Industrie: Hohe Steuer- und Abgabenbelastung Hemmschuh für Löhne und Gehälter

IV-GS Neumayer zu Einkommensbericht und Lohnsteuerstatistik: KV-Lohnabschlüsse stets über Inflationsrate – Verzerrung durch Teilzeit-Einkommen

Wien (OTS/PdI) - Als wesentlich Hemmschuh für die Entwicklung der Löhne und Gehälter sieht die Industrie die zu hohe Steuer- und Abgabenbelastung: „In Österreich gehen fast die Hälfte der Kosten an Fiskus und Sozialversicherung, die im Unternehmen für die Beschäftigung eines durchschnittlichen Arbeitnehmers anfallen. Nur 50,5 Prozent kommen direkt beim Arbeitnehmer an“, so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer bezugnehmend auf die Diskussion rund um die Entwicklung der Einkommen in Österreich. So habe die EU Kommission erst jüngst festgestellt, dass Österreich 2015 die vierthöchste Steuerquote – das heißt Anteil von Steuern und Sozialbeiträgen in Prozent der Wirtschaftsleistung – in der EU verzeichnet habe. Die Fehlentwicklung bestätigt auch die heute, Mittwoch, veröffentlichte Lohnsteuerstatistik der Statistik Austria, wonach die Einnahmen aus der Lohnsteuer im Vorjahr deutlich stärker gestiegen sind als die Einkommen.

Einkommensbericht: Einkommenszuwächse verzerrt dargestellt

„Der Einkommensbericht der Statistik Austria im Auftrag des Rechnungshofes verdeutlicht einmal mehr eine schiefe Datendarstellung zu den Einkommenszuwächsen in Österreich. Hier liegt nicht nur die evidente Verzerrung durch Teilzeit- und geringfügige Einkommen vor, sondern auch die übliche statische Darstellung der Daten“, betonte Neumayer, der darauf hinwies, dass von den errechneten Einkommen eines „Dezils“ nicht eins zu eins auf die Einkommen der Individuen rückgeschlossen werden könne. Denn während das „Dezil“ statisch bleibe, seien die Menschen, die sich darin befänden, „sozial mobil“. „Wir wissen beispielsweise aus personenbezogenen Erhebungen der Vergangenheit, dass in Österreich innerhalb von elf Jahren (2000 bis 2011) nur etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) im selben Einkommensdezil verharrten. Innerhalb von drei Jahren nur knapp die Hälfte (49 Prozent) und sogar innerhalb von zwei Jahren nur 60 Prozent. Der Rest steigt auf oder ab“, erklärte der IV-Generalsekretär.

Berufswahl entscheidet über Höhe des Gehalts

Zudem hinterfragte Neumayer, ob bei den aufgezeigten Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen die Berufswahl ausreichend berücksichtigt worden sei. So sei bekannt, dass insbesondere in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) die Verdienstmöglichkeiten ungleich besser sein als in anderen Berufsfeldern. Auch sei bekannt, dass es bisher leider noch zu wenig gelungen sei, ausreichend Frauen für diese Arbeitsfelder zu begeistern, so Neumayer. Darüber hinaus erinnerte der IV-Generalsekretär daran, dass die kollektivvertraglichen Lohnabschlüsse kumuliert immer über der kumulierten Inflationsrate lagen. Mit einer Kollektivvertragsdichte von knapp 95 Prozent, könne daher keinesfalls von Reallohneinbußen für die einzelne Arbeitnehmerin, den einzelnen Arbeitnehmer, die Rede sein. „Im Gegenteil, die kumulierten Reallohneinkommen sind in Österreich ohne Ausnahme ständig gestiegen“, so Neumayer abschließend, der zudem betonte, dass die Industrie sogar auf höhere Lohnabschlüsse verweisen könne, als der Durchschnitt aller Kollektivverträge.

Rückfragen & Kontakt:

IV-Newsroom
+43 (1) 711 35-2306
newsroom@iv-net.at
www.iv-net.at/medien

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPI0001