TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Kein Tempolimit für Elektroautos", von Serdar Sahin

Ausgabe vom 24. November 2016

Innsbruck (OTS) - Mit dem Ausbau von Ladestationen nimmt die Regierung eines der Hauptargumente gegen Elektrofahrzeuge in Angriff. Die Reichweiten sind aber immer noch gering, die Anschaffung teuer. Und der Luft-100er sollte nicht für E-Autos gelten.

Gestern wurde ein 72-Milllionen-Euro-Paket zur Ankurbelung der bisher mageren E-Auto-Verkäufe vorgestellt. Es beinhaltet eine Kaufprämie für Elektrofahrzeuge, den Aufbau von Ladestationen – vor allem von schnellen auf Autobahnen – und grüne Nummerntafeln. Damit wird eines der größten Hindernisse für den Erwerb von E-Autos in Angriff genommen – und zwar die fehlende Infrastruktur. Denn das Aufladen dauert wesentlich länger als das Betanken der herkömmlichen Fahrzeuge, und ein dichtes Netz an Ladestationen könnte dieses Handicap kompensieren. Die anderen beiden Bremsklötze, für die es Lösungen geben muss, sind die derzeit noch geringe Reichweite und die hohen Kosten bei der Anschaffung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen, und hier sticht vor allem die teure Batterie ins Auge. Alles in allem sind die E-Autos von heute einfach noch nicht alltagstauglich. Abgesehen davon ist die Auswahl sehr beschränkt. Doch das könnte sich bald ändern.
Schon in den kommenden ein bis zwei Jahren sollen neue E-Modelle verschiedener Autobauer auf den Markt kommen, mit Reichweiten von Hunderten Kilometern, die aber immer noch weit unter jenen der aktuellen spritbetriebenen Fahrzeuge liegen. Mit mehr Angebot dürfte es aber mit den Preisen runtergehen. Alle großen Autobauer sehen in der E-Mobilität die Zukunft, die Branche ist deshalb mitten im Umbau. Auch wenn es Zweifel an der Wirksamkeit des E-Paketes gibt, das Maßnahmenbündel ist gut. Denn Politik und Wirtschaft setzen große Hoffnungen in diese bisher kaum verbreitete Automobiltechnologie. Die Politik deshalb, weil wohl nur so die selbst auferlegten Klimaziele zu erreichen sind. Die Wirtschaft hingegen muss sich den neuen Rahmenbedingungen anpassen und sich neue Produkte und Geschäftsmodelle überlegen.
Was aber im E-Paket fehlt: Für die künftige Elektroflotte soll es grüne Kennzeichentafeln geben. Die zuständigen Minister hätten jedoch weiter denken können. Beispielsweise ist es unverständlich, warum die grünen Nummern nicht vom IG-Luft ausgenommen werden. Keine Emissionen, keine Luftverschmutzung, ergo auch kein Tempolimit. Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) vertröstete auf später. „Das war nicht Teil des Planes, aber ich bin offen für Diskussionen“, sagte er. Damit hätte aber der Minister leicht einige Tiroler für E-Autos begeistern können.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001