Zugsunglück von Viareggio: Gewerkschaft vida sieht „richtungsweisendes Urteil“

Manager in Italien verurteilt – vida-Hebenstreit kritisiert: Hierzulande oft zuerst einfache MitarbeiterInnen nach Unfällen im Visier

Wien (OTS/ÖGB) - Ein „richtungsweisendes Urteil der italienischen Justiz“, sieht Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, angesichts der gestern erfolgten Verurteilung von Bahnmanagern in der Causa Zugsunglück von Viareggio. „Im Unterschied zu Italien hat die Justiz hierzulande sofort die einfachen MitarbeiterInnen nach Unfällen im Visier. Ob organisatorische Fehler in Unternehmen einen Unfall begünstigt haben könnten, wird oft nicht weiter nachgegangen“, kritisiert Hebenstreit. 

Fast acht Jahre nach einem Zugsunglück mit 32 Todesopfern in der italienischen Küstenstadt Viareggio sind gestern, Dienstag, zwei österreichische Bahnmanager in Italien zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Der ehemalige Chef der italienischen Bahn bekam sieben Jahre Gefängnis. „Verantwortliche Manager werden für ihre Aufgaben üppig entlohnt. Der Begriff Wahrnehmung von Verantwortung und Einstehen für Vergehen vor dem Gesetz sind Aufgaben, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. In diesen Punkten hat die italienische Justiz eine objektive Herangehensweise bewiesen“, bekräftigt der vida-Vorsitzende.

Ein weiterer Mangel im Zusammenhang mit Eisenbahnunfällen sei, dass das derzeitige Eisenbahnsicherheits- und Kontrollnetz in Europa insgesamt noch einen großen Nachholbedarf in einigen Bereichen wie beispielsweise bei den Regelungen zur wagentechnischen Beurteilung aufweise. Das mache es oft schwierig, ohne Spezialkenntnisse die Schuldigen an den richtigen Stellen zu orten. Auch deswegen könnten sich Verantwortliche zu einfach aus der Verantwortung stehlen. Um Verdachtsmomente besser aufklären bzw. Verstöße rascher ahnden zu können, müsse überlegt werden, Staatsanwälte und Richter zukünftig hinsichtlich des Eisenbahnrechts besser zu spezifizieren, schlägt Hebenstreit vor.  

„Es ist in Österreich bedauerlicherweise auch ein weithin bekannter Umstand, dass das Verbandhaftungsrecht aufgrund seiner Komplexität bei Fällen aus dem Eisenbahnbereich bei Anklage und Gericht zumeist außen vor gelassen wird“, so der vida-Gewerkschafter. Das habe zur Folge, dass Betriebe bzw. deren Geschäftsführungen zumeist ungeschoren davonkommen. Einfache Beschäftigte müssen dafür oft zuerst den Kopf hinhalten. Verdachtsmomente würden allzu voreilig immer zuerst gegen das Personal kolportiert, verweist Hebenstreit auf das Zugunglück bei den Steiermärkischen Landesbahnen im Jahr 2015 und den dazugehörigen Ermittlungsverlauf.  

„Es muss endlich auch in Österreich damit Schluss sein, dass bei Vorfällen mit komplexer Gesetzeslage versucht wird, die Schuld auf einfache Beschäftigte zu schieben“, bekräftigt Hebenstreit.

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