Fachtagung: Gesundheit verstehen – Gesundheit sprechen

Gesundheitskompetenz und -kommunikation als Schlüssel in der Gesundheitsversorgung von Menschen mit Lernschwierigkeiten und Mehrfach-Behinderungen

Wien (OTS) - Bisher konnten Menschen mit Lernschwierigkeiten und Mehrfach-Behinderung mit Angeboten der Gesundheitsförderung oft nur schwer erreicht werden. Auch bei der Gesundheitsversorgung für diese Zielgruppe gibt es in vielen Bereichen noch Verbesserungspotenzial. Die Wiener Gesundheitsförderung und der Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen setzen daher mit zwei Projekten auf den Ausbau von Gesundheitskompetenz und -versorgung. Einen Ein- und Ausblick dazu bot die Fachtagung „Gesundheit verstehen – Gesundheit sprechen“ am Donnerstag, 2. Februar 2017, im Wiener Rathaus.

Über die eigene Gesundheit sprechen und wissen, was dabei wichtig ist! Entscheidend ist dies ganz besonders für Menschen mit Lernschwierigkeiten und Mehrfach-Behinderungen. „Um die Gesundheitsversorgung von Menschen mit Lernschwierigkeiten und Mehrfach-Behinderungen weiter zu verbessern, ist es wesentlich, dass sie zu Expertinnen und Experten für ihre eigene Gesundheit werden. Indem wir Wissen vermitteln und Fähigkeiten erweitern, können Angebote und Leistungen des Gesundheits- und Sozialsystems bedarfsgerecht genutzt werden“, erklärt Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger ein wesentliches Ziel der Gesundheitsreform – das für alle Wienerinnen und Wiener gilt.

Wesentlich ist darüber hinaus, das Wissen und die Kompetenzen von Menschen, die im Gesundheitsbereich tätig sind, zu erweitern. Dazu Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK): „Damit Patientinnen und Patienten optimal versorgt sind, braucht es auch einen kontinuierlichen Ausbau der Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits- und Sozialwesen. Daher unterstützen wir Projekte, die die Qualität in der medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Versorgung steigern – auch und gerade für bestimmte Zielgruppen wie eben Menschen mit Lernschwierigkeiten und Mehrfach-Behinderungen.“

„Gesundheit verstehen – Gesundheit sprechen“

Wie dies gelingen kann, verdeutlichte die Fachtagung „Gesundheit verstehen – Gesundheit sprechen“ am Donnerstag, 2. Februar 2017, im Wiener Rathaus. Neben Fachvorträgen zur Gesundheitsversorgung und -kompetenz von Menschen mit Lernschwierigkeiten und Mehrfach-Behinderungen wurden zwei Wiener Projekte aus der Praxis vorgestellt: Das Kursprogramm „Gesundsein“ der Wiener Gesundheitsförderung und „Aufbau eines Wissensmanagements und einer Dokumentations- und Kommunikationsstruktur in der Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen“ des Dachverbands Wiener Sozialeinrichtungen.

Gesundsein – ein Kurs für Menschen mit Lernschwierigkeiten

Menschen mit Lernschwierigkeiten wissen oft zu wenig über ihre Rechte oder über geeignete Informationsquellen. „Damit sie selbstbestimmt Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen können, haben wir das Kursprogramm ‚Gesundsein‘ eigens entwickelt und an die Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten angepasst. Das Angebot ist in dieser Form im deutschsprachigen Raum einzigartig“, erklärt Dennis Beck, Geschäftsführer der Wiener Gesundheitsförderung.

Das Kursangebot wurde mit Expertinnen der Internationalen Selbstbestimmt Leben Bewegung, die selbst mit Behinderungen leben, und mit Sozialwissenschafterinnen erarbeitet. Es besteht aus sechs Modulen in leichter Sprache und enthält verständlich aufbereitete Informationen zu Gesundheit, Körper, persönlichem Wohlbefinden und dem Gesundheitswesen. „Gesundsein“ wurde im Rahmen des Projekts „ziel.sicher.gesund“ von März 2014 bis Dezember 2016 umgesetzt. Finanziert wurde es aus dem Landesgesundheitsförderungsfonds, der im Rahmen der Gesundheitsreform von der Sozialversicherung und der Stadt Wien eingerichtet wurde. Das Kursprogramm wird 2017 fortgesetzt.

Maßnahmen für die Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen

Wie der Austausch und die Informations-Weitergabe zwischen GesundheitsdiensteanbieterInnen, MitarbeiterInnen in Behinderteneinrichtungen, Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen verbessert werden können, zeigt das Kommunikations-Werkzeug „GeKo-Wien“, das vom Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen in Form eines Passes und einer Mappe entwickelt wurde. Die Abkürzung „GeKo“ steht für Gesundheit und Kommunikation. GeKo-Wien soll Behandlungen im Gesundheitsbereich erleichtern, indem Informationen zur Person, zu ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen sowie medizinische Informationen festgehalten werden. „Die Unterlagen bieten die Möglichkeit, gezielt auf die Person und ihre Kommunikations- und Umgangsformen einzugehen und Bedürfnisse sowie Kompetenzen zu berücksichtigen“, so Eva Maria Luger, Geschäftsführerin des Dachverbands Wiener Sozialeinrichtungen. Darüber hinaus wurden – gemeinsam mit ExpertInnen aus der Praxis – Qualifizierungsmodule für Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialbereich entwickelt. Sie geben einen Überblick, welche Inhalte und Kompetenzbereiche für eine erfolgsversprechende und nachhaltige Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen notwendig sind. Mit Hilfe dieser Module sollen zukünftig Angebote für MitarbeiterInnen im Gesundheits- und Sozialbereich geschaffen werden, damit diese ihre Kompetenzen im Umgang mit Menschen mit Behinderungen erweitern können. Ab Februar 2017 werden Schritte für die Verbreitung der GeKo-Wien Unterlagen und die Anbindung der Qualifizierungsmodule gesetzt. Die Finanzierung erfolgt über die Landeszielsteuerungskommission.

Pressebilder sind in Kürze auf diesem Link abrufbar:
https://www.wien.gv.at/gallery2/rk/run.php?g2_itemId=48134

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