„Menschen & Mächte“-Doku „Warten, warten, warten – Patient Gesundheitswesen“ am 25. Jänner um 22.30 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Meldungen von schwerkranken Patientinnen und Patienten in Gangbetten, Ärztestreiks und enorme Wartezeiten in den Arztpraxen – das österreichische Gesundheitswesen, das sich gerne als eines der besten der Welt darstellt, ist gehörig aus den Fugen geraten. In der „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Warten, warten, warten – Patient Gesundheitswesen“ machen sich Kurt Langbein und Elisabeth Tschachler am Mittwoch, dem 25. Jänner 2017, um 22.30 Uhr in ORF 2 auf die Suche nach den Ursachen:

Österreich ist nach wie vor europaweit das Land mit den meisten Spitalsaufenthalten. Das ist nicht nur teuer, sondern bindet Personal, und selbst die Versorgung chronisch kranker Patientinnen und Patienten findet hauptsächlich im Krankenhaus statt. Die entsprechenden Möglichkeiten im niedergelassenen Bereich fehlen, anders als etwa im Zürcher Medix-Zentrum, wo sich nicht nur Ärzte, sondern auch Pflegerinnen und Pfleger um Patienten mit chronischen Krankheiten kümmern und auf diese Weise unnötige Spitalsaufenthalte verhindern können.

In Österreich gibt es bezogen auf die Einwohnerzahl weit mehr Ärzte als im Europa-Durchschnitt, aber schlechte Organisation führt dennoch zum Mangel an Ärzten. Die Zunahme der Arbeitsbelastung fordert die Spitalsärzte, die seit zwei Jahren nur mehr 48 Stunden pro Woche arbeiten dürfen. In etlichen Gemeinden, wie im niederösterreichischen Gresten, können Kassenpraxen nicht nachbesetzt werden, die verbliebenen Medizinerinnen und Mediziner arbeiten im Land mit den höchsten Ärztezahlen am Limit. Kaum einer mag sich noch dem Diktat der Kassen mit den mageren Honoraren unterwerfen. Dafür steigt die Zahl der Wahlärzte – für die Patienten wie die herzkranke Monika Ziermann tief in die Tasche greifen müssen. Auch Wundpatienten finden außerhalb der Spitalsambulanzen meist nur Wundmanager, die sie selbst bezahlen müssen.

Dass die Finanzierung des niedergelassenen Bereichs bei der Sozialversicherung, die der Krankenhäuser bei den Ländern liegt, wird für Patienten wie Fritz Kardinal zum fortwährenden Problem. Seine Behandlung ist teuer und wird nur in wenigen Spitälern finanziert. So muss der 15-Jährige Woche für Woche von seiner Mutter von Wien nach Mödling zur Therapie gebracht werden.

Mit 400.000 Beschäftigten ist das Gesundheitswesen mit Abstand größter Arbeitgeber. Und es ist der Wirtschaftsbereich, in dem sich die Zukunft unseres Sozialstaates entscheiden wird. Doch die Reformen, die nötig wären, um das System zukunftstauglich zu machen, scheitern regelmäßig. Experten sind sich einig: Es ist vor allem die Organisationsstruktur und die zersplitterte Finanzierung, die das Gesundheitswesen an den Rand des Kollaps bugsiert und die Qualitätssicherung erschwert.

Die Gesundheitsreform von 2013 sieht neue Strukturen vor:
Primärversorgungszentren, in denen nach internationalem Vorbild mehrere Ärztinnen und Ärzte sowie anderes Gesundheitspersonal unter einem Dach Patientinnen und Patienten betreuen. Bund, Länder und Sozialversicherung sehen darin das Ende aller Versorgungsengpässe. Doch bisher gibt es erst ein einziges derartiges Zentrum in Wien-Mariahilf und die Ärztekammer demonstriert und ruft zu Streik auf, weil sie um die Zukunft der Hausärzte fürchtet. Doch auch mit den in den nächsten vier Jahren geplanten 70 Primärversorgungeinheiten sind zwei wesentliche Probleme nicht gelöst: die auf Länder, Bund und Sozialversicherung aufgeteilte Verantwortlichkeit und Finanzierung.

Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream auf der ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) angeboten.

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