AK Frauen.Management.Report: Gesucht: 278 Frauen!

Noch weiter Weg bis zu Erfüllung der Frauenquote in Aufsichtsräten

Wien (OTS) - „Die Einführung einer verpflichtenden Frauenquote in Aufsichtsräten ist eine langjährige Forderung der Arbeiterkammer, die sich jetzt erfreulicherweise im Arbeitsprogramm der Bundesregierung findet“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Der Frauen.Management.Report 2017 der AK Wien zeigt jedoch, dass bis zur Erfüllung der festgelegten 30 Prozent noch ein weiter Weg zurückzulegen ist. Denn aufgrund der aktuell noch immer schwachen Präsenz von Frauen in Aufsichtsräten, fehlen in den börsennotierten sowie in den 200 umsatzstärksten Unternehmen exakt 278 Frauen, um die Quote zu erreichen.

Die Luft in den Aufsichtsratsgremien und den Management-Etagen bleibt für Österreichs Frauen weiterhin dünn. Denn wie der aktuelle Frauen.Management.Report der Arbeiterkammer Wien zeigt, gibt es nur marginale Verbesserungen – und leider auch Verschlechterungen. Zudem legt der Bericht offen, dass punkto Unternehmenskarriere für Frauen schon im mittleren Management Schluss ist. „Wir haben beim aktuellen Report erstmals den Frauenanteil unter den Beschäftigten mit Prokura erhoben. Denn schließlich gilt die Betrauung mit dieser kaufmännischen Vollmacht als wichtige Station in Richtung oberste Führungsetage“, sagt AK Wien Betriebswirtin und Studienautorin Christina Wieser. Ernüchterndes Resultat: In den 200 umsatzstärksten Unternehmen beträgt der Frauenanteil bei den ProkuristInnen magere 15,8 Prozent.

Etwas besser ist das Bild im Aufsichtsrat – der Report untersucht den Frauenanteil sowohl in den Top-200-Betrieben als auch separat bei den börsennotierten Unternehmen. In den Top-200 sind 18,1 Prozent der Aufsichtsratsmandate an Frauen vergeben. „Gegenüber dem Vorjahr ist das ein mikroskopisch kleiner Zugewinn von 0,4 Prozentpunkten“, sagt Wieser. Noch immer finden sich bei 61 der 200 Unternehmen überhaupt keine Frauen in den Kontrollgremien. Nur 17 Betriebe können eine Aufsichtsratschefin vorweisen – wiewohl Brigitte Ederer und Mathilde Umdasch jeweils in zwei Unternehmen als Aufsichtsratsvorsitzende tätig sind.

Bei den börsennotierten Unternehmen (untersucht wurde der komplette Markt, insgesamt 72 Unternehmen) sitzen aktuell sogar weniger Frauen in den Kontrollgremien als noch vor einem Jahr – gemessen in Prozent: 16,1 zu 17,4 Prozent. Im Eliteindex ATX liegt der Anteil bei 18,1 Prozent. Das ist zwar besser als der Durchschnitt, im Vergleich zum deutschen DAX aber ebenfalls flau. „Im DAX macht der Anteil bereits im Schnitt rund 30 Prozent aus. Allerdings hat Deutschland seit Beginn des Vorjahres auch eine verpflichtende Quote“, betont Wieser.

Um die nun im Arbeitsprogramm der Bundesregierung für 2018 angepeilte Quote von 30 Prozent zu erreichen, bedarf es noch einiger Anstrengungen. Denn laut einer Sonderauswertung zum Report ergibt sich folgendes Bild: Von den Top-200 haben nur 34 die Quote bereits erfüllt, bei den börsennotierten Unternehmen sind es nur acht. Gemessen an der jeweiligen Anzahl der Mitglieder in den Aufsichtsräten ergibt sich folgender Nach-holbedarf: In den Kontrollgremien der Top-200 fehlen 186 Frauen, bei den Börse-Unternehmen 92. Dazu Wieser: „In Summe suchen Österreichs Betriebe also 278 Frauen – wobei natürlich Doppel- und Mehrfachbesetzungen dann zu berücksichtigen sind.“

Aufholbedarf gibt es aber auch in der Geschäftsführung. Denn ganz oben an der Spitze finden sich Frauen nur noch vereinzelt. Bei den Top-200 liegt der Anteil bei 7,2 Prozent – und damit exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Oder anders ausgedrückt: In 159 der 200 Unternehmen ist keine einzige Frau im Vorstand vertreten. Bei den börsennotierten Gesellschaften verschlechterte sich der Prozentsatz von 5,8 Prozent im Jahr 2015 auf 4,0 Prozent 2016 und nun weiter auf 3,9 Prozent.

„Das international als Leaky Pipeline bezeichnete Phänomen des abnehmenden Frauen-anteils pro Karrierestufe findet sich auch in Österreich. Deshalb ist eine verpflichtende Quote zumindest für Aufsichtsräte umso wichtiger“, resümiert Wieser. Und AK Präsident Kaske ergänzt: „Diese verbindliche Zielvorgabe ist gut und richtig. Aus Sicht der Arbeiterkammer sollte sie jedoch in weiterer Folge auf 40 Prozent erhöht werden.“ Außerdem ist die Regierung gefordert, nach Vorbildern wie Italien oder Frankreich wirksame Sanktionen bei Nichteinhaltung (etwa Bußgelder oder Konsequenzen bei öffentlicher Auftragsvergabe) vorzusehen. „Denn sonst nützt die Quote nichts“, schließt Kaske.

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