Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 12. Dezember 2016. Von MANFRED MITTERWACHAUER. "Ein Jahr voller Gratwanderungen".

Innsbruck (OTS) - 2017 dürfte kein leichtes Jahr für Innsbruck werden. Die erste Hälfte wird von der offenen Kostenfrage zur Patscherkofelbahn, die zweite von der Olympia-Frage 2026 geprägt sein. Und stets mit dabei: das Aufwärmen für die Gemeinderatswahl 2018.

Mit einem lauten Knall wird Innsbruck das Jahr 2016 beschließen – doch das traditionelle Feuerwerk wird es zum letzten Mal geben. Ob es die Viererkoalition aus Für Innsbruck, Grünen, SPÖ und ÖVP 2017 im politischen Sinne auch knallen lassen wird? Schon die erste Jahreshälfte hat es in sich. Stichwort: Patscherkofelbahn. Dass dem umstrittenen 41-Millionen-Euro-Projekt saftige Mehrkosten ins Haus stehen, ist mittlerweile unstrittig. Und doch wird gemauert, was das Zeug hält. Schlimmer noch: Trotz besseren Wissens hat der Gemeinderat das Projekt im Budget um zehn Millionen abgespeckt. Eine politische Finte, des lieben Koalitionsfriedens willen. Stattdessen soll der Gemeinderat im Frühjahr einen überarbeiteten Investitionsplan vorgelegt bekommen. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) hier wandelt. Denn wo beim Kofel die Schmerzgrenze ihrer Koalitionspartner liegt, ist nicht bekannt. Hinzu kommt der eskalierte Rechtsstreit mit dem Alpenverein. Einer, der auch den Bauzeitplan der neuen Kofelbahn kippen könnte. Die Gefahr eines seilbahnlosen Sommers 2018 auf dem Olympiaberg ist evident. Und wohl mit SPÖ und ÖVP kaum zu machen.
Apropos Olympia: Auch dieser Frage muss sich der Gemeinderat 2017 stellen. In der zweiten Jahreshälfte ist eine allfällige Bewerbung für 2026 abzugeben, bis Frühsommer liegt die von Land und Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie vor. Was dabei herauskommen wird? Machbar werden Spiele für ein Sport- und Tourismusland wie Tirol sein müssen. Alles andere wäre lächerlich. Die Frage ist vielmehr: Welchen Preis ist Innsbruck (und das Land) dafür bereit zu zahlen? Die Abhaltung einer Volksbefragung ist nicht geklärt. Ob überhaupt und wenn ja, landesweit oder doch mit getrenntem Innsbrucker Votum? Das Pro-Lager in der Stadt hält umfragemäßig nur einen kleinen Vorsprung. Diese Stimmung kann schnell kippen. All das benötigt einen Offenbarungseid der Stadtpolitik. Denn wie will sie etwa für die Einhaltung eines Milliardenbudgets garantieren, wenn sie dazu nicht einmal beim Bau einer Einseilumlaufbahn in der Lage ist?
Die personellen wie inhaltlichen Vorbereitungen zur Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl 2018 haben zudem die Kraft, die so notwendige konsensuale Sachpolitik in der Stadt zu unterwandern. FI, ÖVP und insbesondere die SPÖ liegen umfragemäßig hinter den Grünen und der oppositionellen FPÖ zurück. Diese drei müssen sich also stärker profilieren. Den Grünen könnte indes ein interner Führungsstreit zwischen Vize-BM Sonja Pitscheider und NR Georg Willi blühen. Innsbruck steht kein leichtes Jahr bevor – es wird eines voller Gratwanderungen.

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