Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 18. Dezember 2016; Leitartikel von Alois Vahrner: "Olympia und die Bevölkerung"

Innsbruck (OTS) - Soll sich Tirol für dritte Olympische Winterspiele bewerben? Die Entscheidung muss breit fallen, ein Ja oder Nein hängt aber vor allem an den Rahmenbedingungen.

Geht es nach dem Willen der obersten Politik-Spitzen von Land und Stadt Innsbruck, aber auch des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) und des Bundes, könnte sich Tirol für die Olympischen Winterspiele 2026 bewerben – und wäre damit zum dritten Mal Austragungsort nach 1964 und 1976 (also nach 50 Jahren Pause).
Die erste vom Land in Auftrag gegebene Umfrage unter der Tiroler Bevölkerung (600 Befragte) fällt vorsichtig optimistisch aus. Demnach wären 27 Prozent klar für und 23 Prozent ebenso klar gegen Olympia, 48 Prozent machen ihre Meinung davon abhängig, ob Olympia auch wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch vertretbar wäre. Mit diesem ersten Stimmungsbild (und mehr ist es ja keinesfalls) lässt sich die Bevölkerung ihr Urteil zu Recht völlig offen.
Tirol wäre als Wintersport- und Tourismusland so gut wie kaum ein anderes Land geeignet, Olympia auszurichten – um bei klugem Mitteleinsatz auch als Standort, bei Infrastruktur und Wohnbau zu profitieren. Es gibt aber viele große ABER.
Der Ball zu einem Ja der verständlicherweise auch sehr skeptischen Bevölkerung liegt bei der Politik und wohl noch mehr beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Viele können es nicht glauben, dass das IOC tatsächlich eine Fast-180-Grad-Kehrtwende unter dem Motto „Kleiner, billiger und verträglicher“ vollzieht. Gerade in jüngerer Vergangenheit standen Sport-Megaevents, ob Olympia oder etwa Fußball-Weltmeisterschaften, eher unter dem Motto Gigantomanie. Es gab fragwürdige Vergaben (ob mit Korruptionsvorwürfen bzw. ökologischen und sozialen Verstößen) und teils horrende Kosten und hohe Schulden. Putins Giganto-Spiele in Sotschi 2014 kosteten gar 37 Mrd. Euro. Viele absolute No-Gos, die für Olympia in Tirol unter Garantie ausgeschlossen werden müssten.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001