Wiener Tierschutzverein: Tierrechte nur auf dem Papier nützen gar nichts

WTV-Präsidentin Petrovic fordert erneut Parteistellung für Tierschutzvereine: Gesetzliche Neuerungen in punkto Tierschutz sind nutzlos, wenn sie nicht in der Praxis angewandt werden.

Vösendorf (OTS) - Die gute Nachricht: Das Bewusstsein für Tierschutz scheint in der Bevölkerung stetig zu wachsen. Die Anrufe bei der Notfallhotline des Wiener Tierschutzvereins (WTV) am Tag und in der Nacht beweisen, dass sehr vielen Menschen das Schicksal von verletzten, entlaufenen oder misshandelten Tieren nicht egal ist und sie umgehend Hilfe suchen. Auch die Gesetzgebung hat mittlerweile -zumindest teilweise - mitgezogen: Tiere sind rein rechtlich keine Sachen mehr (§ 285a ABGB), „Tierschutz“ ist seit 2013 als Staatszielbestimmung in der Verfassung verankert und der Strafrahmen für Tierquälerei wurde im Jahr 2016 verdoppelt.

Tierrechte - ein Systemfehler

Nun die schlechte Nachricht: In der Praxis nützt das wenig, da bei der Durchsetzung von Tierrechten ein Systemfehler im Rechtssystem dazu führt, dass selbst grauenhafte Tierquälereien nicht geahndet werden können. „Wo kein Kläger, da kein Richter. Das weiß schon der Volksmund. Während es in anderen Rechtsbereichen bereits selbstverständlich ist, dass nicht nur physische Personen, sondern auch Institutionen Interessen vertreten und in Prozessen Rechte ausüben können, kann niemand wirksam die Rechte der Tiere vertreten, wenn die Gerichte und die zuständigen Behörden säumig sind“, so WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. So sind etwa Verbandsklagen im Bereich des Konsumentenschutzes möglich, ein Tierschutzverein darf sich jedoch nicht als Vertreter der Tiere vor Gericht für diese äußern.

„Wir kennen Fälle, die so grausam, brutal und unmenschlich sind, dass allen mit den rechtlich geschützten Werten verbundenen Menschen das Blut in den Adern gerinnt: erwürgte Hunde, Massaker an trächtigen Tieren, Hetzjagden auf in Jagdgattern eingesperrte Tiere, schwerste Verletzungen gesetzlicher Haltungsbedingungen, zu Tode getretene Tiere, verdurstete Tiere, und so weiter“, so Petrovic. Einige Gerichte in Österreich seien besonders lax, wenn es um Tierrechte gehe, so die Präsidentin: „Frei nach dem Motto: Die können sich eh nicht wehren und wir ersparen uns Arbeit. Wir werden alle diese Fälle veröffentlichen bis unsere Forderungen nach Einsichts- und Mitspracherechten und nach Prozess-Legitimation erfüllt werden und wir bitten andere Vereine und die Bevölkerung, uns Fälle von gerichtlicher bzw. behördlicher Ignoranz zu melden“. Wenn Tierquälereien wirksam rechtlich bekämpft werden sollen, dann muss den Tieren durch Vereine, die ihre Interessen vertreten, eine Stimme verliehen werden.

Der Wiener Tierschutzverein will seinem Leitspruch „Die Stimme der Tiere“ gerecht werden und nicht nur in Medien, sondern auch vor Gericht und auf gleicher Ebene mit behördlichen Organen wie etwa Amtstierärztinnen und Amtstierärzten auftreten können. „Wir werden jedenfalls nicht aufgeben, bis wir den Tieren auch wirklich überall eine Stimme verleihen können“, so Petrovic abschließend.

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