Nationalrat: Flächendeckendes WLAN-Angebot in den Schulen ab 2021

Fragestunde mit Ministerin Hammerschmid über Digitalisierung, Budget und LehrerInnenausbildung

Wien (PK) - Die im Arbeitsprogramm der Bundesregierung für 2017/2018 enthaltene Digitalisierungsstrategie für das Schulsystem, die finanzielle Lücke im Bildungsbudget in der Höhe von 190 Mio. € sowie die Umsetzung des Autonomiepakets waren nur einige der Themenbereiche, die in der heutigen Fragestunde des Nationalrats behandelt wurden. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid hielt die digitale Grundbildung, die in den Lehrplänen verankert wird, für einen zentralen Schlüssel, um die Kinder und Jugendlichen für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten. Aus diesem Grund habe die Regierung ein umfassendes Paket geschnürt, das u.a. vorsieht, dass bis zum Jahr 2021 alle Schulen mit WLAN ausgerüstet werden.

Zahlreiche Projekte im Bereich Digitalisierung; konkrete Finanzierung noch unklar

Bundesministerin Sonja Hammerschmid war überzeugt davon, dass das aktuelle Arbeitsprogramm der Bundesregierung für die Jahre 2017 und 2018 eine sehr gute Grundlage dafür ist, das österreichische Schulsystem zukunftsfit zu machen. Als besonders wichtig erachtete sie, dass mit dem Koalitionspartner, mit dem es gerade im Bildungsbereich sehr viel Übereinstimmung gibt, konkrete Zeitpläne festgelegt wurden. Sie versicherte den Abgeordneten, auch mit den einzelnen Schulpartnern, den Gewerkschaften und den Ländern würden konstruktive Gespräche laufen. Hammerschmid war daher guten Mutes, das Autonomiepaket bereits in den nächsten Wochen dem Parlament zuleiten zu können.

Abgeordnetem Harald Walser (G) gegenüber räumte sie ein, dass trotz einer Erhöhung des Bildungsbudgets im Herbst 2016 noch immer eine Lücke von 190 Mio. € bestehe, die noch geschlossen werden müsse. Auch wenn es von Seiten des Finanzministers positive Signale gebe, appellierte die Ressortchefin an alle Abgeordneten, sie in dieser Angelegenheit zu unterstützen. Alleine für die Versorgung aller Schulen mit einem WLAN-Netz wären 92,8 Mio. € erforderlich. Vor allem bei den Pflichtschulen habe man dabei einen Nachholbedarf; derzeit haben 31% bzw. 78% der Klassen dieses Schultyps einen Zugang zu WLAN bzw. zum Internet.

Zusätzliche Mittel brauche man auch für die gemeinsame Digitalisierungsstrategie der Regierung, die dazu dienen soll, das Schulsystem innovativer und zukunftstauglicher zu machen, konstatierte Hammerschmid. Darin enthalten sind z.B. der schrittweise Ausbau von Breitband und WLAN-Anschlüssen, die Bereitstellung von Tablets und Laptops für SchülerInnen (in der 5. und 9. Schulstufe) und LehrerInnnen ab 2018. Gerade aber was die Frage der Ausstattung mit digitalen Endgeräten angeht, sollen auch neue Finanzierungswege beschritten werden, wie z.B. Kooperationen mit der Industrie, PPP-Modelle oder die zentrale Abwicklung über die Bundesbeschaffungsagentur. Ein konkretes Konzept soll spätestens im Sommer 2017 vorliegen, kündigte die Ministerin an. In diesem Zusammenhang betonte sie gegenüber Abgeordnetem Steinbichler (T), dass Tablets und Laptops als sinnvolle Ergänzung gesehen werden und sicherlich nicht das Schreiben- und Lesenlernen ersetzen sollen. Sie erwarte sich sogar, dass es durch die neuen Medien, die Wissen auf spielerische Weise vermitteln können, zu Kompetenzsteigerungen in den einzelnen Fächern kommen wird. Um dies zu erreichen müssen natürlich auch die digitalen Grundkompetenzen der PädagogInnen gestärkt werden; für diverse Angebote in diesem Bereich werden 2,4 Mio. € bereitgestellt. Als Beispiele nannte die Ministerin die Einrichtung von Lernplattformen oder die Stärkung der "virtuellen Hochschule".

Hammerschmid wies weiters auf die Initiative "eEducation Austria" des Bildungsministeriums hin, die das Ziele verfolge, digitale und informatische Kompetenzen in alle Klassenzimmer Österreichs zu tragen. Das dafür zuständige Kompetenzzentrum in Linz werde übermorgen eröffnet, kündigte die Ressortchefin an. Ein besonderes Anliegen war der Ministerin, die Kinder und Jugendlichen in die Lage zu versetzen, die Inhalte des Internets und der sozialen Medien kritisch zu hinterfragen und sie auch über die Risiken (z.B. Hasspostings, Cybermobbing, Fake-News), die damit verbunden sind, aufzuklären. Überdies sollen technologische Kompetenzen stufenweise in den Lehrplänen verankert werden. Das Arbeitsprogramm sieht weiters die gratis Bereitstellung von digitalen Lern- und Lehrmaterialien (z.B. eBook+) vor. Die Vermittlung von Medienkompetenz sei jedenfalls klar in den Lehrplänen festgeschrieben und werde sicherlich nicht nur ein "nebensächliches Anhängsel" bleiben, versicherte Hammerschmid gegenüber Abgeordneter Sigrid Maurer (G).

