Neues Volksblatt. "Weisheiten" (von Herbert Schicho)

Ausgabe vom 16. Jänner 2017

Linz (OTS) - „Ihr könnt predigen, über was ihr wollt, aber predigt niemals über vierzig Minuten“ — diese Weisheit von Martin Luther hat sich in der vergangenen Woche nur ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner zu Herzen genommen. Denn sowohl Christian Kern (SPÖ) als auch Heinz-Christian Strache (FPÖ) brauchten fast zwei Stunden, um ihre Vorsätze für dieses Jahr darzustellen.
Diese Länge kann nicht nur für die Zuhörer ein Problem werden, es besteht auch die Gefahr, dass man sich zu viel vornimmt. Also Erwartungen weckt, die man nicht erfüllen kann. So sind im Plan des SPÖ-Vorsitzenden einige Maßnahmen festgeschrieben, die wohl nur nach einer Wahl mit einer absoluten SPÖ-Mehrheit umgesetzt werden könnten. Und die blaue Kritik von Strache an der Regierung, dass sie nur Ankündigungsblasen produziere, ist für jemanden, der noch nie Regierungsverantwortung übernommen hat, ebenfalls kühn. Auf der Oppositionsbank kann man im selben Atemzug für den EU-Verbleib eintreten und trotzdem die Grundsäulen dieser Union ablehnen. Heuer jährt sich nicht nur zum 500. Mal der Thesenanschlag von Martin Luther, sondern der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Vielleicht sollte sich Strache Bölls Worte zu Herzen nehmen: „Von Politik versteht nur der etwas, der jeweils die Möglichkeit hat, seine Vorstellungen von der zu machenden Politik zu realisieren, also der, der an der Macht ist.“

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