Wiener Tierschutzverein: Auf die Barrikaden für den Artenschutz

Ob Heeresspital oder Hörndlwald - Artenschutz ist in der Stadt Wien kein Argument gegen Bauprojekte - WTV schließt sich dem morgigen Fackelzug für den Hörndlwald an

Vösendorf (OTS) - Wien ist derzeit, was die Zerstörung von Lebensräumen von Tieren betrifft, ein trauriges Pflaster. Die Ziesel beim Heeresspital im 21. Bezirk sollen einem Mega-Bauprojekt weichen, im 22. Bezirk in der Gundackergasse, an der südlichen Grenze des Landschaftsschutzgebietes Donaustadt, sollen Feldhamster, Schnirkelschnecke, Hirschkäfer & Co. Platz für ein Wohnbauprojekt machen. Und im Erholungsgebiet Hörndlwald in Hietzing (13. Bezirk) bedroht der geplante Bau einer Burnout-Klinik, trotz leerstehender Pavillons im Krankenhaus Hietzing, das ebenfalls am unteren Ende des Hörndlwaldes unmittelbar angrenzt, dutzende Tier- und Pflanzenarten.

Der Wiener Tierschutzverein (WTV) hat in der Causa Hörndlwald, ähnlich wie bei den Zieseln beim Heeresspital Parteistellung bei der zuständigen Wiener Umweltbehörde MA22 beantragt und stellt sich gegen das Vorhaben. Bisher blieb eine Reaktion der Behörde aus. Durch die Bautätigkeiten und die Schaffung der notwendigen Infrastruktur werden unweigerlich geschützte Tier- und Pflanzenarten bedroht. Darunter zehn verschiedene Spechtarten, die laut Vogelschutzrichtlinie als besonders selten und schützenswert gelten - speziell im urbanen Raum. Weiters sind auch der Juchtenkäfer, Fledermäuse, Hirschkäfer und Zwergadler in Gefahr. „Es ist paradox. Im Sommer verlautbart die Stadt Wien noch, die Hirschkäferpopulation in der Stadt unbedingt schützen zu wollen. Und für den Hörndlwald, wo hunderte, wenn nicht tausende dieser Tiere leben, gilt das nicht?“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Zudem wird auch in der Causa Hörndlwald ähnlich wie bei den Heeresspital- versucht, natur- und artenschutzrechtliche Vorgaben der EU wie die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) mit fadenscheinigen Argumenten zu umgehen. „Die Liste der geschützten Tierarten, die sich im Hörndlwald tummeln, ist riesig“, so Petrovic.

Dabei sollte sich Österreich in punkto Artenschutz eigentlich am Riemen reißen: Die EU-Mitgliedsstaaten müssen alle sechs Jahre gemäß Artikel 17 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) Bericht über den Erhaltungszustand sämtlicher Lebensräume und Tierarten an die EU-Kommission erstatten. So auch Österreich. Der letzte Bericht, der 2014 publik gemacht wurde, stellt Österreich ein verheerendes Zeugnis in punkto Artenschutz aus: 82 Prozent der 209 von der EU in Österreich als schützenswert eingestuften Tier-und Pflanzenarten sind in „unzureichendem“ oder „schlechtem“ Zustand. Bei 35 Prozent ist das Überleben gar „ernsthaft gefährdet“.

Am Donnerstag, 8. Dezember findet jedenfalls für den Hörndlwald ab 16 Uhr am Hietzinger Platz eine Mahnwache mit Fackelzug statt. Auch Vertreter des WTV werden daran teilnehmen. „Klar ist, Wien braucht modernen Wohnbau, zeitgenössische Architektur und bestmögliche Gesundheits-Versorgung. Aber alles an seinem Platz und nicht Entweder-Oder. Der WTV und viele Umwelt- und Tierschutzorganisationen haben fast alle großen Bauprojekte nicht in Frage gestellt, obwohl es überall auch um Eingriffe in die Natur ging. Warum versucht man nicht im Vorfeld, Konsens anzustreben und Interessenskonflikte zu vermeiden oder zu entschärfen? Schade, dass auch 32 Jahre nach Hainburg eine gemeinsame Planung offenbar nicht erwünscht ist“, so Petrovic abschließend.

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