Volkshilfe zum Sozialbericht: Langzeiteffekte nicht ausblenden!

Fenninger: Sozialstaat funktioniert, hohe Arbeitslosigkeit ist ein Brennpunkt.

Wien (OTS) - Der Bericht des Sozialministeriums zeigt, dass die Herausforderungen, mit welchen Österreich in Folge der Finanzkrise konfrontiert war, erfolgreich bewältigt wurden. Dies ist vor allem auf wohlfahrtsstaatliche Strukturen zurückzuführen, sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich: „Aus dem Sozialbericht geht hervor, dass der soziale Schutz in Österreich auch in Krisenzeiten grundsätzlich funktioniert. Daher muss es für die politisch Verantwortlichen oberstes Gebot sein, sich für den Erhalt und den Ausbau des Sozialstaates einzusetzen und Kürzungen beispielsweise bei der Mindestsicherung nicht leichtfertig zu akzeptieren“.

Zwar sind die Haushaltseinkommen während der letzten Jahre sowohl für das obere als auch für das untere Viertel gestiegen. Als besorgniserregend stuft der Direktor allerdings die hohe Arbeitslosigkeit ein: „Der technologische Wandel, Digitalisierung und fortschreitende Roboterisierung und gleichzeitig ein wachsender Arbeitskräftepool sind große Herausforderungen, die wir mit innovativen Methoden bekämpfen müssen. Denn eines ist klar, die dramatischen Auswirkungen von Massenarbeitslosigkeit werden sich erst in zukünftigen Armutsstatistiken zeigen“.

Arm und Reich würden zwar derzeit nicht weiter auseinanderdriften und die Einkommensverteilung sei relativ gleichmäßig, sagt Fenninger, jedoch: „Der Gegensatz zwischen immer mehr Menschen, die am Arbeitsmarkt teilnehmen und einer über Jahrzehnte sinkende Lohnquote am Volkseinkommen zeigt, dass viel Einkommen aus Unternehmenserträgen und Vermögen erzielt wird. Daher bleibt die Vermögensverteilung auch der große wunde Punkt in Österreich".

Während man sich mit Erwerbsarbeit kaum noch ein Eigenheim leisten könne, nimmt die Vermögenskumulation im obersten Bereich immer mehr zu, so der Direktor: "Diese immer noch wachsende Ungleichheit schadet langfristig der gesamten Gesellschaft. Eine geringere Lebenserwartung, mehr psychische Erkrankungen, geringere Lese- und Schreibkompetenzen und niedrigere Bildungsabschlüsse, höhere Kriminalitätsraten, geringere soziale Mobilität und infolgedessen ein geringeres gegenseitiges Vertrauen. Das alles wirkt sich negativ auf den sozialen Zusammenhalt aus. Dem gilt es endlich mit vermögensbezogenen Steuern entgegenzuwirken“, so Direktor Fenninger abschließend.

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