Walser zu Regierungsübereinkommen: „Ich bin schwer enttäuscht“

Keine SPÖVP-Vorschläge zu Lesekompetenz und Bildungsgerechtigkeit

Wien (OTS) - "Ich bin schwer enttäuscht“, ärgert sich Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, über die heute bekannt gewordenen Pläne der Bundesregierung im Bildungsbereich: „Viel heiße Luft wird abgesondert, ohne die drängenden und seit Jahren bekannte Problem des österreichischen Schulsystems in Angriff zu nehmen. Vor allem die überfällige grundlegende Schulreform und zu den Modellregionen werden nicht einmal angesprochen, obwohl es angeblich im November 2015 dazu schon eine Einigung gegeben habe.“

Bei nationalen und internationalen Untersuchungen zeichnen sich regelmäßig die mangelnde Lesekompetenz der österreichischen Schülerinnen und Schüler sowie die starke Abhängigkeit des Bildungserfolges vom Elternhaus ab. „Ich sehe nicht, wie Laptops und Tablets diese Problem lösen sollen“, wundert sich Walser über die mangelnde Weitsicht der Regierung: „Laptops und Tablets sind Werkzeuge. Um sie sinnvoll zu nutzen, brauchen SchülerInnen Kompetenzen, die auch in anderen Bereichen sinnvoll und notwendig sind. An erster Stelle steht für mich das sinnerfassende Lesen.“ In den Volksschulen müssten daher die Mittel bereitgestellt und die Möglichkeiten geschaffen werden, alle Kinder beim Erlernen der Grundkompetenzen zu unterstützen. 

„Momentan erscheint es so, also würden mit der Initiative Computerkonzerne, Softwarefirmen und Verlagshäuser, die elektronische Medien bereitstellen, große Freude haben – zu Lasten und auf Kosten der SchülerInnen“, verweist Walser auf die angekündigten Kooperationen mit der Industrie, PPP-Modelle und den Verweis, die Mittel aus der eben erst geschaffen Innovationsstiftung für Bildung in die Entwicklung von digitalem Lernmaterial zu investieren. 

„Immerhin, beim zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr gesteht die Regierung die Sinnhaftigkeit ein. Die schon im Regierungsprogramm 2013 versprochene Umsetzung wird aber mit Pilotprojekten erst mal auf die lange Bank geschoben“, sagt Walser weiter.

Auch bei der angekündigten modernen Bildungsbehörde hegt Walser Zweifel: „Bislang waren die Länder nicht bereit, ihren politischen Einfluss auf die Behörden aufzugeben. Warum soll das jetzt plötzlich anders sein?“ Die geplante Zwitterbehörde, in der Bund und Länder die Schulen und das Lehrpersonal verwalten sollen, werde die bestehenden Doppelgleisigkeiten nicht beheben. Die Einschränkungen bei der Mitbestimmung der SchulpartnerInnen bedeuten ein Weniger an Demokratie und sind zudem nicht zu akzeptieren, bemängelt Walser abschließend: „So nicht!“

 

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