GPA-djp: Engagement für BR-Gründung darf auch bei Müller nicht zur Kündigung führen

Klage gegen Handelskette – jetzt werden auch Arbeitsbedingungen im Drogeriemarkt unter die Lupe genommen

Wien (OTS/ÖGB) - Weil sie Interesse an der Gründung eines Betriebsrats gezeigt hatte, wurde Özlem Bakiray, beschäftigt bei der Drogeriekette Müller in Wien, im Jänner gekündigt. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele KollegInnen gerne einen Betriebsrat hätten, aber Angst davor haben, mitzumachen, weil sie um ihren Arbeitsplatz fürchten. Die KollegInnen haben mir aber signalisiert, mich zu unterstützen, wenn ich mich als Betriebsrätin bewerbe“, erzählte die 33-Jährige heute im Rahmen einer Pressekonferenz. Das betriebsratsfeindliche Klima habe sie auch von einer Vorgesetzten vermittelt bekommen: „Die Marktleiterin hat mir gesagt, dass ich aufhören soll mit anderen Beschäftigten über eine Betriebsratsgründung zu sprechen. Sie hat gesagt, sie will das nicht und sie weiß, das Unternehmen will das auch nicht.“

Nachdem die GPA-djp in einem Brief alle Müller-Beschäftigten in Wien kontaktierte, über die rechtliche Situation eines Betriebsrates informierte und KandidatInnen ansprechen wollte, zeigten mehrere Personen Interesse. Anfang Jänner kam es zu einem grundsätzlich konstruktiven Gespräch zwischen Vertretern der Müller HandelsgmbH. und der GPA-djp Wien. Bei diesem Treffen wurde erwähnt, dass sich auch Beschäftigte der Filiale in Floridsdorf, in der Özlem Bakiry arbeitet, für die Gründung eines Betriebsrats interessieren. Am 20. Jänner 2017 wurde Özlem Bakiray gekündigt. „Die Marktleiterin hat mich zehn Minuten vor Dienstschluss darüber informiert, dass ich hiermit gekündigt bin. Ich habe sie nach dem Grund gefragt, sie hat mir keinen genannt. Sie hat mir aber gesagt, dass ich ab sofort auch vom Dienst freigestellt bin - eine sehr untypische Vorgangsweise. Mir ist keine Kündigung bei Müller bekannt, wo eine Freistellung ausgesprochen wurde, ohne dass es konkrete Anschuldigungen gibt“, berichtet die 33-Jährige.

Informationsoffensive für Beschäftigte ab nächster Woche

„Auch eine große internationale Handelskette wie Müller hat das Recht auf betriebliche Mitbestimmung ernst zu nehmen. Wir werden jedenfalls nicht tatenlos zuschauen, wenn bei Müller ArbeitnehmerInnen-Rechte mit Füßen getreten werden“, ergänzte Barbara Teiber, Geschäftsführerin der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier) Wien. Die Vorgangsweise der Geschäftsführung sei inakzeptabel. Anfang Jänner habe es ein grundsätzlich konstruktives Gespräch mit dem österreichischen Verkaufsleiter und dem internationalen Verkaufsleiter gegeben, wenige Tage später erfolgte völlig überraschend die Kündigung. Die GPA-djp hat natürlich nach den Gründen gefragt, die Geschäftsführung argumentierte damit, dass ab Mitte März die Arbeitsstunden einer Mitarbeiterin aufgestockt würden und man daher für Frau Bakiray keine Verwendung mehr hätte. „Die Fadenscheinigkeit dieser Begründung ist offensichtlich, denn auch wenn man ihr Glauben schenken wollte, erklärt das in keiner Weise die sofortige Freistellung von Frau Bakiray schon ab 20. Jänner. Das ist im Unternehmen Müller dem Vernehmen nach unüblich, es gibt auch keine Begründung für diesen unüblichen Schritt“, so Teiber und kündigte eine Informations-Offensive an: „In der nächsten Woche werden wir alle Beschäftigten in allen 75 Filialen in Österreich kontaktieren, um sie zu ihren Arbeitsbedingungen zu befragen. Außerdem hat die GPA-djp eine Klage auf Wiedereinstellung Özlem Bakirays beim Arbeits- und Sozialgericht eingebracht, so Teiber: „Wir sind sehr zuversichtlich, diese Klage zu gewinnen und eine Wiedereinstellung zu erreichen.“

„Hier wird das Arbeitsrecht mit Füßen getreten, die unausgesprochene Botschaft an die Beschäftigten ist klar: Mund halten“, kommentiert GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian. Die Vehemenz, mit der hier versucht wird, die Wahl eines Betriebsrats zu verhindern, lasse in Kombination mit Meldungen von Betroffenen schon die Vermutung zu, dass bei Müller nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht: „In diesem Sinne sind wir schon gespannt auf die Ergebnisse der Befragung.“ Die GPA-djp habe nichts hinter dem Rücken von Müller anzuzetteln versucht, sondern den konstruktiven Dialog mit der Geschäftsführung gesucht, wie er mit vielen anderen Unternehmen bestens funktioniere. „Hier wurde uns die Tür zugeschlagen – also müssen wir eine andere Gangart einschlagen. Die Klage ist eingebracht, die Informationssoffensive beginnt demnächst, weitere Schritte sind in Planung. Wir unterstützen auch die Beschäftigen bei Müller mit voller Kraft!“

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