Neues Volksblatt: "Viele Fragen" von CR Christian HAUBNER

Ausgabe vom 19. Dezember 2016

Linz (OTS) - Dass die türkischen Behörden einem ihrer Elite-Gymnasien verbietet, Weihnachten zu thematisieren, mutet allein schon seltsam an. Dass es sich dabei um eine deutsche Auslandsschule in Istanbul handelt, an der deutsche Lehrer unterrichten und die Deutschland mit Millionenaufwand finanziert, sorgt denn doch für einen handfesten Eklat. Denn immerhin gibt es ein Kulturabkommen, in dem sich Deutschland und die Türkei ihrer Bemühungen versichern, „sich gegenseitig dabei zu unterstützen, ihren Völkern die Kenntnis der Kulturgüter des anderen Landes zu vermitteln“.
Das kaltschnäuzige Hinwegsetzen über derlei Übereinkommen bestätigt, dass die türkische Regierung ihren konservativen Kurs auf allen Ebenen — und somit auch an den Schulen — durchsetzt. Staatspräsident Erdogan hatte ja bereits klargestellt, eine „religiöse Generation“ heranziehen zu wollen. Seitdem haben deutsche Schulen wie jene in Istanbul den Status von Projektschulen. Das bedeutet, dass Direktoren und einheimische Lehrer direkt von der Regierungspartei ein- und abgesetzt werden.
Das scheint nur folgerichtig zu sein, wenn man an Meinungsvielfalt und Pluralismus kein Interesse hat. Wenn man Jugendlichen jegliche Kritikfähigkeit nimmt, erhält man Erwachsene, die nicht allzu viele Fragen stellen. Europa muss sich vor diesem Hintergrund jedoch umso mehr Fragen stellen — und auch gefallen lassen.

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