APA-Science Event: Alles Fake News oder was?

Wien (OTS) - Diskussion von APA-Science zu "Bullshit oder Fakten" in Wissenschaft und Medien - Neue Qualität der Verbreitung - "Kompetenzprobleme" beim User - Quellentransparenz als ein Ausweg

Der Begriff Fake News wird derzeit heftig diskutiert - zumeist im politischen Kontext. Doch auch für die Wissenschaft sind Falschmeldungen und manipulative "Nachrichten" ein Thema, sie hat ganz ähnlich wie die Medien mit einem Vertrauensverlust und Anfeindungen zu kämpfen. Dass das Thema die Öffentlichkeit und die Medien selbst derzeit intensiv beschäftigt, zeigt sich auch in einer aktuellen APA-DeFacto-Medienanalyse: Die Nennung des Begriffs „Fake News“ nimmt seit November 2016 erheblich zu. Ursachen und Gegenstrategien zum Phänomen Fake News diskutierte ein prominentes Podium gestern, Mittwochabend, beim APA-Science Event.

"Fake News are no news", hielt Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny in ihrer Keynote fest. Warum dann die Aufregung gerade jetzt? "Die Dreistigkeit" erschüttere, meinte sie: "Fake News wird wie Falschgeld offen gehandelt." Wissenschafter seien umgeben "von Menschen, die die Wissenschaft ablehnen, verneinen, ihr feindlich gegenüber eingestellt sind".

Wissenschaft nicht in der Defensive

Die Wissenschaft dürfe aber nicht "in die Defensive gehen". Sie müsse ihre Prozesse, "die Entstehung von wissenschaftlichen Tatsachen", besser vermitteln. Und sich aus ihrer "Komfortzone" bewegen und akzeptieren: "Wissen ist Macht, wenn man das Wissen richtig anwendet." Für all das "brauchen wir die Medien". Nur - welche "praktischen Schritte" unternähmen diese, um Falschmeldungen zurückzudrängen oder zu vermeiden?, wollte Nowotny wissen.

Die Medienjournalistin Ingrid Brodnig sieht einen Weg zur Besserung in mehr Transparenz im journalistischen Tun. "Zu zeigen, wir haben sauber recherchiert", könnte wieder mehr Vertrauen bei den Usern schaffen. Denn das sei derzeit dahin, und die Medienkonsumenten bewegten sich zunehmend in Echokammern, wo sie nur die ihnen genehme Information erreiche und die von Algorithmen gefüttert werden.

Journalisten sollten sich auch vor falsch verstandener Ausgewogenheit hüten, riet Brodnig ihrer Zunft. "Journalisten stellen Quacksalber auf dieselbe Ebene wie anerkannte Wissenschafter, die seit 40 Jahren forschen", verwies sie etwa auf die Klassiker Klimawandel oder Impfdebatte. Bei den Usern ortete sie ein "Kompetenzproblem". Das sah Nowotny ähnlich: "Wenn das Internet eine Kloake ist, dann muss ich lernen, wo steige ich hin und wo steige ich nicht hin."

"Fake News" vs. "True News"

Michael Lang, Chefredakteur der APA - Austria Presse Agentur, will nicht nur "ständig darüber reden, was Journalisten gegen Fake News tun können" - sondern auch über die Frage: "Was können wir für True News tun?" In den Redaktionen "müssen wir uns wieder ein bisschen mehr Zeit nehmen" und trotz aller Trends zu Multimedia-Produktion und Live-Bericht auf klassische Recherche setzen. Auch Lang sieht in Fake News nicht unbedingt ein neues Phänomen, konzedierte aber: "Neu ist die Möglichkeit der Verbreitungswege."

Der Präsident des Europäischen Forums Alpbach, Franz Fischler, forderte gar einen "gesellschaftlichen Schulterschluss" für mehr Wahrhaftigkeit, allerdings dürften die Medien nicht in die Rolle des Oberlehrers verfallen. "Die Differenz zwischen der gefühlten Wahrheit und den echten Fakten wird immer größer", beobachtet der einstige EU-Kommissar.

Der nachgerade systemimmanente Drang des Redakteurs, Informationen zuzuspitzen und verkürzt darzustellen, wurde von Meinungsforscher Peter Hajek geschildert. Er verteidigte seine Zunft gegen die jüngsten Vorwürfe, sie habe bei der britischen "Brexit"-Abstimmung ebenso versagt wie bei der US-Wahl. Die Medien drängten auf konkrete Zahlen und würden relativierenden Kontext nicht immer akzeptieren.

Das bestätigte auch Nowotny als Stimme der Wissenschaft: Es sei eine "falsche Vorstellung, von Experten ein klares Ja und Nein zu verlangen. Die Ungewissheit ist ein Faktum."

Eine im Vorfeld der Diskussionsveranstaltung vom APA-Tochterunternehmen APA-DeFacto erstellte Medienanalyse zeigt: Wurde das Thema Fake News zu Beginn des untersuchten Zeitraums im Oktober 2016 noch durchschnittlich knapp zwölf Mal pro Woche in den Medien erwähnt, stiegen die Nennungen ab November bis Mitte Jänner 2017 deutlich auf teilweise mehr als 200 Treffer pro Woche an. Untersucht wurden Nennungen der Begriffe „Fake News“ und „Falschmeldung“ (in verschiedenen Schreibweisen) in Tageszeitungen, Zeitschriften, TV-Sendungen und News-Websites.

Ende Jänner erscheint auf APA-Science ein ausführliches Dossier zum Thema „postfaktisches“ Zeitalter. http://science.apa.at/

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