TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Mittwoch, 1. Februar 2017, von Peter Nindler: "Holpriger Olympia-Start"

Innsbruck (OTS) - Wenn sich Tirol für Olympische Winterspiele bewerben möchte, muss die Bevölkerung vom Nutzen überzeugt werden. Dabei geht es vor allem um Glaubwürdigkeit, das Zaudern bei der Volksbefragung hat diese nicht gerade gestärkt.

Wer glaubt, dass eine Bewerbung für Olympische Winterspiele heute noch flächendeckend Euphorie auslöst, der hat die vergangenen Jahre verschlafen. Nicht nur, dass die zweifache Olympiastadt Innsbruck dritte Winterspiele bereits zwei Mal abgelehnt hat, kämpft Olympia mit einem denkbar schlechten Image. Doping, Gigantomanie und Korruption lassen an der Nachhaltigkeit von sportlichen Großveranstaltungen zweifeln. Die Skepsis wächst, Volksbefragungen in möglichen Austragungsstädten gehen reihenweise negativ aus. Wer Winterspiele neu denken und deshalb veranstalten möchte, was als politische Zielsetzung in Tirol durchaus legitim ist, muss deshalb die Bevölkerung vom Mehrwert überzeugen.
Die Politik wird allerdings scheitern, wenn sie weiter zaudert, zögert und herumeiert. Wochenlang haben LH Günther Platter und Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer das Bekenntnis zu einer unumgänglichen Volksbefragung vor einer Olympia-Bewerbung umschifft. Leadership sieht anders aus. Herausgefordert von der Liste Fritz, der wohlgemerkt kleinsten Oppositionspartei im Landtag, mussten die politischen Olympioniken jetzt Farbe bekennen. Das hätten sie einfacher haben können. Wer so agiert, muss sich dann nicht über eine neuerliche Absage für eine Olympia-Bewerbung der bekannt olympiakritischen Bevölkerung in der Landeshauptstadt wundern.
In der Olympia-Diskussion geht es deshalb um Glaubwürdigkeit, denn machbar werden Winterspiele wohl sein. Auch in Tirol. Durch eine sich ständig wiederholende Überschriftenpolitik über nachhaltige und ökologische Spiele lassen sich politische Zukunftsvisionen keinesfalls ersetzen. Olympia kann lediglich ein Teil davon sein. Doch zuerst muss man die Menschen in ihren realen Lebenswelten abholen. Wohnen, Arbeitsplätze, Sicherheit oder Geschäftemacherei auf Kosten der Bevölkerung – das sind die Ängste und Sorgen, denen sich die Politik stellen muss. Schon jetzt. Wenn die Bevölkerung das Gefühl hat, die Politik bewältigt die dringenden und aktuellen Herausforderungen ihres Alltags, wird sie Olympische Spiele nicht als Last, sondern vielleicht als zusätzlichen Nutzen sehen.
Eine Olympia-Bewerbung kann durchaus eine Chance sein, sich insgesamt mit der Zukunftsgestaltung des Land auseinanderzusetzen. Sich einzig und allein auf die Machbarkeitsstudie zu konzentrieren, wird zu wenig sein. Noch dazu sind Tirol und Innsbruck dafür ohnehin schon sehr spät dran.

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