Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 8. Jänner 2017. Von LIANE PIRCHER. "Land der ganz jungen Raucher".

Innsbruck (OTS) - Was würde es wirklich bringen, wenn Jugendliche erst ab 18 – statt mit 16 – offiziell an Zigaretten kommen würden? Viel!

Rauchen erst ab 18. Statt mit 16. Dass eine Verlängerung des Rauchverbotes kommen wird, ist sehr wahrscheinlich. Diskutiert wird darüber in Österreich schon länger, nicht erst seit Karmasins neuerlichem Vorstoß vor wenigen Tagen. Wenn sich einzelne Jugendlandesräte, darunter auch Tirols, positiv dazu äußern, ist das begrüßens- aber nicht lobenswert. Denn Österreich wäre damit kein Vorreiter in Europa, sondern ein Nachzügler letzten Ranges. Fast alle EU-Mitglieder haben die Altersgrenze fürs Rauchen von 16 auf 18 Jahre angehoben. Fakt ist, dass österreichische Jugendliche zwar im Vergleichsraum der letzten zehn Jahre weniger rauchen als früher, dennoch aber beim Rauchen nach wie vor „Europameister“ sind. Hier greifen 12- bis 18-Jährige besonders häufig zur Zigarette.
Wenn das Rauchverbot bis 18 verlängert wird, wäre das eine Chance, die 12- bis 15-Jährigen stärker zu erreichen. Je höher die altersmäßige Hemmschwelle fürs Rauchen gesellschaftlich ist, desto später beginnen Menschen zu rauchen. Tatsache ist, dass in Ländern, in denen Rauchen stärker geächtet wird, viele erst im späteren Jugendalter neugierig auf Zigaretten sind. Für Lungenärzte ist jeder Monat im Wachstum, in dem nicht geraucht wird, ein Gewinn. Gesundheitlich betrachtet. Darum würde es im Kern auch gehen. Wer früh anfängt, spürt die negativen Folgen stärker – vor allem später. 85 % aller Lungenkrebserkrankungen betreffen in Zentraleuropa Raucher. Mediziner werden nicht müde zu betonen, dass das Lungenkarzinom die tödlichste Krebserkrankung ist. Noch vor Brustkrebs. In diesem Sinne müsste man auch einmal darüber diskutieren, warum hierzulande die Krankenkassen mehr oder weniger nur Geld für die Entwöhnung, nicht aber für umfangreiche Präventionsarbeit – gerade bei Jugendlichen – lockermachen.

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