TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 04.12.2016, Leitartikel von Mario Zenhäusern: "Es kommt auf jede Stimme an"

Innsbruck (OTS) - Es ist vorbei. Wenn die heutige Wahl geschlagen ist und – so nicht wieder irgendwo ein Fehler passiert – ein Sieger feststeht, ist nicht nur der längste, sondern auch der untergriffigste Wahlkampf in der Geschichte dieser Republik vorbei. Wie zur Bestätigung dieser Behauptung lieferten sich die beiden Kandidaten am Donnerstagabend noch einmal ein Duell, das an Niveaulosigkeit nicht zu unterbieten war. Ein dramatischer Höhepunkt, gespickt mit gegenseitigen Beschuldigungen Lügen-Vorwürfen – eines künftigen Bundespräsidenten schlicht unwürdig.
Beide haben damit die Chance vertan, die letzten Unentschlossenen doch noch für sich zu gewinnen. Und derer gibt es viele. Fast zwei Millionen Wahlberechtigte machten bei der ersten, aufgehobenen Stichwahl am 22. Mai von ihrem Recht der Stimmabgabe nicht Gebrauch oder wählten ungültig. Damals entschieden zumindest zwischenzeitlich lediglich 30.863 Stimmen über Sieg oder Niederlage – das sind lächerliche 1,6 Prozent jener, die vor 28 Wochen nicht oder ungültig gewählt haben.
Hinzu kommt, dass vor der heutigen Stichwahl um 20 Prozent weniger Wahlkarten beantragt wurden als noch im Mai. Das bedeutet: Es kommt heute auf jede Stimme an. Auf jede gültige Stimme, um genau zu sein. Denn die Regel, dass jede nicht abgegebene oder ungültige Stimme indirekt den Kandidaten mit den meisten Stimmen unterstützt, besitzt auch heute Gültigkeit.
Wer also will, dass entweder Alexander Van der Bellen oder Norbert Hofer Österreichs neuer Bundespräsident wird, der sollte heute eine gültige Stimme für seinen Kandidaten abgeben.

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