AK-Wertschöpfungsbarometer 2015: Gewinnauszahlungen top – Sachinvestitionen flop

Linz (OTS) - Die hohe Produktivität ihrer Mitarbeiter/-innen hat Österreichs Mittel- und Großbetrieben auch 2015 wieder eine hohe Rentabilität des Eigenkapitals und den Eigentümern/-innen hohe Gewinnauszahlungen beschert. 2015 überstieg die durchschnittliche Pro-Kopf-Wertschöpfung in österreichischen Mittel- und Großbetrieben den durchschnittlichen Pro-Kopf-Personalaufwand um 33.839 Euro. Nach einem Anstieg um 1,7 Prozent im Jahr 2014 hat sich dieser Wert 2015 mit plus 3,2 Prozent fast doppelt so stark erhöht. Die Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen pro Beschäftigtem sind 2015 überproportional um 9,9 Prozent auf 13.879 Euro angestiegen, fast dreimal so stark wie die Investitionen in Sachanlagen.

Seit 2005 wurden die durchschnittlichen Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen pro Beschäftigter/pro Beschäftigtem nominell um rund 50,6 Prozent gesteigert, rund 2,5-mal so stark wie der Personalaufwand pro Beschäftigtem. Im Vorjahr sind die Gewinnauszahlungen pro Beschäftigtem sogar 5,2-mal so stark angestiegen wie der Personalaufwand!

„Statt immer mehr des erwirtschafteten Geldes an die Eigentümer auszuschütten, sollten es die Unternehmen verstärkt für dringend nötige Investitionen, Innovationen und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze verwenden“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Während die Interessenvertreter/-innen der österreichischen Unternehmen lautstark über mangelnde Wettbewerbsfähigkeit aufgrund angeblich zu hoher Lohnkosten jammern, um dadurch die Lohnansprüche klein zu halten oder eine Senkung der Sozialbeiträge durchzusetzen, schrauben sie gleichzeitig die durchschnittlichen Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen in die Höhe. Von einer schwindenden Attraktivität des „Standorts Österreich“ kann also keine Rede sein.

Diese Schlüsse lassen sich aus den Berechnungen zum AK-Wertschöpfungsbarometer ziehen. Dabei errechnet die AK Oberösterreich anhand der veröffentlichten Jahresabschlüsse mittlerer und großer Unternehmen seit Jahren, wie sich die Produktivität der Beschäftigten im Vergleich zu den Personalaufwendungen entwickelt und wofür die daraus erwirtschafteten Überschüsse verwendet werden. Jetzt wurde diese Auswertung um die Daten der aktuell vorliegenden Jahresabschlüsse 2015 von derzeit 1.166 Unternehmen mit insgesamt 518.433 Beschäftigten erweitert. Auf kleine Betriebe sind aus der Studie keine Rückschlüsse möglich.

Mit zukunftsfähigen Investitionen in beschäftigungsfördernde Sachanlagen kann ein Unternehmen abgesichert, die Konkurrenzfähigkeit erhalten oder ausgebaut und auch der Unternehmenswert nachhaltig gesteigert werden. Dies dürfte jedoch noch immer nicht von allen Eigentümern/-innen erkannt worden sein. Denn die Entwicklung der für die Unternehmen und Arbeitsplätze so wichtigen Investitionen in Sachanlagen lässt zu wünschen übrig. Während die durchschnittlichen Sachinvestitionen pro Beschäftigtem von 2005 bis 2015 nominell nur um 10,1 Prozent gestiegen sind, haben sich die durchschnittlichen Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen pro Beschäftigtem im gleichen Zeitraum um rund 50,6 Prozent, also 5-mal so stark, erhöht!

Aufgrund der im Vergleich zur Produktivitätsentwicklung schwachen Lohnentwicklung fehlt es an wachstumsfördernder Nachfrage. „Geringe Lohn- und Gehaltserhöhungen mindern die Kaufkraft, zu geringe Investitionen hemmen die Entwicklung der österreichischen Wirtschaft und die Schaffung neuer Arbeitsplätze“, sagt der AK-Präsident.

Kalliauer fordert kräftige Lohn- und Gehaltssteigerungen zur Stärkung der Kaufkraft und eine schrittweise flächendeckende Anhebung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne und -gehälter auf 1.700 Euro brutto bei Vollzeit. Verstärkte Investitionen in Sachanlagen in Österreich sollten die Grundlage für eine Ankurbelung der österreichischen Wirtschaft und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze sein.

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