TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 25. Jänner 2017 von Stefan Eckerieder "Protektionismus als Sackgasse"

Innsbruck (OTS) - Nicht nur Donald Trump hat dem Freihandel den Kampf angesagt. Auch in Europa fühlen sich die Globalisierungsgegner gestärkt. Die Abschottung der heimischen Märkte wäre ein Desaster für die Weltwirtschaft.

Noch rätselt die Welt, welche wirtschaftspolitische Ausrichtung der neue US-Präsident Donald Trump verfolgen wird. Doch seine ersten Amtshandlungen lassen annehmen, dass er seine Ankündigung wahrmachen will, den freien weltweiten Warenverkehr gegen einen neuen Protektionismus auszutauschen. Ein gefährlicher Paradigmenwechsel. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat Trump das Pazifische Freihandelsabkommen TPP vom Tisch gewischt. Gleichzeitig hat er den USA-EU-Pakt TTIP auf Eis gelegt und erwägt, die Nordamerikanische Freihandelszone NAFTA aufzukündigen. Zudem will er Waren aus China und Mexiko mit hohen Strafzöllen belegen. Damit soll sein Slogan „America First“ wahrgemacht werden und Hunderttausende neue Arbeitsplätze in den USA sollen entstehen.
Doch Trump ist keineswegs der Einzige, der Protektionismus als Mittel gegen die in der Bevölkerung weit verbreitete Angst vor den Folgen der Globalisierung propagiert. Auch in Europa machen Politiker Stimmung gegen die angeblichen Gefahren des Welthandels. Die Furcht wächst, dass eigene Waren und Geschäftsmodelle von Billigimporten und Großkonzernen zerstört werden könnten. Trump bietet auch für heimische Populisten einen willkommenen Vorwand, die eigenen Märkte abzuschotten.
Für exportorientierte Unternehmen und Volkswirtschaften ist das ein Desaster. Es bleibt zwar abzuwarten, wie die Großkonzerne auf Trumps Drohgebärden reagieren werden, für kleinere Betriebe ist es jedoch unmöglich, in allen Märkten eigene Produktionsstätten zu betreiben. Zudem macht die weltweite Arbeitsteilung hochtechnisierte Produkte für weite Teile der Bevölkerung erst leistbar.
Trump macht es den Handelspartnern mehr als schwer, gemeinsam Lösungen für die Probleme, die aus der Globalisierung entstehen, zu finden. Viel wahrscheinlicher ist es deshalb, dass die Welt auf seine Abschottungstendenzen mit einer Kettenreaktion antworten wird. Trotz des Bewusstseins dafür, dass erst offene Märkte und Arbeitsteilung zum stetig gestiegenen Wohlstand in den vergangenen Jahrzehnten geführt haben.
Spätestens wenn auch US-Produkte nicht mehr auf den Weltmärkten abgesetzt werden können, ist jedoch auch Trumps angestrebte Vollbeschäftigung Geschichte. Insofern bleibt nur zu hoffen, dass der US-Präsident zu diesem Szenario alternative Fakten schafft. Gleichzeitig muss die EU einig gegen den Protektionismus auftreten, sonst ist auch ihr Zweck hinfällig.

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