Neues Volksblatt: "Sowohl-als-auch" (von Herbert Schicho)

Ausgabe vom 13. Februar 2017

Linz (OTS) - Die Politik und die Realität klaffen leider immer öfter auseinander. Schuld daran ist, dass in der Politik das „Entweder-oder“ wichtiger wird und mittlerweile schon überwiegt. Leider werden nämlich Kompromisse in der Politik nur mehr als Zwischenlösung gesehen, Probleme werden dogmatisch und nicht pragmatisch angegangen und es wird über und nicht miteinander geredet und dies meist auch noch polemisch. Ein Beispiel sind die angedachten Änderungen im Demonstrationsrecht: Hier sollte es nämlich nicht darum gehen, zwischen Demokratie und Sicherheit abzuwägen, sondern es muss eine Regelung gefunden werden, die beides ermöglicht. Auch bei der Wahlrechtsreform muss am Ende ein „Sowohl-als-auch“ stehen. Einerseits muss das Votum des Wählers möglichst authentisch abgebildet werden, andererseits ist es auch wichtig, dass Regierungen handlungsfähig bleiben. Ein „Entweder-oder“ hätte in beiden Fällen wohl katastrophale Folgen.
Gescheit wäre es also, wenn sich die Koalition am „Sowohl-als-auch“ orientieren würde. So wie es die meisten Menschen im Alltag tun. Im echten Leben geht es um Lösungen, mit denen „beide“ Seiten leben können und es geht nicht darum, möglichst laut zu schreien und aufzufallen — egal ob positiv oder negativ. Denn die Politikverdrossenheit rührt auch daher, dass es oft nicht ums Gestalten und Lösen, sondern nur mehr um die Inszenierung geht.

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