- 16.01.2017, 14:54:23
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- OTS0157
Boden-Projekt Tea Bag Index liefert neue Erkenntnisse über Bodenaktivität in Österreich
BMLFUW und AGES zeichnen HobbyforscherInnen für Boden- und Klimaschutz-Einsatz aus - Österreichische Citizen Science Konferenz "Expanding Horizons" im März

Utl.: BMLFUW und AGES zeichnen HobbyforscherInnen für Boden- und
Klimaschutz-Einsatz aus - Österreichische Citizen Science
Konferenz "Expanding Horizons" im März =
Wien (OTS) - „Mit Teebeuteln die Bodenaktivität messen und das Klima
schützen“ - mit diesem Anspruch trat das Boden-Forschungsprojekt „Tea
Bag Index Österreich“ an und liefert dank intensiver
BürgerInnen-Beteiligung neue Daten zur Bodenaktivität und zu den
Zersetzungsraten heimischer Acker-, Wald- und Grünlandböden.
„Bodenschutz ist aktiver Klimaschutz“, betonte Bundesminister Andrä
Rupprechter bei der Auszeichnung der HobbyforscherInnen, den so
genannten #CitizenScientists, während der Abschlussveranstaltung in
der AGES. „Die Zukunft des Pflanzenbaus und somit der
Ernährungssicherung in Österreich braucht Nachhaltigkeit. Mit dem
aktiven Einbinden von Bürgerinnen und Bürgern in die
wissenschaftliche Arbeit gelingt eine nachhaltige Bewusstseinsbildung
für das Thema Boden und Forschung. Besonders freut mich die Teilnahme
der Landwirtschaftlichen Fachschulen, denn gut ausgebildete und
interessierte Schülerinnen und Schüler sind die Garantie für eine
nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft“, so Bundesminister
Rupprechter.
Der Dialog mit der Gesellschaft sei in Bodenfragen ebenso wichtig
wie die gezielte Förderung von humusbildenden Maßnahmen im Rahmen des
Österreichischen Agrar- und Umweltprogramms, so Rupprechter weiter.
„Mit dem ÖPUL-Programm setzt die Politik ein starkes Signal in
Richtung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen
Lebensraum schützenden Landwirtschaft.“ Langfristige Vergleichsdaten
der AGES zeigen in allen Regionen einen vergleichbaren Trend, nämlich
eine Zunahme des Humusgehaltes: Im Nordöstlichen Flach- und Hügelland
und im Alpenvorland sind im Verlauf der vergangenen 15 Jahre die
Humusgehalte um etwa 0,2 bis 0,4 Prozent angestiegen, der Median
liegt nun bei knapp 3 Prozent. Zu den humusfördernden ÖPUL-Maßnahmen
zählen insbesondere der Erosionsschutz, die Begrünung von
Ackerflächen, der Einsatz von Mulch- und Direktsaat, Erhaltung von
Grünland sowie Untersaat bei Mais.
Im Rahmen eines „Tag des Bodens“ dankten AGES-Geschäftsführer
Wolfgang Hermann und Bundesminister Andrä Rupprechter den
Nachwuchs-BodenexpertInnen. „Citizen Science verbindet geistiges
Crowdfunding mit den Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung und stärkt
gleichzeitig das Bewusstsein für die gesellschaftliche Bedeutung von
wissenschaftlicher Arbeit“, so der AGES Geschäftsführer. Das Tea Bag
Index Österreich-Projekt sei Dank der „aktiven und kompetenten
Feldforschungsarbeit der Bürgerwissenschafter ein großer Erfolg“
geworden. Das Tea Bag Index Österreich–Projekt wurde in drei
Kategorien (Schule, Gruppe und Einzelperson) mit dem Citizen Science
Award 2016 ausgezeichnet: Von Sommer bis Herbst 2016 beteiligten sich
41 Schulklassen landwirtschaftlicher Berufs- und Fachschulen, vier
Landwirte-Gruppen und 18 Einzel-LandwirtInnen am
Teebeutel-Experiment. Unter der Leitung der AGES haben sie mehr als
2.700 Teebeutel in Maisfeldern, Wiesen oder Waldböden in Österreich
vergraben. Die Teebeutel wurden nach drei Monaten wieder aus dem
Boden ausgegraben und bei der AGES ausgewertet.
Und so funktioniert die Teebeutel-Methode: Über den
Gewichtsverlust der Teebeutel können Rückschlüsse auf die Aktivität
der Bodenorganismen und -lebewesen beim Zersetzungsprozess
unterschiedlicher Pflanzenteile unter unterschiedlichen
Umweltbedingungen gezogen werden. Je höher die Zersetzungsrate der
Teebeutel, desto höher ist die Bodenaktivität und somit die Menge an
gebildetem Gas (CO2), Humus und freigesetzten Nährstoffen. Der Abbau
pflanzlichen Materials im Boden ist entscheidend für das Wachstum und
den Stoffwechsel von Pflanzen und Bodenorganismen. Durch die
Zersetzung und Mineralisierung werden benötigte Nährstoffe verfügbar.
Dabei wird auch das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre
freigesetzt. Ein schneller Abbau pflanzlichen Materials im Boden
führt zu erhöhten CO2-Emissionen, während ein langsamer Abbau die
Kohlenstoffspeicherung im Erdreich erhöht.
„Mit der wissenschaftlich anerkannten Teebeutel-Methode können
wichtige Zusammenhänge von CO2-Speicherkapazität, Humusaufbau und
Bodenleben sowie Auswirkungen auf das Klima auch für Laien
verständlich bearbeitet werden“, erklärt Tea Bag
Index-Projektleiterin Taru Sandén. Alle gesammelten Daten werden in
eine Österreichkarte sowie eine globale Karte eingetragen. „Boden-
und Klimaforscher bekommen so erstmals weltweit vergleichbare Daten.
Damit können Modelle zur Klimaentwicklung genauer und besser werden“,
betonte Taru Sandén, die derzeit die wissenschaftliche Publikation
der Detailergebnisse vorbereitet. Die Auswertung der Teebeutel, die
in 101 Maisfeldern, 44 Waldstandorten und 33 Grünlandstandorten
vergraben waren, zeigt deutlich, dass der Boden lebt und ein
wichtiger Umschlagplatz für organische Materialen ist. Aber auch die
vom Menschen vorgegebene Form der Bodennutzung und Bewirtschaftung
hat neben den natürlichen klimatischen und topographischen
Gegebenheiten Einfluss auf den Boden. Der Gewichtsverlust bei Grüntee
betrug zwischen 64 und 83 Prozent, der Gewichtsverlust bei Roibusch
zwischen 27 und 38 Prozent. Meist waren die Gewichtsverluste von
Grüntee im Maisfeld höher als im Wald, während sie im Grünland
stärker variierten. Grund dafür dürfte die unterschiedliche
Zusammensetzung der abbauenden Mikroorganismen sein. Für Roibuschtee
waren die Ergebnisse weniger offensichtlich. Alle Infos zum Tea Bag
Index Projekt finden Sie auf der AGES-Homepage unter
www.ages.at/teabagindex.
Die AGES setzt im März weitere Schwerpunkte in Sachen Citizen
Science: Bei einem WissenschafterInnen-Workshop sollen die Ergebnisse
des Teebeutel-Experiments sowie deren Anwendung in Klima- und
Umweltmodellen diskutiert werden. Unter dem Motto “Expanding
Horizons” veranstalten die Plattform “Österreich forscht”, der FWF
(Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) und die AGES
von 2. bis 4. März 2017 die Österreichische Citizen Science Konferenz
2017 (www.ages.at/expandinghorizons/)
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