- 09.12.2016, 22:00:16
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Samstag, 10. Dezember 2016, von Mario Zenhäusern: "Krankes Gesundheitssystem"
Innsbruck (OTS) - Bisher war der Leidensdruck bei den
Bezirkskrankenhäusern noch zu gering. Doch die davongaloppierenden
Gesundheitskosten im stationären Bereich zwingen sie jetzt, über eine
landesweite Spitalsholding nachzudenken.
Das heimische Gesundheitssystem ist je länger, je weniger
finanzierbar. Die Finanzierung von Universitätskliniken,
Bezirksspitälern, Krankenkassen und des möglichst flächendeckenden
Systems an niedergelassenen Ärzten stellt Bund, Länder und Gemeinden
vor immer größere Probleme. Allein Tirol hat im Budget für das Jahr
2017 unter dem Titel Gesundheit Ausgaben in der Höhe von 763
Millionen Euro veranschlagt. 2018 sollen es sogar 804 Millionen Euro
sein. Gleichzeitig droht den vier vom Land sowie den sechs von
Gemeindeverbänden geführten Krankenhäusern heuer ein Abgang in
dreistelliger Millionenhöhe. Die Tiroler Gesundheitsversorgung
gleicht einem Fass ohne Boden.
Zumindest ein Teil der Probleme ist hausgemacht. Wenn sich allein
in der Inntalfurche zwischen Kufstein und Landeck auf einer Strecke
von rund 150 Kilometern vier Bezirkskrankenhäuser und die Klinik
Innsbruck mit all ihren Abteilungen (die Landeskrankenhäuser Natters
und Zirl nicht miteingerechnet) finden, dann ist das toll für die
Patienten und deren Angehörige. Die Spitalserhalter stellt diese
Anhäufung von Einrichtungen aber vor unlösbare Probleme, zumal vor
allem die Bezirkskrankenhäuser auch noch nahezu idente Fächerspektren
anbieten. Auf diese Weise werden die Kosten pro Patient potenziert
statt reduziert.
Eine Möglichkeit, die zugegeben schwierige Situation zu meistern,
ist die jetzt wieder diskutierte Bildung einer Holding unter der
Führung des größten Finanziers, also des Landes Tirol. Unter dem Dach
dieses Konstrukts könnten dann nicht nur Synergien im Bereich der
Beschaffung oder der Personalrekrutierung gehoben werden, auch ein
landesweit einheitliches Gehaltsschema und das Ende des
Konkurrenzdenkens unter den einzelnen Spitälern wären mögliche
Konsequenzen.
Der Haken dabei? Die Gemeindeverbände müssten dem Land im Gegenzug
zumindest das Recht einräumen, das Angebotsspektrum in den einzelnen
Häusern so anzupassen, dass zwar überall eine Akutversorgung
gewährleistet ist, die kostentreibenden Doppelgleisigkeiten aber
weitestgehend der Vergangenheit angehören. An dieser
Strukturoptimierung führt auf lange Sicht kein Weg vorbei. Die
Gemeinden werden es sich in Zukunft nämlich nicht mehr leisten
können, Vorschläge zur Reduzierung der laufenden Kosten nicht sofort
in die Tat umzusetzen.
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