#wirsinddiezukunft: Junge Ärztinnen und Ärzte diskutieren über ihre Zukunft (2)

Kornhäusl: Medizinischer Nachwuchs hat anderes Berufsbild – Stolperstein Kommunikation

Wien (OTS) - Das Arztbild im Wandel bzw. das Arztbild der Zukunft bildete den Gegenstand des dritten Vortrags bei #wirsinddiezukunft, der Konferenz der jungen österreichischen Ärztinnen und Ärzte am Samstag in der Wiener Urania. Karlheinz Kornhäusl, stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundessektion Turnusärzte, verwies in seinem Vortrag auf die zahlreichen Wandlungen, die das Arztbild im Laufe der Jahrhunderte bereits durchgemacht hatte. „Das Bild des gesunden Arztes, der tunlichst nicht krank werden durfte, hat sich seit Hippokrates erstaunlich lange in der öffentlichen Wahrnehmung gehalten. Erst ab den 1970er Jahren ist das Bewusstsein dafür entstanden, dass Ärzte auch nur Menschen sind, dass auch sie krank werden können, dass ihr Beruf sie auch überfordern kann“, zeigte Kornhäusl auf. Dazu kämen moderne Klischees wie etwa die Vorstellung, dass Ärzte ihre Zeit lieber am Golfplatz als in den Spitälern oder Ordinationen verbrächten oder dass jeder Arzt sich mindestens einen Porsche leisten könne. „Von den Arztserien, die größtenteils ein unrealistisches Arztbild vermitteln, fange ich lieber gar nicht an“, so Kornhäusl, der in der Folge die Frage aufwarf, wie sich die teils einander widersprechenden Arztbilder auf die Realität und vor allem auf die Berufserwartungen junger Medizinerinnen und Mediziner auswirken würden.

Kornhäusl: „Das Arztbild befindet sich im Wandel. Es liegt an uns, diese Veränderungen mitzugestalten, denn: Wer sich nicht verändert, der wird verändert.“ Als essenzielle Bestandteile des Arztbildes der Zukunft erachtete der stv. Bundeskurienobmann die Freiberuflichkeit, die Vertrauensstellung der Ärzteschaft und die hohe Verantwortung. „Wie überall gibt es natürlich auch weniger schöne Seiten unseres Berufes. Um unsere Verantwortung gegenüber den Patienten wahrnehmen zu können, müssen wir entsprechende Rahmenbedingungen vorfinden. Stattdessen versucht die Politik, uns in ein Korsett zu schnüren, das uns über kurz oder lang die Luft nimmt“, betonte Kornhäusl.

Die Spitalsärzteschaft kämpfe seit Jahren mit einem Übermaß an Bürokratie und, seit der EU-konformen Verkürzung der Arbeitszeiten, auch mit einer wachsenden Arbeitsverdichtung. Die Ambulanzen seien noch immer überlaufen. Dazu käme die Migration vieler junger Menschen ins Ausland. Kornhäusl: „Wir dürfen auch nicht darauf vergessen, dass die so genannte Generation Y – also meine Generation – andere Vorstellungen vom ärztlichen Beruf hat als unsere älteren Kolleginnen und Kollegen. Wir wollen nicht, dass unser Leben nur aus unserem Beruf besteht, wie das bei zahlreichen Generationen vor uns der Fall war.“

Stolpersteine in der Kommunikation

Der vierte und abschließende Themenblock der Konferenz befasste sich schließlich mit der Frage, welche Stolpersteine Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen müssen, die eine Führungsposition anstreben bzw. übernehmen. Kommunikations- und Verhaltens-Profilerin Tatjana Lackner hielt dazu fest: „80 Prozent der Führungstätigkeit laufen über Kommunikation.“ In der Folge ging die Expertin auf verschiedene Aspekte der Kommunikation ein und verglich das Hauptproblem in der Kommunikation gleich zu Beginn mit dem Essen: „Die Menschen sprechen zu viel, zu fett und zu wahllos.“

Für eine gute Kommunikation müssten Führungskräfte fünf Eckpunkte beachten, so Lackner weiter: „Kommunikation muss einen Neuigkeitswert haben, sie muss smart sein. Sie muss einen Nutzen für andere beinhalten, sich der Stolpersteine auf dem Weg bewusst sein und schließlich eine Lösung für das aktuelle Problem anbieten.“

Ferner sei es wichtig für Führungskräfte, nicht in die „Instinktfalle“ zu tappen. Die Instinktfalle, so die Expertin, verleite unter anderem dazu, in Krisensituationen so genannte „falsche Tröster“ zu verwenden. „Dann wird bagatellisiert, bemitleidet oder bewundert. Diese falschen Tröster sollte man Mitarbeitern und auch Patienten ersparen. So vermeidet man auch, in die Instinktfalle zu tappen“, führte Lackner aus. Wichtig sei, sich bewusst zu machen, mit welchem Kommunikations- bzw. Menschentypen man optimal zusammenarbeiten könne, erklärte Lackner.

Ärztinnen und Ärzte bzw. Führungskräfte müssten Zustände klar kommunizieren, ausgehend vom Ist-Zustand. Die Grenzen zwischen Soll-und Wunsch-Zustand müssten dabei klar gezogen werden. Last but not least müssten sich Führungskräfte überlegen, wie ihr Team aufgestellt sei: „Man schaut sich an, wer Vorschläge verhindert und blockiert, wo es strukturbedingte Reibebäume gibt, wer einen unterstützt oder wie man verschiedene Plattformen nutzen kann“, so die Expertin abschließend. (slv) (Schluss)

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