Neues Volksblatt: "Kopftuch-Debatte" von Markus EBERT

Ausgabe vom 7. Jänner 2017

Linz (OTS) - Die Crux liegt dort, woher das Kopftuchgebot abgeleitet wird — im Koran. Denn tatsächlich handelt es sich dabei — wie auch bei anderen tradierten Kleidungsvorschriften — weniger um eine definitive religiöse Manifestation als vielmehr um das Ergebnis unterschiedlichster Auslegungen einiger dürftiger Andeutungen in wenigen Suren. Womit sich die Kopftuch-Sache in nichts von vielen anderen Problemen unterscheidet, die eben aus diesen völlig divergierenden Interpretationen des Koran herrühren.
Diese Auslegungs-Vielfalt spiegelt sich auch im Alltagsleben der Muslime in Österreich wider. Von streng-kasuistisch bis westlich-liberal finden sich auf Basis einer einzigen religiösen Schrift die unterschiedlichsten Lebensformen, und zu der einen oder anderen gehört auch das Kopftuch oder andere Formen der Verhüllung weiblicher Körper oder Körperteile.
Wenn Islamvertreter jetzt das Kopftuch mit teils harschen Worten verteidigen — der Wiener SPÖ-Politiker und Muslime-Aktivist Omar Al-Rawi will mit Minister Sebsatian Kurz pikanterweise sogar „Tacheles reden“ —, dann zeigt das nur, wie sehr gerade im Zusammenhang mit dem Islam die Debatte sofort ins Politische gleitet. Tatsächlich ist der öffentliche Dienst, für den ein Kopftuchverbot angedacht ist, nicht der Ort dieser Auseinandersetzung. Wo sonst als im staatlichen Wirkungsbereich sollte religiöse Neutralität selbstverständlich sein?

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt, Chefredaktion
0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001