Huainigg: Die Möglichkeit ergreifen. Die etwas andere Neujahrsansprache

ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderung hält Neujahrsansprache auf Privatsender

Wien (OTS/ÖVP-PK) - Der neue Bundespräsident ist noch nicht angelobt und somit wird es am 1.1.2017 keine Neujahrsansprache geben. ÖVP-Abg. Dr. Franz-Joseph Huainigg, ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderung, Ernst Spiessberger von Zitronenwasser und OKTO.TV haben sich dazu entschlossen, diese Lücke zu schließen und am 1.1.2017 eine „Neujahrsansprache der anderen Art“ zu präsentieren. Die Sendung wird am Sonntag, 1.1.2017, ab 13 Uhr und dann zu jeder vollen Stunde auf OKTO.TV ausgestrahlt. Ab 31.12.2016 ab 12 Uhr steht sie via YouTube unter www.Zitronenwasser.com zur Verfügung. Nachstehend der Text dieser Ansprache zum Nachlesen:

Teil 1 – Mut, aktiv zu werden

„Guten Abend, liebe Damen und Herren! Servus Österreich!

Da es noch keinen offiziellen Bundespräsidenten gibt, ergreife ich hiermit die Möglichkeit, meine Worte an Sie zu richten. Reden zu können, eine Stimme zu haben, ist keine Selbstverständlichkeit. Bei mir verschiebt sich ab und zu meine Atemkanüle und ich bringe kein Wort mehr heraus. Sind wir dankbar für unsere Stimme. Erheben wir 2017 unsere Stimme dort, wo es wichtig ist und schweigen wir dort und hören wir zu, wo es notwendig ist. Aber bitte hören Sie nicht nur jenen zu, die laut sind, denn die Stimme der Vernunft ist oftmals leise.

In der Bundeshymne heißt es „Heimat großer Töchter, Söhne“. Damit bin ich wohl nicht gemeint, ich bin nämlich nicht der Größte. Ich schaue aus meinem Rollstuhl immer hinauf zu anderen Menschen. Viele Bürger/innen fühlen sich auch sehr klein und unbedeutend. Sie fühlen sich von der Politik und vom System unverstanden. Aber jede/r einzelne kann etwas in Bewegung setzen. Ergreifen auch Sie im Jahr 2017 Ihre Möglichkeiten, die Politik dieses Landes mitzugestalten! Setzen Sie sich für andere Menschen ein, nützen Sie Ihr Wahlrecht, machen Sie mit bei Bürgerinitiativen und Petitionen und diskutieren Sie in den Sozialen Medien auf einer sachlichen und respektvollen Ebene. Engagieren Sie sich für die Demokratie!“

Teil 2 – Jeder hat seinen Platz

„Viele Menschen erzählen mir, dass ihnen die Perspektive im Leben abhandengekommen ist. Sie fragen sich: Wo ist mein Platz in dieser Welt? Vor zehn Jahren konnte ich nicht mehr atmen. Die ärztlichen Prognosen waren sehr düster. Aber heute sitze ich hier und rede zu Ihnen. Jeder hat gewisse Herausforderungen zu bewältigen, resignieren wäre aber der falsche Weg. Es geht darum, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen.

Ich lebe heute mit einem Beatmungsgerät, bin mit meinem Elektrorollstuhl unterwegs, habe eine Familie und arbeite im Parlament. Das wäre vor 20 Jahren ohne die neuen Technologien nicht möglich gewesen. Wir dürfen keine Angst vor der Digitalisierung und dem damit einhergehenden möglichen Verlust von Arbeitsplätzen haben. Die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Wir müssen die neuen Herausforderungen annehmen. Resignieren wir nicht, weder im privaten noch im öffentlichen, gesellschaftlichen Lebensumfeld! Ergreifen wir im Jahr 2017 aktiv die Möglichkeit, die Zukunft besser, gerechter und friedvoller zu gestalten.“

Teil 3 – Solidarität und Menschenwürde

„Egal wo ich hinrolle, überall treffe ich Menschen, welche mir erzählen, wie schlecht es ihnen geht. Sie messen dies daran, wie viel vermeintlich besser es den anderen geht. So sagen sie beispielsweise, dass sie mehr in das Sozialsystem einzahlen als sie rausbekommen. Aber meine Damen und Herren, das ist doch ein positives Zeichen. Es bedeutet, dass Sie gesund sind, eine Beschäftigung haben und nicht auf Hilfe angewiesen sind. Es ist die Solidarität, die unseren Wohlfahrtsstaat groß gemacht hat und allen Chancen bietet. Wir alle leisten einen Beitrag, damit die, die Hilfe brauchen, diese auch bekommen.

Viele von uns reisen gerne in ferne Länder. Insofern ist es erstaunlich, wie groß die Abwehr von Fremdem ist, wenn Menschen zu uns kommen, um hier Schutz vor Krieg und Verfolgung zu finden. Meine Erfahrung ist, dass Vielfalt eine große Bereicherung ist. Aber wer zu uns kommt, muss unsere gesellschaftlichen Werte akzeptieren. Was sind nun aber unsere gesellschaftlichen Werte? Das höchste Gut unseres Landes ist die Menschenwürde, die jedem Menschen inne wohnt, egal welcher Religion, Hautfarbe, Alter, Herkunft, Geschlecht oder Behinderung. Sie ist die Grundlage der Menschenrechte. Umso verwunderlicher ist es doch, dass alle von der Menschenwürde reden, sie aber gar nicht in unserer Verfassung steht. Wenn ich Bundespräsident wäre, würde ich mit Ihnen, liebe Zuseher und Zuseherinnen, das Gespräch zum Thema Menschenwürde suchen. Am Ende unseres Dialoges teilen Sie vielleicht auch die Auffassung, dass die Menschenwürde in die Verfassung gehört und damit zum obersten Prinzip unseres Handelns wird.

Ich wünsche Ihnen ein gutes, erfreuliches und barrierefreies neues Jahr!“

Die Ansprache wird Sonntag, 1.1.2017, um 13:00 Uhr erstmals zu sehen sein und um 14:00 Uhr, 15:00 Uhr, 16:00 Uhr, 16:55 Uhr sowie 18:55 Uhr wiederholt. Online sollte sie schon direkt im Anschluss an die Erstausstrahlung ab ca. 13:05 Uhr abrufbar sein. Und zwar unter folgendem Link: http://okto.tv/sendungohnebarrieren/17531/20170101. (Schluss)

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