Nächstes „Universum“-Herbst-Highlight: „Turtle Hero – Ein Leben für die Schildkröten“ am 22. November um 20.15 Uhr in ORF 2

Grazer „Turtle Hero“ Peter Praschag gibt Einblick in seine faszinierende Arbeit

Wien (OTS) - Nach Erich Prölls Azoren-Porträt „Tanz um den Vulkan“ am 8. November mit durchschnittlich 660.000 „Universum“-Fans bei 22 Prozent Marktanteil folgt mit „Turtle Hero – Ein Leben für die Schildkröten“ am Dienstag, dem 22. November 2016, um 20.15 Uhr in ORF 2 ein weiteres Österreich-Highlight der ORF-Naturfilmmarke „Universum“ (Details der „Universum“-Herbst-Highlights unter presse.ORF.at).
Die Produktion über den Grazer Schildkröten-Forscher Peter Praschag, der sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, seltene Süßwasserschildkröten weltweit vor dem Aussterben zu retten, führt in die ebenso unbekannte wie faszinierende Welt dieser Reptilien. Neben dem Amazonas-Becken in Brasilien wurde für den Film – eine Koproduktion von ORF, ARTE, BR, ORF-Enterprise, BMB und dreiD.at, gefördert von Cinestyria und Stadt Graz – in Indien, China, Bangladesch und im kaum bekannten Grazer Schildkröten-Haus gedreht, in dem sich einige der seltensten und gefährdetsten Schildkröten-Arten befinden.

Vor knapp 40 Jahren verliebte sich ein kleiner Bub ausgerechnet in – Schildkröten! Die Leidenschaft für gepanzerte Reptilien machte ihn im Lauf der Jahre zu einem der weltweit gefragtesten Schildkröten-Experten. Heute kümmert sich Peter Praschag nicht nur um einzelne Exemplare, vielmehr rettet er ganze Arten vor dem Aussterben: Der Grazer Biologe hat sein Leben den Schildkröten gewidmet, für seine Kollegen ist er der „Turtle Hero“. Mit ihm unternimmt „Universum“ eine Reise vom Grazer „Schildkrötenhaus“ nach Südostasien und Südamerika zu den am schnellsten schwindenden Arten des Planeten. Jeremy Hogarths Dokumentation gibt Einblick in die Welt der Schildkröten und porträtiert den österreichischen Wissenschafter Peter Praschag mit seiner faszinierenden Arbeit. Aufgewachsen in und um Graz, war Peter Praschags Kindheit von Schildkröten geprägt. Diese Bilder gehören auch zu seinen frühesten Erinnerungen. Immer war es sein Traum, etwas für diese Tiere zu tun, ihre Lebensräume kennenzulernen. Dass er eines Tages eine ganze Art vom Aussterben retten würde, so weit gingen allerdings seine Gedanken als Kind noch nicht. Mittlerweile bestimmt die Passion für die Schildkröten Praschags Leben. Er ist ein international renommierter Wissenschafter und Schildkröten-Spezialist, der sich ein besonderes Lebensmotto gestellt hat: die Schildkröten – die am meisten gefährdete Wirbeltier-Gruppe weltweit – zu schützen.

Schildkröten gab es schon vor den Dinosauriern. Die Schildkröten haben diese nicht nur überlebt, sondern über Jahrmillionen eine üppige Varianten-Vielfalt herausgebildet. Sie haben bewiesen, dass sie extrem anpassungsfähig sind. Außer auf der Antarktis ist diese Tiergattung auf jedem Kontinent und in nahezu allen Lebensräumen zu finden. Doch die Populationen sind höchst gefährdet und der Rückgang natürlicher Bestände ist gerade in Süßgewässern wie Seen, Flüssen und Sümpfen dramatisch. Seit 1970 haben sich die Populationen in diesen Habitaten um mehr als 80 Prozent verringert, so eine besorgniserregende aktuelle Studie des WWF.

Ein Haus am Stadtrand von Graz beinhaltet fast ein Drittel aller Schildkrötenarten der Welt. Bestens versorgt in gut durchfeuchteten Räumen, begleitet vom Brummen der Wasserpumpen und vom Plätschern des Wassers sorgt sich Peter Praschag mit einigen Studenten um seinen „Schatz“. Tatsächlich ist diese Sammlung für den Schutz der Arten unendlich wertvoll. Um die 300 Arten von Süßwasserschildkröten sind weltweit (noch) bekannt, fast ein Drittel dieser Arten sind im „Turtle House“ in Graz zu finden, einem Projekt, das auch von der Stadt Graz unterstützt wird. Viele der Arten im Grazer Schildkrötenhaus sind gefährdet; manche davon sind in ihren ursprünglichen Habitaten ausgerottet und nur mehr in geschützten Bereichen wie Zoos und eben dem „Turtle House“ zu finden.

Die Welt der Schildkröten ist gekennzeichnet durch eine bunte Vielfalt an Verhaltensweisen, Lebensräumen, Formen, Farben und Größen; selbst die Knochenpanzer, die allein rund 30 Prozent ihres Gewichts ausmachen, bestechen durch unterschiedlichste Varianten und Muster. Der Panzer, ein lebender Teil ihres Körpers, ist das anatomisch auffälligste Merkmal dieser Reptilien. Kein anderes Wirbeltier hat einen solchen Panzer. Er schützt die Schildkröten und besteht aus Rückenpanzer und Bauchpanzer – ein Stück Evolution, das uns 220 Millionen Jahre zurückblicken lässt: Bei Schildkröten hat sich im Gegensatz zu anderen Wirbeltieren der Schulter- und Beckengürtel in den Rippenbogen verlagert und einen weitgehend starren Knochenkörper gebildet, der die wichtigen Organe dieser Kriechtiere umschließt. Bei manchen Schildkrötenarten ist der Knochenpanzer mit Hornschilden aus Keratin besetzt, bei sogenannten Weichschildkröten ist er von einer lederartigen Hautschicht überzogen. Viele Arten der Weichschildkröten, die vorwiegend in Sümpfen und Gewässern leben, sind durch massiven Lebensraumverlust höchst gefährdet. Peter Praschag ist gerade für Weichschildkröten ein absoluter Spezialist. Sie sind im Wasser extrem schnell – und viel aggressiver als andere Schildkrötenarten.

