Grossmann: Wir müssen die offensichtliche gläserne Decke für österreichische WissenschaftlerInnen durchbrechen

Österreichische Geschichte darf nicht fast ausschließlich von Deutschen gelehrt werden - SPÖ-Bildungssprecherin mit scharfer Kritik an Professorenbestellung an der Uni-Graz

Wien (OTS/SK) - SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann fordert bessere Karrierechancen für den österreichischen wissenschaftlichen Nachwuchs und mehr Augenmerk für die österreichische Geschichte und plant dazu parlamentarische Initiativen. Hier geht es ihr insbesondere um jene Fächer in den Geisteswissenschaften, die eine gründliche Kenntnis der österreichischen Geschichte und Kultur erfordern. Völlig unverständlich ist für Grossmann deswegen, warum gerade österreichische HistorikerInnen bei den Berufungsverfahren für Professuren fast gar nicht mehr zum Zug kommen, wie jüngst an der Universität Graz. **** 

     Grossmann kritisiert, dass Ausschreibungen so formuliert waren, dass die Kenntnis der österreichischen Zeitgeschichte, ihrer Besonderheiten mit Austrofaschismus und Nationalsozialismus, in den Kriterien nicht einmal angeführt waren. Sie bereitet eine parlamentarische Anfrage an den Wissenschaftsminister vor und will das auch in der nächsten Aussprache im Wissenschaftsausschuss thematisieren.  

     Grossmann: "Wir haben hier wirklich dringenden Handlungsbedarf, weil es offensichtlich eine gläserne Decke für österreichische WissenschaftlerInnen gibt." Sie betont: "Wir brauchen Karriereperspektiven für den österreichischen wissenschaftlichen Nachwuchs. Dazu will ich mit dem Wissenschaftsminister gemeinsam an Modellen arbeiten." Nicht zuletzt geht es ihr auch um die Lehre, insbesondere die Ausbildung von LehrerInnen. Diese müssten die österreichische Zeitgeschichte an die SchülerInnen vermitteln – Grundvoraussetzung dafür ist natürlich, dass sie das selbst an der Universität vermittelt bekommen. 

     Hintergrund von Grossmanns Initiative: Das jüngste Berufungsverfahren für eine Professur für Zeitgeschichte an der Uni Graz hat schon im Vorfeld von den mehreren Dutzend Bewerbungen alle österreichischen BewerberInnen aussortiert. In der engeren Auswahl blieben sieben WissenschaftlerInnen aus Deutschland und der Schweiz ohne einschlägige Publikationen zur österreichischen Zeitgeschichte. Diese Entscheidung der Gutachter ist auf heftige Kritik von Fachleuten gestoßen, einer der Gutachter, der Historiker Pieter Judson von der Europa-Universität in Florenz, war, wie das "profil" berichtet hat, über das Auswahlverfahren in Graz derart empört, dass er seinen Auftrag zurücklegte.  

     Die Kritik wird auch von Oliver Rathkolb, dem Leiter des Instituts für Zeitgeschichte an der Uni Wien, und von der Historikerin Heidemarie Uhl von der Akademie der Wissenschaften geteilt. Rathkolb hat heute im Ö1-Mittagsjournal gemeint, dass hier auch die Rektorate tätig werden und in ihren Entwicklungsplänen klarmachen sollten, dass in der Denomination der Professuren die fachliche Kenntnis der österreichischen Spezifika festgeschrieben wird. Ein Problem sei demnach die "übertriebene Internationalisierung" im Gutachterwesen, mit dem Ergebnis, dass GutachterInnen von der österreichischen Geschichte und Kultur wenig Ahnung haben müssen. (Schluss) wf

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