TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 22. Dezember 2016 von Peter Nindler "Der eierlegende Wollmilch-Rektor"

Innsbruck (OTS) - Die Medizinische Universität Innsbruck agiert seit Jahren im Spannungsfeld von Patientenversorgung, Lehre und Forschung sowie Eitelkeiten und Rivalitäten. Rektoren werden vornehmlich vor die Tür gesetzt, die Operation Kontinuität gelingt nicht.

Universitäten haben ihre eigenen Gesetze und Eitelkeiten. So ist die Wissenschaft nicht vor Brotneid und Intrigen gefeit. Gleichzeitig nährt der akademische Wettbewerb Rivalitäten, Kollegen werden zu Konkurrenten. Deshalb sind Rektoren nicht selten Spielball von universitären Interessenlagen. Obwohl die Politik bei internen Entscheidungen keine Rolle spielt, ist sie doch an der Uni präsent. Vor allem in Tirol: Schließlich führt die Medizinische Universität Innsbruck gemeinsam mit dem Land die Klinik und prägt damit auch die Gesundheits- und Patientenversorgung im Land.
Weil die Zusammenarbeit allerdings mehr schlecht als recht funktioniert, sind Konflikte an der Universität nicht selten eine Folge von Auseinandersetzungen an der Klinik, die das Land bzw. ihre Krankenhausholding tirol kliniken mit der Medizin-Uni ausfechten. Andererseits gilt die Alma Mater mit ihren 2100 Mitarbeitern und knapp 3000 Studierenden selbst als Problemzone.
An allen Ecken und Enden fehlt an der Uni das Geld. Die Ärzte werden zwischen Lehre, Forschung und Patientenversorgung aufgerieben und das finanzielle Gefälle von den Klinikvorständen zum Mittelbau birgt Zündstoff – Stichwort Privathonorare. Dazu kommt noch der immer wieder hochkochende Nationalitätenstreit zwischen einheimischen und vornehmlich aus Deutschland stammenden Professoren und Medizinern. In diesem Spannungsfeld muss der Rektor quasi als „General Manager“ oder populärwissenschaftlich als eierlegende Wollmilchsau funktionieren. Tut er das nicht, ist er Geschichte. Und die wiederholt sich in Innsbruck seit der Trennung von der Stammuniversität im Jahr 2004. Wahrscheinlich auch bei der amtierenden Rektorin Helga Fritsch.
Zwei Interpretationsversuche drängen sich auf, die beide jedoch wenig schmeichelhaft für die universitären Entscheidungsgremien wie Senat und Universitätsrat ausfallen. Statt auf Kontinuität zu setzen, setzt die Innsbrucker Med-Uni ihre Rektoren meist vor die Tür. Weil eben nur Einzelinteressen dominieren. Zum anderen haben Uniräte und Senatsmitglieder nicht immer ein glückliches Händchen bei der Wahl ihrer Führungspersönlichkeiten bewiesen.
Dass nur ja keine falschen Schlüsse gezogen werden: Das alles hat nichts mit dem Universitätssplitting vor zwölf Jahren zu tun, sondern einzig und allein damit, dass die Medizinische Universität bis heute nicht mit ihrer Autonomie umgehen bzw. leben kann.

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