Ärztekammer: Frauenberger muss niedergelassenen Bereich ausbauen

Umsetzung des Wiener Modells hat oberste Priorität – Steinhart: „Den versöhnlichen Worten von Frauenberger müssen rasch Taten folgen“ Umsetzung des Wiener Modells hat oberste Priorität – Steinhart: „Den versöhnlichen Worten von Frauenberger müssen rasch Taten folgen“

Wien (OTS) - Sieben Tage ist Sandra Frauenberger im Amt. In ihrer ersten Arbeitswoche waren von der neuen Wiener Gesundheitsstadträtin vor allem versöhnliche Töne Richtung Ärzteschaft zu hören, „denen jetzt rasch Taten folgen müssen“, betont Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien. Denn im niedergelassenen Bereich brauche es nun rasch die Stärkung der allgemeinmedizinischen und fachärztlichen Angebote in der Bundeshauptstadt, unter Berücksichtigung von Bevölkerungsentwicklungen und Patientenbedarf. ****

„Jetzt ist die Chance zu handeln. Mit unserem neuen Gegenüber können wir vorzeigen, wie erfolgreich ein partnerschaftliches Vorgehen auf gleicher Augenhöhe sein kann“, kündigt Steinhart an.

Umzusetzende Projekte gibt es genug: Die Ärztekammer hat bereits mit der Stadt Wien und der Wiener Gebietskrankenkasse das sogenannte „Wiener Modell“ erarbeitet. Dabei soll die medizinzische Versorgung im niedergelassenen Bereich durch flexible Angebote leistungsfähiger und attraktiver werden, und zwar vor allem durch neue Primärversorgungsmodelle nach Vorbild des bisher ersten „PHC MedizinMariahilf“ sowie durch ein neues Pilotprojekt zu Einzelordinationsnetzwerken. Auch die bestehende Struktur der Hausärzte soll gestärkt und attraktiver gestaltet werden. 

Zwtl.: Stärkung des Ärztefunkdienstes

Die Akutversorgung an den Wochenenden, Feiertagen und in der Nacht soll verstärkt durch den Ärztefunkdienst erfolgen. Konkret müssen Ärztefunkdienst und Wiener Rettung in Zukunft stärker kooperieren. Ruft jemand den Notruf 144, entscheiden ausgebildete Fachleute, ob die Person mit der Rettung ins Spital transportiert wird oder ob beispielsweise der Ärztefunkdienst nach Hause kommt. Das soll auch die Rettungsfahrten von Wohn- und Pflegeheimen minimieren; statt ins Spital kommt der Funkarzt direkt in die Pflegeeinrichtung. „Für uns steht fest, dass die Kapazität des Ärztefunkdienstes gestärkt und an diese neuen Rollen angepasst werden muss“, unterstreicht Steinhart. 

Das gilt auch für die Umsetzung des telefon- und webbasierten Erstkontakt- und Beratungsservices (kurz: TEWEB). Spezialprojekte wie TEWEB sollen ökonomisch sinnvoll und medizinisch qualitativ hochstehend im Ärztefunkdienst organisiert werden. Dem höheren Leistungsangebot im niedergelassenen Bereich, das einen höheren Aufwand und verstärkte Investitionen für Ärztinnen und Ärzte bedeutet, müssten jedenfalls dementsprechende Finanzierungen gegenüberstehen, so Steinhart.

Zwtl.: Konzept „Kinderarzt 2017“ umsetzen 

Auch bei der kinderärztlichen Versorgung hat die Ärztekammer bereits vor Monaten ihre Pläne zur Verbesserung der Stadt und Krankenkasse präsentiert. „Im Mittelpunkt steht dabei die Aufwertung sowohl von Einzelordinationen und Gruppenpraxen als auch von vernetzten Versorgungseinheiten auf Basis des Gesamtvertrags“, erklärt Steinhart. Doch die Gespräche würden von der Wiener Gebietskrankenkasse verschleppt: „Hier erwarten wir uns von der neuen Gesundheitsstadträtin eindeutig mehr Druck auf die reformunwillige Sozialversicherung.“

Denn der klassische Kinderarzt ist auch im Jahr 2017 mit Schikanen der Krankenkasse konfrontiert: Fehlende Wochenendzuschläge und bürokratische Hürden erschweren die tägliche Arbeit, flexible Angebote werden unmöglich gemacht. Wegen der strengen Vertretungsbestimmungen ist es selbst in Notsituationen nicht zulässig, zu zweit mit einem Kollegen – gerade, wenn in der kalten Jahreszeit vermehrt Kinder erkranken - gemeinsam zu arbeiten. Vertretungen sind immer noch lediglich im Urlaubs- oder Krankheitsfall gestattet, und das Zuziehen weiterer Ärztinnen und Ärzte ist den Kassenärzten untersagt.

Die Ärztekammer baut nun auf die Gespräche mit der Gesundheitsstadträtin, um die Baustellen im Wiener Gesundheitssystem gemeinsam zu bearbeiten. „Wir wollen konstruktiv über Lösungen sprechen, fordern aber verbindliche Zusagen, um den niedergelassenen Bereich endlich zukunftsfit zu machen“, bekräftigt Steinhart, doch das könne man nur, wenn man „miteinander und nicht, wie bisher oft üblich, gegeneinander handelt. Statt leerer Worte, brauchen wir jetzt eine lösungsorientierte Einsatzgruppe. Wir als Ärztekammer sind dabei gerne mit an Bord“. (lsd)

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