TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 11. Jänner 2017 von Peter Nindler - Schwarz-Grüne Mission

Innsbruck (OTS) - Wacker Innsbruck benötigt dringend einen wirtschaftlichen Neustart, ansonsten wird der Fußball in der Tiroler Landes-hauptstadt nur noch eine Randnotiz sein. Das will niemand, deshalb ist der Verein gefordert. Alles andere ist ausgereizt.

Mission 2020. Die hat der General Manager des Fußballklubs Wacker Innsbruck Alfred Hörtnagl zum Amtsantritt Ende 2015 ausgerufen. Angesichts der bisher gescheiterten „Befehlsausgabe“ für eine wirtschaftliche und sportliche Aufwärtsentwicklung müsste er sich deshalb selbst zum Korporal degradieren. Noch bitterer als das sportliche Intermezzo im Vorjahr ist allerdings die wirtschaftliche Situation des Traditionsvereins.
Seit dem Niedergang des FC Tirol vor nunmehr 15 Jahren hat es der Innsbrucker Fußballklub nicht geschafft, sich wirtschaftlich freizuspielen. Ohne die Subventionen des Landes, das Sponsoring der öffentlichen Unternehmen und vieler anderer Gönner gäbe es Wacker Innsbruck gar nicht mehr. Obwohl Land und Stadt eigentlich nicht Profifußball spielen sollten, haben sie den Verein stets vor dem Absturz gerettet. Geld wurde zugeschossen und Wacker wieder einmal saniert. Natürlich werden in anderen Bundesländern die Profiklubs ebenfalls großzügig von der öffentlichen Hand unterstützt. Aber warum funktioniert es in Altach besser als in der Tiroler Landeshauptstadt? Allein diese Frage schmerzt.
Und was passiert jetzt? Weil die Grün-Schwarzen offenbar so klamm sind, müssen sogar Nachwuchsförderungen des Landes als Besicherung für weitere Finanzspritzen herhalten. Das ist der Tiefpunkt, er könnte allerdings auch die Wende sein. Könnte. Denn die Vereinsverantwortlichen müssten sich rasch von der „Loch auf, Loch zu“-Finanzpolitik verabschieden. Frisches Geld löst keine strukturellen Probleme, sondern deckt sie lediglich zu. Außerdem ist der öffentliche Plafond finanziell ausgereizt.
Letztlich sind die Realitäten anzuerkennen. Wenn es keinen „Big Spender“ gibt, müssen eben kleinere Brötchen mit heimischen Talenten gebacken werden. Aber haben sie tatsächlich eine Chance beim Wacker bekommen, wurden sie nicht zu lange zu Statisten auf der Ersatzbank und auf der Tribüne degradiert? Und der Tiroler Weg? Bisher hat er leider in die Sackgasse geführt. Lieber wurden so genannte „Alt-Stars“ verpflichtet – zum Haareraufen.
Der Fußball in Tirol – nicht nur Wacker Innsbruck – wirft derzeit mehr Fragen auf, als er Antworten gibt. Doch es braucht ihn. Deshalb sind Einsichten statt einer verschwurbelten Mission notwendig. Schwarz-Grün ist selbst am Zug, denn alles andere ist bereits ausgereizt.

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