Influenza: Senioren sind Impfmuffel

Influenza oft mit Erkältung verwechselt – mehr Aufklärung notwendig

Wien (OTS) - Nur jeder fünfte Österreicher über 60 ist gegen Influenza geimpft. Das ist ein im internationalen Vergleich sehr niedriger Wert. Zwar ist die Standardimpfung gegen Influenza bei älteren Personen etwas weniger wirkungsvoll als bei jüngeren, sie ist aber nach wie vor der einzige wirksame Schutz gegen die Krankheit und ihre oft schwerwiegenden Folgeerscheinungen. 90 Prozent aller Grippe-Todesfälle betreffen Senioren.

Bessere Aufklärung notwendig

Laut Österreichischer Gesundheitsbefragung 2014 haben nur 18 Prozent der österreichischen Bevölkerung über 60 Jahren einen aufrechten Impfschutz gegen Influenza. „Eine erschreckend niedrige Zahl“, sagt Univ.-Prof. Dr. Beatrix Grubeck-Loebenstein vom Forschungsinstitut für Biomedizinische Alternsforschung der Universität Innsbruck. „Hier müssen wir dringend mehr Aufklärungsarbeit leisten.“ Als einen Grund für die geringe Durchimpfungsrate in dieser Gruppe ortet die Expertin die weit verbreitete Ansicht, dass eine Impfung ohnehin nichts bringen würde. „Hier liegt oft ein grundlegender Irrtum vor“, so Grubeck-Loebenstein weiter. „Oft wird die Influenza mit einer gewöhnlichen Erkältung verwechselt, gegen die die Impfung natürlich nicht hilft. Wenn jemand trotz Impfung Erkältungssymptome hat, wird dies oft fälschlicherweise als Impfversagen gewertet. Dass es aber aufgrund der Impfung gar nicht zu einer ‚echten‘ Grippe kommt, geht dabei unter.“ Die WHO empfiehlt übrigens eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent.

Häufigste Komplikation: Lungenentzündung

Ältere Menschen stecken sich zwar im Vergleich zu Kindern nicht so häufig mit Influenza an, da sie meist weniger exponiert sind und weniger Kontakt zu erkrankten Personen haben. Im Fall einer Erkrankung ist die Wahrscheinlichkeit für schwerwiegende Konsequenzen aber besonders hoch. Die Influenza-Viren befallen die Atmungsorgane, schwächen das Immunsystem und breiten sich oft über Lunge, Gehirn und Herz aus. Es kommt dabei häufig auch zu einer Verschlechterung einer bestehenden Grunderkrankung und für viele Patienten bedeutet diese langwierige Erkrankung oft das Ende ihrer Selbstständigkeit und sie werden dauerhaft pflegebedürftig. Der Befall der Atemwege ist besonders problematisch, denn zu den Viren können Bakterien hinzukommen, die in der geschädigten Atemwegsschleimhaut einen idealen Nährboden finden. Daher sind zusätzliche bakterielle Infektionen (Super- bzw. Sekundärinfektionen) möglich, die nicht selten schwerer verlaufen als die eigentliche Influenza. „Gerade im Alter kann eine bakterielle Lungenentzündung sehr schwere Verlaufsformen annehmen und lebensbedrohlich sein“, erläutert Grubeck-Loebenstein. „Das Risiko dafür kann nur durch rechtzeitige Behandlung beziehungsweise noch besser durch eine vorbeugende Influenza-Impfung gesenkt werden.“

Immunsystem verändert sich im Alter

Bewiesen ist, dass die Immunkompetenz generell mit zunehmendem Alter schlechter wird. Ein Grund dafür ist, dass zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr die Produktion der T-Lymphozyten, die zum spezifischen Immunsystem gehören, endet. Aber auch das unspezifische Immunsystem und die Zusammensetzung der Immunabwehr insgesamt verändern sich. Dieses Phänomen wird Immunoseneszenz genannt. Die Folgen: Die Reaktion des Immunsystems auf Infektionserreger ist geschwächt, es kommt häufiger zu chronischen Krankheiten, Krebs und Autoimmunerkrankungen sowie zu infektionsbedingten Krankheiten wie der Influenza. Gleichzeitig spricht der Körper auf Impfungen schlechter an.

Regelmäßige Impfung wichtig

Die Effektivität der Influenza-Impfung sinkt dadurch auf etwa 50 bis 60 Prozent im Vergleich zu 70 bis 90 Prozent bei unter 65jährigen. Alternativen gibt es derzeit nicht. „Trotz der leicht niedrigeren Ansprechraten ist die regelmäßige Impfung ganz besonders wichtig“, betont die Altersforscherin, „denn je höher der Antikörpertiter vor der Impfung ist, desto besser ist auch jener nach der Impfung. Wiederholte Impfungen geben dem Immunsystem also einen Boost. Außerdem sollte man nicht erst mit 65 Jahren mit der regelmäßigen Impfung beginnen, sondern bereits mit 50.“

Studien zeigen, dass geimpfte ältere Personen, die nach einer Impfung keinen ausreichenden Impftiter haben, trotzdem einen milderen Krankheitsverlauf haben. Insgesamt konnte klar nachgewiesen werden, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Krankenhausaufenthalt durch eine Influenza-Impfung um etwa 50 Prozent gesenkt werden kann. Auch die Sterblichkeit wird durch eine Impfung um die Hälfte reduziert (1). Bei geimpften älteren Menschen, die zuhause leben, sinkt die Wahrscheinlichkeit, überhaupt an Influenza zu erkranken, um 50 bis 60 Prozent (2).

Unterschiedliche Forschungsansätze zur Effektivitätssteigerung

Die Forschung beschäftigt sich aktuell mit verschiedenen Varianten, um den Impfschutz für ältere Personen zu verbessern. Diese reichen von einer höheren Impfdosis für Senioren über verschiedene Adjuvantien bis zu hin zu neuen Impftechniken. Bis es soweit ist empfiehlt das Gesundheitsministerium in seinem Impfplan die jährliche Influenza-Impfung ab einem Alter von 50 Jahren.

(1) Hak E, Clin Infect Dis 2002
(2) Nichol KL, Vaccine 2003

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