Einkommen: Tiroler Löhne in den Branchen auf Bundesschnitt, Unterschiede entstehen durch Struktur

Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer warnt vor Fehlinterpretationen des Rechnungshof-Berichts.

Innsbruck (OTS) - „Die vom Rechnungshof festgestellten Einkommensunterschiede haben so gut wie nichts damit zu tun, dass die Tiroler Unternehmen weniger bezahlen würden als Betriebe in anderen Bundesländern“, erklärt WK-Präsident Jürgen Bodenseer. In der Sachgütererzeugung müssen sich zum Beispiel unsere vielen kleinen Tiroler Betriebe mit Giganten wie der VOEST messen – und trotzdem liegen die Tiroler Gehälter etwa im Bundesschnitt. „Im Tourismus bezahlen unsere Unternehmen dafür 17 Prozent mehr als im österreichischen Durchschnitt. Dafür haben wir weniger hochbezahlte Hofräte als unsere Bundeshauptstadt, oder weniger IT-Spezialisten als etwa Oberösterreich. Die Branchen-Struktur macht den Unterschied.“

Die Tiroler Beschäftigten könnten aber mit einem Schlag wesentlich besser verdienen: durch die Abschaffung der kalten Progression. „Unsere Unternehmen sehen nicht mehr ein, warum ihre guten Mitarbeiter zwar brutto viel kosten, netto aber zu wenig verdienen“, erneuert Bodenseer seine Forderung nach der automatischen Anpassung bei der Lohnsteuerbemessung.

Bodenseer ruft auch zu mehr Sachlichkeit in der Diskussion auf: „Unsere Struktur mit vielen kleinen Unternehmen und einem starken Dienstleistungsbereich kann man nicht mit dem Industrieland Oberösterreich oder Wien und seinen vielen Konzern-Zentralen und gutbezahlten Jobs im öffentlichen Dienst vergleichen. Auch der Vergleich mit dem Burgenland oder Niederösterreich hinkt. Sie liegen im Vergleich vor allem deshalb vorne, weil tausende Pendler, die in Wien hochbezahlten Jobs nachgehen, statisch ihrem Wohnort in diesen Bundesländern zugerechnet werden.“

Dass die breite Tiroler Struktur indessen auch immense Vorteile hat, die sich aktuell besonders deutlich zeigen, steht für den WK-Präsident außer Zweifel: „Wir haben sehr viel weniger Arbeitslose und selbst in schwierigen Zeiten steigende Beschäftigung.“

Abschließend appelliert Bodenseer: „Auch der Rechnungshof räumt ein, dass diese Unterschiede durch die Branchenstrukturen in den einzelnen Bundesländern entstehen und deshalb zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führen können. Wir sollten uns nicht dazu verleiten lassen, Äpfel mit Birnen vergleichen, sondern auch auf die positiven Fakten hinweisen.“ Eine Auszeichnung für den Standort ist der anhaltende Zuzug von Fachkräften, die nach Tirol kommen um hier gutes Geld zu verdienen. „Auch können wir uns darüber freuen und stolz darauf sein, dass unser Land stets zu jenen mit der geringsten Arbeitslosigkeit zählt und dass Tirol seit Jahren ein ausgeglichenes Landesbudget ohne jede Neuverschuldung vorweisen kann.“

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