Überraschende Ergebnisse der AK-Arbeitslosenbefragung – Kalliauer: „Arbeitslose wollen mehr Weiterbildung!“

Linz (OTS) - Im Sommer 2016 hat die AK an 10.000 arbeitslose Menschen in Oberösterreich Fragebögen verschickt. Insgesamt wurden 480 Fragebögen zurückgeschickt. An der Befragung haben sich besonders Ältere und Langzeitarbeitslose beteiligt. Diese Gruppe ist für die Arbeitsmarktpolitik wichtig und eine Herausforderung. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert Maßnahmen, die auf die Bedürfnisse und Probleme der Betroffenen eingehen. Das bedeutet u.a. mehr fundierte und langfristige Ausbildungen.

Die Arbeitslosen im Alter „50 plus“ haben sich in Oberösterreich von 2008 bis 2016 fast verdreifacht. Aktuell sind rund 15.800 Ältere (inkl. Schulungsteilnehmer/-innen) arbeitslos. Sie machen schon ein Viertel aller Arbeitslosen aus. Es besteht deshalb die Gefahr, dass sich die Arbeitslosigkeit bei dieser Gruppe verfestigt.

Die generelle Zufriedenheit der Befragten mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) ist hoch. So sind rund 83 Prozent der Befragten mit der AMS-Beraterin oder dem AMS-Berater sehr zufrieden oder eher zufrieden. „Diese Zufriedenheitswerte sind erfreulich, weil sie zeigen, wie sehr sich das AMS einsetzt“, sagt AK-Präsident Kalliauer.

Während der letzten sechs Monate konnte das AMS nur rund 60 Prozent der Befragten Stellen anbieten, was die Lage auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt. Rund 40 Prozent der Befragten bewerten angebotene Stellen als sehr oder eher unsicher. Für rund 37 Prozent der Befragten sind angebotene Arbeitsplätze sehr oder eher schwer erreichbar. Ein wichtiger Kritikpunkt ist, dass bei erfolglosen Bewerbungen häufig dem Unternehmen geglaubt wird. Nicht selten verhängt das AMS dann Sanktionen wie die Sperre des Arbeitslosengeldes. Die Arbeitslosen fühlen sich in diesem Kampf um die Wahrheit in Bewerbungssituationen oft zu wenig wahrgenommen und unfair behandelt. Das ist umso problematischer, als eine WIFO-Studie belegt, dass Sanktionen keine positive Wirkung haben.

Fast 50 Prozent der Befragten schätzen ihren Gesundheitszustand als überhaupt nicht gut oder eher nicht gut ein. Nur rund ein Drittel der Befragten meint, gesundheitlich bis zum Regelpensionsalter arbeiten zu können. Zwei Drittel sind nicht dieser Ansicht. „Prävention und Gesundheitsförderung werden immer wichtiger“, so Kalliauer.

Bei Bewerbungen bekam mehr als die Hälfte der Befragten von keiner Firma oder nur von einigen wenigen Firmen eine Rückmeldung. Nur sieben Prozent der Befragten bekamen auf alle Bewerbungen eine Antwort.

Rund 82 Prozent der Befragten halten den Besuch von langfristigen Weiterbildungsmaßnahmen des AMS für sinnvoll, aber nur 43 Prozent den Besuch von kurzfristigen Maßnahmen. 45 Prozent der Befragten erhielten vom AMS kein Angebot zur Weiterbildung. Gründe dafür waren vor allem, dass das AMS kein entsprechendes Angebot hatte, keines für nötig befand oder die Finanzierung ablehnte, weiters die fehlende Mobilität, das Alter oder der Gesundheitszustand der Befragten. 191 Befragte äußerten Wünsche nach AMS-Kursen. Viele äußerten den generellen Wunsch nach Weiterbildung sowie nach Qualifizierungen in den Bereichen EDV, Sprachen und Soziales (Pflege usw.). Diese häufigen Wünsche beweisen, dass das Bild der angeblich faulen und bildungsscheuen Arbeitslosen nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

„Die Arbeitsmarktpolitik muss die Bedürfnisse der Arbeitslosen ebenso berücksichtigen wie jene der Wirtschaft!“, verlangt AK-Präsident Kalliauer. Vor allem gelte es, langfristige Weiterbildungsmaßnahmen auszubauen. Das AMS müsse sich immer stärker zu einer Art „Bildungsagentur“ entwickeln. Auch müssten die Firmen ihre Rückmeldekultur bei Bewerbungen wesentlich verbessern.

Die Zuweisung in Leiharbeit und in prekäre Beschäftigungskonstellationen (z.B. Teilzeitarbeit mit einem geringen Stundenausmaß) wird von den Betroffenen zu Recht kritisch bewertet. „Eine Sanktionierung bei Nichtannahme einer prekären Beschäftigung ist daher zu überdenken“, stellt der AK-Präsident fest.

Die Chancen von Älteren und gesundheitlich beeinträchtigten Menschen auf dem Arbeitsmarkt müssen gezielt verbessert werden durch Ausweitung der Beschäftigungsförderung z.B. in sozialökonomischen Betrieben, ein effektives Bonus-Malus-System zur Beschäftigung von Älteren sowie durch Prävention, Gesundheitsförderung und Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit.

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