PwC Studie Power & Renewables Deals: Als Einzelkämpfer wird kein Energieversorger überleben

Wien (OTS) - Trotz politischer Unsicherheiten und sich ändernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen befindet sich der Gesamtwert der Transaktionen bei Fusionen und Übernahmen im Sektor Power & Utilities auf dem höchsten Niveau in diesem Jahrzehnt. Das ist das Ergebnis der Studie „Power & Renewables Deals“ von PwC, die jährlich erscheint.
 
Michael Sponring, Territory Leader Power & Utilities bei PwC Österreich: „2016 war ein gutes Jahr, doch die Aussichten für 2017 sind getrübt. Trotz politischer Unsicherheiten glauben wir, dass die Grundlagen für Geschäftsabschlüsse in dem Sektor überwiegen werden. Das Interesse von Investoren an den permanenten und langfristigen Erträgen, die sich aus reguliertem Vermögen aus der Strom- und Gasinfrastruktur ergeben, wird weiterhin großes Interesse bei Investoren wecken und den Druck auf die Akquisitionsprämien erhöhen. Auch in Bezug auf den Klimawandel gibt es gewisse Unsicherheiten, die sich etwa aus dem Ausgang der US-Wahlen ergeben, jedoch werden die Ökonomie und die Dynamik hinter der Entkarbonisierung sowie weitgehende Energieveränderungen die Politik in den Hintergrund drängen.“
 
Im Jahr 2016 wurden Transaktionen im Bereich Energie und erneuerbare Energien im Wert von 293 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben, das entspricht einer Steigerung von 47 % gegenüber dem Vorjahr 2015 mit 199 Milliarden US-Dollar. Von dem um 94 Milliarden US-Dollar gestiegenen Transaktionswert stammten 87 Milliarden US-Dollar aus Nordamerika. Der Transaktionswert in Nordamerika stieg auf eine absolute Rekordmarke von 167 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016. Daneben wurden jedoch auch Steigerungen in Australasien, Europa und Lateinamerika verzeichnet.
 
Im gesamten Sektor gab es deutliche Tendenzen:
 - Starke Nachfrage von institutionellen Käufern und   Infrastrukturfonds, wobei sich die Einkäufe aus diesen Quellen von 37 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 auf 65 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 nahezu verdoppelt haben.
 - Der Transaktionswert in Verbindung mit Infrastrukturfonds allein hat sich von 7 Milliarden US-Dollar auf 31 Milliarden US-Dollar vervierfacht.
 - Das Transaktionsvolumen im Bereich erneuerbare Energien ist zwar auf gleichem Niveau geblieben, jedoch fiel beim Vorjahresvergleich der Transaktionswert in diesem Bereich von 55 Milliarden US-Dollar auf 38 Milliarden US-Dollar, teilweise aufgrund einiger großer Geschäfte im Bereich Wasserkraft.

Obwohl sich in Westeuropa der Abwärtstrend des Transaktionsvolumens fortsetzte, konnte im Jahr 2016 eine Zunahme der Transaktionswerte um 25 % verzeichnet werden. Der Anstieg von 34 Milliarden US-Dollar auf 39 Milliarden US-Dollar ist insbesondere auf mehrere große Transaktionen zurückzuführen. Hier sind insbesondere National Grid mit der Veräußerung von 61 % seiner Gassparte mit einem Gegenwert von 10,6 Milliarden US-Dollar, die Italgas-Abspaltung von Snam in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar sowie der Uniper-Spin-Off von E.ON im Wert von 5 Milliarden US-Dollar zu nennen. In Zentral- und Osteuropa sowie Russland konnte eine Zunahme der Transaktionswerte verzeichnet werden, diese Entwicklung wurde vornehmlich durch die Umstrukturierung der Eigentumsverhältnisse des tschechischen Stromerzeugers EPH mit einem Gegenwert von 3 Milliarden US-Dollar getragen.
 
In Österreich waren in den letzten 14 Monaten Infrastrukturfonds insbesondere am regulierten Business interessiert. Zu erwähnen ist hier beispielsweise die Übernahme des 25,1 % Anteils der EdF an der Energie Steiermark AG durch den australischen Fonds Macquarie oder der 49 % Einstieg des Konsortiums Allianz Capital Partners (ACP)/ Snam bei der Gas Connect Austria GmbH (GCA).
 
Michael Sponring: „Die Dealmaker in Europa müssen sich auf Gegenwind aus dem politischen Bereich gefasst machen. In Frankreich und Deutschland stehen im Jahr 2017 Wahlen an und der Brexit sorgt weiterhin für Unsicherheit – summa summarum eine risikobehaftete Ausgangssituation. Unabhängig vom Ergebnis dieser Ereignisse verstärken sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schwierigkeiten, die Europa damit hat, die niedrigen Wachstumsraten zu überwinden.“
 
Von dieser Szenerie werden unterschiedlichste Auswirkungen auf Geschäfte im Energiesektor und im Bereich der erneuerbaren Energien erwartet. „Obwohl die politische Situation zu einem deutlich höheren Risiko im Handel führt, gehen wir nicht davon aus, dass das politische Risiko in ein erhöhtes Regulierungsrisiko im Energiebereich übergeht, was sich in Folge auf die Geschäftsfreudigkeit auswirken würde. Investoren im Versorgungssektor sind bereits vertraut mit dem Drahtseilakt, der mit der Abwägung nationaler und EU-politischer Energiebelange einhergeht“, so Sponring.
 
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