Qualitätsjournalismus braucht es notwendiger denn je

Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016 würdigt hervorragende journalistische Leistungen in politisch schwierigen Zeiten

Wien (OTS) - Im Wappensaal des Wiener Rathauses kürten Landtagsabgeordneter Jörg Neumayer und ÖJC-Präsident Fred Turnheim zusammen mit den Laudatorinnen und Laudatoren gestern Abend die Preisträgerinnen und Preisträger des Dr. Karl Renner Publizistikpreises in fünf Kategorien.

Fred Turnheim stellte seine Rede anlässlich der Verleihung des wichtigsten österreichischen Journalistenpreises unter den Titel „Wir leben in schrecklichen Zeiten“. Er erinnerte daran, dass im ablaufenden Jahr 144 Journalistinnen und Journalisten getötet wurden und dass alleine in der Türkei 90 Journalistinnen und Journalisten im Gefängnis sitzen. „Aber auch in Österreich tragen Staatsschutzgesetz, Sicherheitspolizeigesetz, Änderungen im Strafrecht, das noch immer vorhandene Amtsgeheimnis, Regierungsinserate an politisch genehme Medien und die gießkannenartige Bundespresseförderung dazu bei, dass Österreich immer mehr Plätze im Ranking der Pressefreiheit verliert“, so Turnheim.

Landtagsabgeordneter Jörg Neumayer, der an diesem Abend den erkrankten Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny vertrat, betonte in seiner Rede, dass gerade in Zeiten, wo soziale Medien ein enormes Gewicht bekämen, es den Qualitätsjournalismus mehr denn je brauche. Der Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016 habe eindrucksvoll gezeigt:
„Allen Veränderungen zum Trotz gibt es sie noch: Hervorragende Journalistinnen und Journalisten“, so der im Kulturausschuss für Medienfragen zuständige Gemeinderatsabgeordnete.

In der Kategorie „Print“ überreichte Laudator Kurt Langbein den Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016 an Nina Horaczek vom Falter, von der insgesamt sechs Beiträge für den Preis vorgeschlagen wurden. „Dieses politisch schwierige Jahr hat gezeigt, dass es einen Journalismus mehr denn je braucht, der Position bezieht, ohne sich vereinnahmen zu lassen“, bedankte sich Nina Horaczek.

Mit dem Beitrag „Die einzige, die überlebte“ wurde in der Kategorie „Radio“ eine bereits mehrfach ausgezeichnete Sendung von Marlene Groihofer von Radio Klassik mit dem Dr. Karl Renner Publizistikpreis nochmals gekrönt, wie Laudatorin Susanne Ayoub betonte. Die Preisträgerin bedankte sich bei ihrer Protagonistin „Frau Gertrude“ für ihr Vertrauen. „Niemand von uns dachte, welche Kreise dieser Radiobeitrag ziehen würde“, zeigte sich die Marlene Groihofer von der nochmaligen Auszeichnung beeindruckt.

Irene Brickner überreichte den Dr. Karl Renner Publizistikpreis in der Kategorie „Fernsehen“ an Julia Kovarik und Alexandra Augustin für ihre Reportage „Kampf im Park“. In dieser Sendung der Reihe „Am Schauplatz“ wurde ein Konflikt zwischen zwei Migrantengruppen am Rande der Gesellschaft vielschichtig und hintergründig dargestellt, so die Laudatorin. Julia Kovarik freute sich, dass ausgerechnet dieser Beitrag ausgezeichnet wurde: „In dieser Geschichte kommen Menschen zu Wort, über die sonst nur geredet wird.“

In der Kategorie „Online“ ehrte Laudator Helmut Kletzander den Ö1-Journalisten Stefan Kappacher für sein Projekt „gehörtgebloggt“ mit dem Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016. Als Begründung zitierte er einen Satz aus dem Blog, der sich auf Christian Kern und Reinhold Mitterlehner bezog: „Und jetzt versuchen sich auch noch beide als Drachentöter – was freilich nicht ausschließt, dass sich der eine oder der andere nach geschlagener Wahl zum Drachen ins Nest legt.“ Stefan Kappacher betonte in seinen Dankesworten, dass diese Gratwanderung entlang des Objektivitätsgebots des ORF notwendig sei, um die journalistische Glaubwürdigkeit zu stärken und kündigte an, dass das neue Medienmagazin im Mai 2017 auf Ö1 auf Sendung gehen würde und der Preis dafür ein wichtiger Ansporn sei.

Peter Lachnit wurde mit den Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016 für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Laudator Peter Klein hatte sich dafür eigens aus seinem Urlaub in Sri Lanka mit einem launigen Beitrag zugeschaltet. Lachnit freute sich in seiner Dankesrede darüber, dass die Nominierungsliste des Preises auch quasi ein Treffen seiner Diagonal-Redaktion sei. Er wies mit Nachdruck darauf hin, dass das nie erhöhte Budget für den Kultursender Ö1 zwangsweise zur Einstellung von Sendungen führe. Er bedankte sich für die Auszeichnung seines Lebenswerkes mit dem Vorbehalt, das ein Lebenswerk nie zu Ende sei, auch wenn man es notfalls Spätwerk nennen kann.

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