Neues Volksblatt: "Hassliebe" von Harald ENGELSBERGER

Ausgabe vom 28. November 2016

Linz (OTS) - Miteinander jahrzehntelang durch dick und dünn – was man im Privatleben Langzeitehe nennt, die mit Goldener, Diamentener oder gar Eiserner Hochzeitsfeier bejubelt wird, das heißt in der Bundespolitik schlicht große Koalition zwischen SPÖ und ÖVP und bleibt ohne Höhepunkte. Diese politische Zweckgemeinschaft hat etwas von einer Scheinehe und dauert jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit. Aktuell wird von beiden Partnern auch mit einem Seitensprung zur FPÖ geliebäugelt, das war's.
Ja, ein paar Versuche korrekter Zusammenarbeit gibt es schon, die Ergebnisse lassen aber oft sehr lange auf sich warten und sind eher dürftig oder werden kaum wahrgenommen – zu heftig wird davor, und nicht selten auch noch danach, gestritten.
Höhen und Tiefen, die man miteinander erlebt und meistert, schweißen private Paare meist intensiv zusammen. In der Politik mutiert das zu einer Hassliebe, wie die jüngste Vergangenheit eindrucksvoll demonstriert. Und wenn man schon dauernd von Scheidung spricht, dann sollte man auf die „Kinder“, sprich Bürger, Rücksicht nehmen. Da darf sich dann keiner wundern, wenn die Leute auf die Barrikaden steigen und, obwohl mit den Politikern gar nicht verheiratet, einfach fremdgehen und ihre Zuneigung anderen schenken.
Was im zivilen Leben nur der Tod scheiden darf, trennt in der Politik der Wähler. Aber was kommt dann? Nicht umsonst heißt es ja, drum prüfe, wer sich ewig bindet!

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