Neues Volksblatt: "Er menschelt" von Harald ENGELSBERGER

Ausgabe vom 27. Jänner 2017

Linz (OTS) - Endlich haben wir mit Alexander Van der Bellen einen neuen Bundespräsidenten. In seiner Antrittsrede versprach er, ein Präsident für alle sein zu wollen und genau das vermittelte er auch – er menschelte. Ungeachtet des oft in Protokolle gezwängten Amtes überraschte er in seiner launigen Rede mit einer Sprache, die jeder versteht. Van der Bellen erzählte von Ängsten, die er meistern musste, als er als Elfjähriger erstmals im Hallenbad am Dreimeter-Brett stand und erst nach einigem Zögern gesprungen ist. Auch vom Fünfmeter-Brett hat er den Sprung gewagt, bei sieben Metern streikte er aber.
Der Sprung ins kalte Wasser, noch dazu aus ziemlicher Höhe, ist nicht jedermanns Sache. Van der Bellen versuchte mit diesem Bild zu vermitteln, dass man sich im Leben öfter mal überwinden muss. Man kann auch eine Mahnung an die Regierung hineininterpretieren, doch den Versuch zu wagen und über den eigenen Schatten zu springen und endlich das viel zitierte „Gemeinsame vor das Trennende“ zu stellen. Parallel zu Van der Bellens Angelobung kursierten ja die wildesten Gerüchte über einen Koalitionsbruch und verfrühte Neuwahlen. Manche Kommentatoren spielten da sogar mit dem Gedanken, was denn sei, wenn der neue Bundespräsident das traditionelle Demissionsangebot der Regierung annehmen würde. Dann bräuchte sich dieselbe ja nicht selbst zu sprengen.
Zum Glück hielt sich Van der Bellen aber doch ans Protokoll.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt, Chefredaktion
0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001