Mit Peter Praschag trifft das „Universum“-Team in Brasilien auf eine Schildkrötenart, die Arrau-Schildkröte, die eine vorher nicht für möglich gehaltene Bindung zwischen Schildkrötenmüttern und ihrem Nachwuchs zeigt: Die Schildkrötenmütter warten in den Flüssen auf den Schlupf der Winzlinge, um sie dann mit einer Art Gesang in die weit entfernten Futtergründe zu lotsen. Moderne wissenschaftliche Methoden machen diese „Gesänge“ nun auch für den Menschen hörbar. Im Amazonasgebiet warten die Arrau-Schildkröten im Fluss auf den richtigen Moment der Eiablage. Die Weibchen richten die Ablage der Eier nach dem Wasserstand der Flüsse. Die über hundert Eier nehmen ein beachtliches Volumen der Leibeshöhle ein und die Weibchen drängen zum Niststrand, um die Eier in größeren Gruppen abzulegen: keine einfache Aufgabe für das „Universum“-Team, nahe genug an die Nester heranzukommen. Als nach zwei Monaten die ersten Eier schlüpfen, ist die Trockenzeit vorbei und die Wasserspiegel der Flüsse sind bereits wieder angestiegen. Dennoch, die Nester sind nicht überflutet, und es ist zu beobachten, dass die erstgeschlüpften Tiere auf die anderen warteten, um gemeinsam ins Wasser zu eilen; denn in der Gruppe ist es für die Kleinen sicherer, die Strecke über den trockenen Flusssand zum Wasser zurückzulegen. Überall lauern Vögel und andere Räuber auf die Winzlinge.

Eine weitere Schildkrötenart, die Tempelschildkröte, war nur noch an einem Platz in Bangladesch bekannt, dank Peter Praschag konnten weitere Exemplare in indischen Tempelteichen und auch erstmals in freier Wildbahn nachgewiesen werden. Doch eine Schildkrötenart ist für Peter Praschag zu einer wahren Obsession geworden, nicht nur, weil sie die größte unter den Süßwasserschildkröten ist, sondern weil sie das mittlerweile wohl seltenste Tier unseres Planeten ist: Nur mehr drei Exemplare der Yangtse-Riesenweichschildkröte sind bekannt; zwei Tiere in einem chinesischen Zoo, ein weiteres in Vietnam. „Universum“ begleitet den „Turtle Hero“ bei seiner bisher größten Herausforderung – dem Wettlauf gegen die Zeit beim Versuch, diese Spezies vor dem Aussterben zu retten: Zu Beginn der Dreharbeiten im Frühjahr 2015 waren vier lebende Exemplare dieses Tiers bekannt, zwei in China und zwei in Vietnam. Die berühmteste dieser Schildkröten starb jedoch im Lauf des Jahres 2016: „Cu Rua“ (Großvater), wie das Tier genannt wurde, lebte im Zentrum von Hanoi, im Hoan-Kiem-See. Ein riesiges Männchen, weit über 100 Jahre alt, 170 Kilogramm schwer und ein hochverehrtes Tier in Vietnam. Nur eine einzige weitere Schildkröte dieser Art existiert noch in Vietnam, und zwar im Dong-Mo-See. Wer das Tier allerdings in dem großen unüberschaubaren Gewässer finden will, begibt sich auf die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Peter Praschag arbeitet hier mit anderen Forschern zusammen, um das Tier zu finden und an einen sicheren Platz zu bringen.

Nach den Dreharbeiten in Österreich, Brasilien, Vietnam, China und Indien begleitete das Filmteam den „Turtle Hero“ auch nach Bangladesch. Dort hater eine Aufzuchtstation zur Rettung der Batagur-Schildkröte initiiert. Als Praschag das Projekt startete, gab es noch neun Tiere dieser Art. Er konnte mit den Tieren in Gefangenschaft aber große Zuchterfolge erzielen, sodass er in einem ersten Schritt elf Batagur-Schildkröten aufziehen konnte. In Kooperation mit dem Tiergarten Schönbrunn wurde ein Zuchtprogramm gestartet, das einen Teil der Jungtiere auswildert. Bestückt mit Satellitensendern sollen sie der Wissenschaft Daten über ihre Lebensweisen und bevorzugten Eiablagegebiete liefern.

Peter Praschag ist entschlossen, weiterhin alles zu tun, um den Tieren seines Herzens Lebensräume zu sichern und Strategien gegen den rasenden Artenverlust auszuarbeiten. Schildkröten – ob Meeres- oder Süßwasserschildkröten – sind ein untrüglicher Indikator: Nur in gesunden Ökosystemen kann ihr Überleben garantiert werden. Und das ist Peter Praschags großes Ziel.

Nähere Infos zu den „Universum“-Herbst-Highlights sind unter http://presse.ORF.at verfügbar. Die Sendungen sind nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und werden auch als Live-Stream angeboten.

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