Häusliche Gewalt: Brauchen dringend genaue Zahlen!

Soroptimist Austria-Präsidentin fordert politisches Handeln auf Basis der Istanbul-Konvention

Wien (OTS) - Sexueller Missbrauch, Stalking, Schlagen auf offener Straße – täglich werden wir mit neuen Meldungen über Gewalt an Frauen konfrontiert.

„Besorgniserregend ist vor allem das Ausmaß der Gewalt an Frauen im familiären Umfeld“, sagt die Präsidentin von Soroptimist Austria, Mag.a Renate Magerle, anlässlich des morgigen Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen. Laut aktuellem Tätigkeitsbericht der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie wurden im Jahr 2015 17.621 Opfer familiärer Gewalt von den Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen betreut - 85,5 % der unterstützten Klientinnen waren Frauen und Mädchen, 92,4 % der Gefährder waren männlich. „Leider sind die Zahlen des Berichtes teilweise lückenhaft“, sagt Magerle in Anspielung an die so genannten „einstweiligen Verfügungen“. Eine genaue, jährlich zu erfassende Statistik sei nicht zuletzt deshalb notwendig, um über die Wirkung und das Ausmaß von konkreten Schutzmaßnahmen genauer Bescheid zu wissen. „Eine entsprechende Verpflichtung nach der Istanbul-Konvention des Europarates wurde von Österreich bereits 2013 ratifiziert“, so Magerles dringender Appell an das zuständige Bundesministerium für Justiz hier rasch tätig zu werden.

Ein weiterer Dämpfer im Zusammenhang mit dem Engagement für Frauen ist die Tatsache, dass der Nationale Aktionsplan zum Schutz von Frauen vor Gewalt (2014-2016) offenbar keine Weiterführung findet. Abgesehen davon seien mache, in ihm enthaltene Daten wenig aufschlussreich - etwa jene über die Kosten durch häusliche Gewalt: „Diese stammen aus dem Jahr 2006. Über entsprechende Werte für das Jahr 2016 kann man nur mutmaßen. Hochrechnungen zufolge handelt es sich um 94 Mio. Euro pro Jahr“, so die Kritik Magerles, die auf einen weiteren Punkt im Zusammenhang mit der Wichtigkeit genauer Zahlen hinweist: „Sensibilisierungskampagnen greifen nur auf Basis genau erhobener Daten über Zielgruppen.“ Gewalt an Frauen bewegt sich eben nicht zwischen den groben Blöcken „psychische und physische Gewalt“, sondern subsumiere eine Reihe von viel zu wenig beachteten Phänomenen wie etwa Einschüchterung oder Geldverweigern, sagt Magerle. Auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Zielgruppen sollte in Zukunft verstärkt eingegangen werden, so der Wunsch der Präsidentin von Soroptimist Austria.

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Mag.a Renate Magerle
Präsidentin Soroptimist International Austria
Tel: +43 664 1319004
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