PädagogInnenausbildung Neu: Lehrberuf soll attraktiver werden und wieder hohes Ansehen genießen

Ein ganz wichtiges Anliegen der Ministerin war es, den LehrerInnenberuf zu attraktivieren und den PädagogInnen jene Wertschätzung zu geben, die sie verdienen. In Richtung der ÖVP-Mandatarin Brigitte Jank erinnerte sie daran, dass mit der Ausbildungsreform wirklich neue Maßstäbe gesetzt wurden, da nunmehr nicht nur Aufnahme- und Eignungstests vorgesehen sind, sondern durch die Tertiärisierung des Berufs die Qualitätsstandards deutlich gesteigert werden. Auch durch die höheren Einstiegsgehälter erwarte sie sich, dass die Besten und Motiviertesten für den Beruf gewonnen werden können. Vor allem bei den naturwissenschaftlichen Fächern sei man zudem bemüht, mehr QuereinsteigerInnen in das Bildungssystem hereinzuholen, erklärte Hammerschmid. Im Laufe des Jahres soll auch ein Hochschulentwicklungsplan erstellt werden, der regionale Verbünde sowie ein Mehr an Autonomie bringen soll. Durch die Summe dieser Maßnahmen sei ihrer Meinung nach gewährleistet, dass es in Zukunft zu keinem LehrerInnenmangel kommt.

Reaktion auf die PISA-Ergebnisse 2015: Kurzfristige und langfristige Maßnahmen

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid stimmte mit SPÖ-Abgeordneter Elisabeth Grossmann darin überein, dass angesichts der aktuellen PISA-Ergebnisse in den Fächern Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen massiver Handlungsbedarf besteht. Es werde darauf mit einem Bündel an Maßnahmen reagiert, das vom Autonomiepaket bis hin zum Ausbau der ganztägiger Schulformen reiche. Wenn Schulen mehr Selbstständigkeit erhalten, können sie zielgerichteter agieren und viel stärker auf Talente und Schwächen der jungen Menschen Rücksicht nehmen, war die Ressortchefin überzeugt. Daneben brauche es aber auch noch Instrumente, die rasch umgesetzt werden können. Gerade in Schulen, wo es besondere Herausforderungen gibt, sollen den PädagogInnen Werkzeuge in die Hand gegeben werden, um zu testen, wo ihre SchülerInnen in den einzelnen Fächern genau stehen. Im Volksschulbereich werden solche Diagnoseinstrumente bereits erprobt, informierte Hammerschmid, und sollen flächendeckend im nächsten Schuljahr eingesetzt werden. Außerdem werde in die Aus- und Fortbildung der LehrerInnen investiert. Im Rahmen einer Bildungsklausur, die noch im Februar stattfinden wird, sollen gemeinsam mit externen ExpertInnen weitere Maßnahmen erarbeitet und dann schnell umgesetzt werden.

Schulstrukturen: Clustermanager, inklusive Schule, AHS-Unterstufe

Abgeordneten Wendelin Mölzer (F) gegenüber versicherte die Ressortchefin, dass es durch die Einführung von "Clustermanagern" zu keinen Einsparungen durch die Hintertür kommen werde. Das Gegenteil sei der Fall: Durch die Bündelung der administrativen Tätigkeiten werden nicht nur die einzelnen Schulstandorte entlastet, sondern die PädagogInnen können sich wieder mehr auf ihre Lehrtätigkeit konzentrieren. Das Konzept werde auch dazu beitragen, Kleinstschulen zu erhalten, ist sie überzeugt.

Was das bis zum Jahr 2020 laufende Pilotprojekt "Inklusive Modellregionen" in Tirol, Kärnten und der Steiermark betrifft - eine Frage des Abgeordneten Elmar Mayer (S) - so wolle man daraus lernen, welche Konzepte sich bewähren, erläuterte Hammerschmid. Das Projekt werde wissenschaftlich begleitet und regelmäßig evaluiert. Danach werde man eine gute Entscheidungsgrundlage dafür haben, ob und in welcher Weise man dieses Konzept bundesweit umsetzen könne.

Abgeordnetem Walter Rosenkranz (F) gegenüber stellte die Bundesministerin fest, dass es zu keinem Aus der AHS-Unterstufe kommen wird. Es werde derzeit nur ein Konzept für jene Modellregionen erarbeitet, in denen die gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen erprobt werden soll. Zahlreiche internationale Bildungsstudien hätten belegt, dass insbesondere jene Länder viel besser abschneiden, wo es über weite Strecken eine Gesamtschule gibt, gab Hammerschmid zu bedenken.

Wertevermittlung auch abseits des Religionsunterrichts gewährleistet

ÖVP-Mandatar Asdin El Habbassi teilte die Ministerin mit, dass VolksschülerInnen etwa im Sachunterricht demokratische Grundwerte oder Informationen über Kinderrechte vermittelt bekommen. Auch in der Sekundarstufe I werde besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass es eine Werteerziehung im Rahmen des Fachs Politische Bildung gibt. In der zweiten Sekundarstufe würden dann Fächer wie Philosophie, Wirtschaftsethik oder Geschichte und Politische Bildung gewährleisten, dass Jugendliche, die nicht an einem konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen, dennoch eine Wertevermittlung erhalten. Im Zuge der Schulautonomie gebe es zudem die Möglichkeit, Schwerpunkte zu setzen und zusätzliche Stunden in diesem Bereich in den Stundeplan zu integrieren. Zur Frage der Einführung eines generellen Ethikunterrichts könne sie derzeit noch nichts sagen; die Diskussion sei jedenfalls eröffnet. (Fortsetzung Nationalrat) sue

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