandel – am 15. Februar um 22.30 Uhr in ORF 2

Danach im „WELTjournal +“: „100 Jahre – Alt und glücklich in Okinawa“

Wien (OTS) - Länger arbeiten, Pensionsalter anheben, auch das der Frauen. Mehr in die betriebliche und private Vorsorge investieren, um die staatlichen Kassen zu entlasten. Da ist ein häufig gehörtes politisches Argument, wenn es um die Sicherung des österreichischen Pensionssystems geht. Doch wie sieht es am Arbeitsmarkt aus, wie mit altersgerechten Arbeitsplätzen, mit der Bekämpfung der Altersdiskriminierung, der Sanktionierung von Frühpensionierungen? Der Arbeiter Wolfgang Sagbauer meint im ORF-Interview: „Die Anhebung des Pensionsalters ist politisches Kalkül, um Arbeitern, die nicht so lange arbeiten können, höhere Abschläge verrechnen zu können und damit das System billiger zu machen.“ Hat er Recht? Die „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Arbeiten bis zum Umfallen? Pensionssystem im Wandel“ von Michael Klonfar untersucht am Mittwoch, dem 15. Februar 2017, um 22.30 Uhr in ORF 2 die Wirksamkeit der Forderung eines Pensionsautomatismus vor dem Hintergrund steigender Altersarmut und Arbeitslosigkeit, der Ausweitung des Niedriglohnsektors und der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Sie stellt auch die Frage: Wie sieht es tatsächlich mit der Sicherheit unserer Pensionen aus, wie zukunftsfit ist das österreichische System?
Im „WELTjournal +“ folgt um 23.25 Uhr die Dokumentation „100 Jahre – Alt und glücklich in Okinawa“.

Menschen & Mächte: „Arbeiten bis zum Umfallen? Pensionssystem im Wandel“

Österreich hat ein sehr ausgeprägtes staatliches Pensionssystem. Betriebspensionen und private Vorsorge spielen eine untergeordnete Rolle. Frauen erhalten durchschnittlich etwa die halbe Monatspension der Männer. Die Durchschnittspension in der gesetzlichen Pensionsversicherung betrug 2015 für Männer etwa 1.440, für Frauen 886 Euro. Mittlerweile ist die Altersarmut nach dem Pensionsantritt bereits in der Mittelschicht angekommen, denn es gibt auch viele Beispiele, wo die Differenz noch größer ist. So berichtet „Menschen & Mächte“ über die Frau eines ehemaligen Bundesheerbediensteten, die den kleinen Bauernhof der Familie bewirtschaftet hat und nach einem arbeitsreichen Leben rund 200 Euro Pension erhält. „Das ist nicht gerecht“, meint sie. Die Pension ihres Mannes hingegen liegt über dem Durchschnitt. Die Gründe dafür erläutert die Doku.

Auf der anderen Seite: Das „Pensionsparadies Österreich“ mit einer Vielzahl von Privilegien in Form von opulenten Zusatzpensionen. Die Möglichkeit von Früh- oder Invaliditätspensionen wurde und wird vor allem im staatsnahen und staatlichen Bereich stark ausgenützt. Ergebnis ist ein Pensionsantrittsalter, das deutlich unter dem internationalen, auch europäischen Durchschnitt liegt. Das System benötigt steigende Zuschüsse für Sonderpensionsformen und Pensionsparadiese, wie etwa das der Nationalbank. Diese Privilegien werden nun zwar nach und nach abgeschafft, doch „dem Steuerzahler könnte die Zeit bis dahin noch Kosten in der Höhe des Hypo-Alpe-Adria-Desasters bescheren“, kritisiert Sozialexperte Bernd Marin.

Die Doku analysiert auch die Frage, ob sich angesichts der demographischen Entwicklung der Generationenvertrag überhaupt noch aufrechterhalten lässt. Dazu kommen auch junge Menschen zu Wort, die gerade erst in den Arbeitsmarkt eingetreten sind. Sie rechnen nicht mehr damit, ähnlich hohe Pensionen wie ihre Eltern oder Großeltern zu erhalten, und stellen eher die pessimistische Frage „Werde ich überhaupt eine Pension bekommen?“. Jugendarbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse haben klare negative Auswirkungen auf Versicherungszeiten und Pensionshöhe der „Generation Praktika“. „Wir müssen jetzt schon daneben vorsorgen und unsere Kinder noch mehr“, ist auch Wolfgang Sagbauer überzeugt, obwohl er einen guten Job im Semperit-Werk in Wimpassing hat. Er glaubt: „Bis zu meiner Pension in mehr als 20 Jahren wird sich noch viel ändern.“

Michael Klonfar hat sich auch im Ausland umgesehen, etwa in Dänemark, das häufig als Vorbild genannt wird. Dort ist man schon in den 1980er Jahren von der staatlichen Pensionsvorsorge als alleiniger Finanzierungssäule abgegangen und hat daneben eine sehr starke zweite Säule gebaut, die betriebliche Altersvorsorge. Ein gesetzliches System von Betriebsrenten, die zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in Form von Tarifverträgen abgeschlossen werden. Gemeinsam mit einer Grundpension ergibt das für die Dänen ein recht zufriedenstellendes System. Inwiefern und in welchem Zeitraum dieses System auf Österreich umsetzbar ist, untersucht die Dokumentation. Deutschland hat in den vergangenen 18 Jahren sein Sozialsystem umgebaut und die Leistungen aus der staatlichen Pensionsversicherung nach und nach reduziert. Dafür wurde verstärkt auf den Ausbau der zweiten und dritten Säule, der Betriebspensionen und der privaten Altersvorsorge in Form der geförderten Riester-Rente gesetzt. Ein solcher Paradigmenwechsel sollte damals auch in Österreich erfolgen. Das ließ sich jedoch politisch nicht umsetzen. Im Vergleich mit Deutschland zeigt sich heute, dass der österreichische Weg der bessere war und so mancher deutsche Sozialpolitiker im wirtschaftlich stärkeren Nachbarland blickt neidvoll auf den kleinen Nachbarn Österreich.

Gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung und rasanter Digitalisierung, die den Arbeitsmarkt zur Problemzone gemacht haben und weiter machen werden, bedarf es flexibler und individueller Konzepte, die das Pensionssystem zukunftstüchtig machen. Vor allem auch aufgrund der demografischen Entwicklung und der in den vergangenen Jahren gestiegenen Migrationsentwicklungen. Diese Konzepte zeigt Michael Klonfar in seiner Dokumentation auf.

WELTjournal +: „100 Jahre – Alt und glücklich in Okinawa“

Noch nie sind die Menschen so alt geworden wie heute. Aber ein langes Leben ohne gleichzeitig gesund zu bleiben macht wenig Freude. In Okinawa, Japan, leben mehr 100-Jährige als irgendwo sonst auf der Welt – und sie erfreuen sich bester Gesundheit. Seit Jahren versuchen Forscher herauszufinden, was die Gründe dafür sind. Das „WELTjournal +“ besucht die Super-Alten in Okinawa und zeigt, wie erstaunlich fit und lebensfroh Menschen auch im hohen Alter sein können.

Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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