„Kulturmontag“: Mythos Falco, entfesselte Wutbürger und Paul Auster im Interview

Außerdem: Dokumentation „Falco, der Poet“

Wien (OTS) - Vor 19 Jahren, am 6. Februar 1998, starb Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Am 19. Februar 2017 wäre er 60 geworden. Aus diesem Anlass setzt auch der von Martin Traxl präsentierte „Kulturmontag“ am 6. Februar 2017 um 22.30 Uhr in ORF 2 einen Schwerpunkt (gesamter ORF-Programmschwerpunkt unter presse.ORF.at) und berichtet am Todestag über Österreichs bedeutendsten Popstar, der nach wir vor der einzige deutschsprachige Sänger ist, der jemals Platz eins der US-Billboard-Charts erreichte (mit „Rock Me Amadeus“). Anschließend an das Magazin steht um 23.30 Uhr außerdem Rudi Dolezals Dokumentation „Falco, der Poet“ über die Sprachkunst des exzentrischen Musikgenies auf dem Programm. Weiters befasst sich der „Kulturmontag“ u. a. mit dem Wutbürgertum, das sich vor allem in den sozialen Medien entfesselt hat, und befragt Kulturschaffende zu einer Gesellschaft in Schieflage. Und: Zum 70. Geburtstag von US-Bestsellerautor Paul Auster präsentiert die Sendung ein – sehr politisches – Interview mit dem Schriftsteller.

Falco, neu entdeckt – zum 60. Geburtstag des österreichischen Popstars

„Muss ich denn sterben, um zu leben?“ lautete eine Textzeile aus dem posthum veröffentlichten Falco-Song „Out of the Dark“. Ein Mythos war geboren. Zum 60. Geburtstag des einzigen österreichischen Weltstars des Pop steht eine Compilation mit Remixes seiner größten Hits in den Startlöchern, ein Musical wird durch 50 Städte im gesamten deutschen Sprachraum touren. Eine ganze Reihe an Veranstaltungen ist bereits angelaufen: von Konzerten, einer Burgtheater-Lesung der Falco-Texte bis zu Workshops für Jugendliche. Viele preisen Falco alias Hans Hölzel als ersten deutschsprachigen Rapper. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der der Ausnahmekünstler Hochdeutsch, Wiener Dialekt und Englisch vermischt und sich dabei mehr um Rhythmus als um Grammatik gekümmert hat, gilt als Blaupause dafür, wie man umständliches, sperriges Deutsch musikalisch biegen kann. Falco war funky. Gerade die Jungen scheinen wieder Lust auf seine Musik zu haben. Sein Einfluss ist beim heimischen Nachwuchs deutlich zu spüren, am deutlichsten vielleicht beim neuen Popwunder Bilderbuch. Nach Jahren der Verkitschung und Verklärung ist der „Falke“ heute vielleicht relevanter denn je. Der „Kulturmontag“ berichtet über die Fortschreibung einer Legende.

Vom Mutbürger zum Wutbürger – Die entfesselte Gesellschaft

Es war erst vor sieben Jahren, als der damals 93-jährige ehemalige Widerstandskämpfer Stéphane Hessel mit seiner nur 14 Seiten umfassenden Streitschrift „Empört euch!“ die europäische Zivilgesellschaft aufrüttelte. Der Mutbürger war geboren. Seither fluten unzählige Anleitungen zum Aufruhr den Markt – und mit ihnen kam es zum Mutationssprung. Denn nunmehr ist es der Wutbürger, der medienwirksam vor sich hintobt und die sozialen Medien vor Ressentiments überkochen lässt. Das Wutbürgertum ist entfesselt – Stichwort „Pegida“ und „Reichsbürger“ – und hat in den USA wohl auch die Wahl Donald Trumps wesentlich mitentschieden. Der „Kulturmontag“ versucht die Ursachen dieser Entwicklung zu ergründen und lässt u. a. Ökonom Branko Milanovic, Demokratie-Forscher Ivan Krastev und Karikaturist Gerhard Haderer zu Wort kommen, der eine „Schule des Ungehorsams“ plant. Welche Art des Ungehorsams braucht es eigentlich, um Unzufriedenheit mit den herrschenden Zuständen und demokratische Umgangsformen in Einklang zu bringen? Fehlt es an moralischen Instanzen, die dem Wüten Einhalt gebieten? Gäste im Studio dazu sind die Journalistin und Feministin Sibylle Hamann und Philosoph Konrad Paul Liessmann.

Bestsellerautor Paul Austers „4321“ – Interview zum 70. Geburtstag

Es ist in den vergangenen Jahren still um Paul Auster geworden, einen der bedeutendsten US-Schriftsteller der Gegenwart. Der Grund: Er schrieb an jenem Roman, der – pünktlich zu seinem 70. Geburtstag – jetzt auch in deutscher Übersetzung vorliegt: „4321“ – sein Opus Magnum, mehr als 1.250 Seiten, 1,4 Kilogramm schwer – ein gewichtiges Buch in jedem Sinn. Der Roman mit autobiografischen Zügen arbeitet die US-Geschichte der 1950er und 1960er Jahre auf und ist insofern auch ein hochpolitisches Buch. Politisch wird der Bestsellerautor auch im Interview mit dem „Kulturmontag“: Immer wieder schweift er zu jenem Thema ab, dass nicht nur Millionen US-Amerikaner/innen seit spätestens 20. Jänner beschäftigt: dass jemand wie Donald Trump tatsächlich Präsident werden konnte. Ein Mann, den Auster bereits im vergangenen Jahr als Mischung aus Berlusconi und Mussolini bezeichnet hat.

Dokumentation „Falco, der Poet“ (23.30 Uhr)

Hofratsdeutsch und Gaunerslang, Manhattan-Schönbrunnlerisch und die Geste als sprachliches Material: Falco erneuerte die deutschsprachige Poesie und verknüpfte ihre Elemente völlig neu. Er war das Missing Link zwischen Pop und Avantgarde, zwischen Schlager und Experiment. Rudolf Dolezal erkundete in dieser Dokumentation aus dem Jahr 2010 den Sprachkünstler Falco nach den Erkenntnissen von Christian Ide Hintze, der ein Buch über Falcos Sprachwelt herausgegeben hat.

Der „Kulturmontag“ – produziert in HD – wird als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) bereitgestellt.

Das gesamte TV-Angebot des ORF – ORF eins, ORF 2, ORF III, ORF SPORT + sowie 3sat – ist auch im HD-Standard zu empfangen. Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz Österreich persönliche Hilfestellung.

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