Streiktag der Kärntner Ärzte: Patienten sind Verlierer der Radikalreform des Gesundheitssystems

Resolution für Erhalt und Ausbau des bewährten Netzwerkes an wohnortnahen Haus- und Fachärzten

Klagenfurt (OTS) - „Die niedergelassenen Kärntner Ärzte haben heute, Mittwoch, ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt. Eine große Mehrheit hat aus Protest gegen die Radikalreform des Gesundheitssystems gestreikt“, teilt der Präsident der Ärztekammer für Kärnten Dr. Josef Huber mit.

Die geschlossenen Ordinationen sollen zeigen, was die Patienten erwartet, wenn der Nationalrat morgen die Pläne der Regierung absegnet. „Den Arzt nebenan gibt es nicht mehr! Es bleibt nur der Weg in eine anonyme Primärversorgungszentren, wo der Patient nicht weiß, ob er überhaupt zu einem Arzt vorgelassen wird und wenn ja, wen er dabei antrifft“, so Dr. Huber.

Für dringende Fälle sei am Streiktag vorgesorgt worden. „Wir haben dem Roten Kreuz rechtzeitig landesweit Kollegen namhaft gemacht, die für Notfälle einsatzbereit waren“, teilt Dr. Huber mit.

Rund 100 Mediziner nahmen an einer Protestversammlung in der Ärztekammer teil. Über 80 % der Hausarzt- und zahlreiche Facharztordinationen blieben geschlossen. „Die Kollegen sind sich einig, dass wir die Patienten auf den Ernst der Lage aufmerksam machen müssen. Seit vielen Jahren tut die Politik nichts, um die Arbeit der niedergelassenen Ärzte attraktiver zu machen. Die ausufernde Bürokratie, Leistungslimitierungen und die ständige Zunahme an Regulierungen machen uns das Leben schwer. Statt dies zu ändern, will die Politik plötzlich ganz neue Strukturen durchboxen, von denen niemand weiß, ob sie funktionieren“, beschreibt Dr. Huber den Unmut der Ärzteschaft. Für den Ausbau des bewährten Netzwerkes an wohnortnahen Haus- und Vertrauensärzten sei seit Jahren kein Geld vorhanden, aber neue Primärversorgungszentren sollen plötzlich von der Sozialversicherung finanziert werden. Diese Mittel bedeuten aber kein zusätzliches Geld, sondern es soll aus dem bestehenden Honorarvolumen der Sozialversicherung für die ärztliche Hilfe kommen.

In Kärnten wollen Land und GKK bestimmte niedergelassene Kassen-Fachärzte (Chirurgie, Neurochirurgie, physikalische Medizin, Radiologie) nicht nachbesetzen und dringend benötigte neue Facharzt-Stellen (Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Augenheilkunde, Neurologie) würden nicht geschaffen.

Dr. Huber weist darauf hin, dass vor allem die Landbevölkerung der große Verlierer der Radikalreform sein wird. „Eine Primärversorgungseinheit in einer Bezirksstadt kann niemals die Ärzte in den Seitentälern und kleinen Gemeinden ersetzen, obwohl die Politik das Gegenteil propagiert“, betont Dr. Huber.

Die Kärntner Ärzte sehen jedenfalls in den von der Regierung geplanten Maßnahmen einen Frontalangriff auf das Österreichische Gesundheitssystem. Sie haben dagegen folgende Resolution an die Bundesregierung und an die Kärntner Landesregierung beschlossen:

Wir Kärntner Ärzte fordern:

  • Die Beibehaltung und überfällige Weiterentwicklung des jahrzehntelang bewährten sozialen und solidarischen Gesundheitssystems mit wohnortnahen Haus- und VertrauensärztInnen
  • Den Erhalt der niedergelassenen, dezentralen und krankenhausentlastenden fachärztlichen Versorgung
  • Die Aufrechterhaltung der Kostenerstattung bei Inanspruchnahme von WahlärztInnen
  • Den Fortbestand der persönlichen Arzt-Patient-Beziehung und der freien Arztwahl
  • Die Anpassung der Gesundheitsausgaben an den tatsächlichen Bedarf der PatientInnen und die Fortschritte in der Medizin

Wir lehnen ab:

  • Anonyme und zentrale Versorgungszentren, die womöglich von Kapitalgesellschaften mit ÄrztInnen als Befehlsempfängern geführt werden
  • Eine Aufweichung der Arbeitszeit der SpitalsärztInnen
  • Die Artikel 15a-Vereinbarungen und die dazugehörigen Umsetzungsgesetze, welche eine staatlich gelenkte Medizin mit Leistungskürzungen bringen und das bewährte System mit Haus- und Vertrauensärzten aushöhlen.

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