Kinder mit psychischen Problemen brauchen mehr Beachtung

BÖP ortet Versorgungslücken bei Kindergesundheit

Wien (OTS) - Zu wenig Betreuungsplätze, zu lange Wartezeiten, zu hohe Behandlungskosten: Für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen zeigt das Gesundheitssystem in Österreich große Defizite. „Obwohl etwa jeder fünfte Jugendliche von einem psychischen Problem betroffen ist, bekommen nur die wenigsten eine bezahlte Behandlung. Auch Alarmsignale werden oft zu spät erkannt, in die Prävention wird zu spät und zu wenig investiert“, darauf wies Sandra Lettner, Präsidentin des Österreichischen PsychologInnenverbandes (BÖP) anlässlich des Tages der Kinderrechte hin.

Wie dringend notwendig Aufklärung und Prävention insbesondere bei Kindern sind, zeigen auch die Ergebnisse der gestern von „Die Möwe“-Geschäftsführerin und Psychologin Hedwig Wölfl präsentierten Studie über Gewalt und Missbrauch an Kindern. „Cybermobbing oder Sexting zeigen sich als neue Phänomene von Gewalt insbesondere an Mädchen, verursacht durch neue Medien. Dagegen brauchen Familien und Schulen Handlungsanleitungen“, sagt Lettner.

Lettner appelliert daher an die Verantwortungsträger in der Gesundheitspolitik, die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen besonders zu berücksichtigen: „Jeder Erfolg bei Reformen des Systems misst sich auch daran, wie die evidenten Versorgungsmängel bei der Kinder- und Jugendgesundheit bewältigt werden. Unbehandelte psychische Erkrankungen bei Kindern erhöhen die Krankheitsausfälle bei Erwachsenen um ein Mehrfaches“. Kinder, so Lettner, müssten in einem modernen Gesundheitswesen oberste Priorität erfahren, aber viele Eltern könnten sich die Behandlungskosten nicht leisten, weil „zwar die klinisch-psychologische Diagnostik von den Krankenkassen bezahlt wird, nicht aber die klinisch-psychologische Behandlung“. Dies führe dazu, dass Verhaltensauffälligkeiten, ADHS, steigender Nikotin- und Alkoholkonsum, Diabetes oder Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen im Steigen begriffen sind. „Mit allen absehbaren Konsequenzen auf künftige Folgekosten durch vermehrte Krankenstandstage oder gar Arbeitsunfähigkeit im Berufsalter, denn etwa die Hälfte der psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter weist einen chronischen Verlauf auf. Eine möglichst frühzeitige Behandlung verhindert dauerhafte psychische Erkrankungen“, so Lettner.

Prävention sollte auch verstärkt an den Schulen stattfinden, meint Lettner, die in der angekündigten Reform der Schulautonomie eine Chance sieht, die Einbindung von SchulpsychologInnen am jeweiligen Standort nach Bedarf auszurichten und zu erweitern. Die SchulpsychologInnen sind gerne bereit, sich in die Diskussion zur Verbesserung der Kinder- und Jugendgesundheit einzubringen.

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