Kalliauer zu angeblich „hohen“ Lohnnebenkosten: Weniger kritisieren – und mehr an Fakten halten!

Linz (OTS) - Die Lohnnebenkosten müssten sinken, denn die Arbeitskosten seien zu hoch, lamentierte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer zum Jahreswechsel. Dabei beschert die eben erst in Kraft getretene Beitragssenkung beim Familienlastenausgleichsfonds den Unternehmen allein im Jahr 2017 eine halbe Milliarde Euro. „Die Industrie-Vertreter sollten mit ihren Attacken auf Löhne und die Finanzierung des Sozialstaats endlich aufhören und sich an Fakten halten“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Laut Eurostat, der EU-Statistikbehörde, betrug 2015 der prozentuelle Anteil der Lohnnebenkosten an den gesamten Arbeitskosten in Österreich 26,3 Prozent. Im Durchschnitt der Länder des Euro-Raumes machte er 26,0 Prozent aus, war also etwa gleich hoch.

Wenn von Lohnnebenkosten die Rede ist, dann handelt es sich dabei insbesondere um die Dienstgeberbeiträge zur Sozialversicherung. Die dienen der Absicherung der wichtigsten Risiken des Lebens (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter und Unfall) und sorgen damit für soziale Stabilität und Sicherheit. „Sozialer Frieden gehört neben gut ausgebildeten Beschäftigten und guter Infrastruktur wiederum zu den wichtigsten Standortkriterien von international tätigen Unternehmen“, zeigt Kalliauer auf.

Löhne und Sozialversicherungsbeiträge sind kein Geschenk der Unternehmen, sondern wer-den von den Beschäftigten erarbeitet. Lohnnebenkosten sind auch der Lohn während des Urlaubs, der Feiertage, der Krankenstände sowie Abfertigungen. Geld also, das direkt an die Beschäftigten bezahlt wird – und wiederum durch Konsum der Wirtschaft zu Gute kommt. „Bei den Sozialleistungen zu kürzen, ist ungerecht und ein ökonomischer Fehler“, sagt der AK-Präsident. Gekürzte Leistungen bedeuten zugleich weniger Kaufkraft und mehr Verunsicherung, was zu „Angstsparen“ und damit zu noch weniger Absatz für die Unternehmen führt.

2015 betrug laut Eurostat der prozentuelle Anteil der Lohnnebenkosten an den gesamten Arbeitskosten in Österreich 26,3 Prozent, das ist etwa gleich hoch wie im Durchschnitt der Länder des Euroraums (26,0 Prozent). Im EU-Vergleich weisen sieben Länder sogar höhere Prozentanteile auf, an der Spitze Frankreich und Schweden mit jeweils über 30 Prozent. Unterdurchschnittliche Lohnnebenkostenanteile (wie etwa in Dänemark mit 14 Prozent) resultieren aus einer anderen Finanzierung des Sozialsystems: Während es in Österreich zu knapp zwei Dritteln mit Sozialversicherungsbeiträgen finanziert wird, stammen zum Beispiel in Dänemark mehr als drei Viertel der Einnahmen aus Steuern.

Alternative zu den Raunzereien der Wirtschaft: Personalintensive Betriebe entlasten

In einer vermehrt digitalisierten und technisierten Wirtschaft sind für Kalliauer Änderungen bei der Einnahmenstruktur des Sozialsystems durchaus denkbar: „Die Dienstgeberbeiträge sollten nicht nur von den Löhnen und Gehältern der Beschäftigten berechnet werden, sondern von der gesamten Wertschöpfung, die in einem Unternehmen erzielt wird. Unternehmen, die mit wenig Personal immens hohe Gewinne erzielen, würden einen gerechteren Beitrag zahlen. Personalintensive Betriebe hingegen würden dadurch enorm entlastet.“

Industrielle Lohn-Stückkosten unter dem europäischen Durchschnitt

Wichtig für einen internationalen Vergleich sind übrigens nicht die Arbeitskosten oder (nur) die Lohnnebenkosten, sondern die Lohn-Stückkosten – also das Verhältnis der Löhne zur Produktivität der Arbeit bzw. der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft insgesamt. Und da ist interessant, dass die Lohn-Stückkosten gegenüber unserem wichtigsten Handelspartner Deutschland in den letzten fünf Jahren laut WIFO nicht gestiegen, sondern im Schnitt sogar leicht gesunken sind. Die industriellen Lohn-Stückkosten liegen zudem unter dem europäischen Durchschnittsniveau und sind auch deutlich niedriger als in Deutschland.

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