Volkshilfe zum Weltkindertag: #dasMindeste muss verteidigt werden!

Fenninger: „Die Leidtragenden einer Kürzung der Mindestsicherung wären die Kinder. Das dürfen wir nicht zulassen.“

Wien (OTS) - Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich sagt anlässlich des Weltkindertages am 20. November: „Die Erfahrungen der Kindheit prägen unser ganzes Leben. Gerade deshalb ist es uns als Volkshilfe besonders wichtig, Kinder, die benachteiligt werden, zu unterstützen. Weltweit - aber auch in Österreich - besteht ein hoher Bedarf: Über 300.000 Kinder und Jugendliche sind in unserem Land von Armut betroffen. Währenddessen diskutieren die politischen EntscheidungsträgerInnen seit Jahresbeginn über Kürzungen der Mindestsicherung. Klar ist: Diese würden die Kinder und Jugendlichen nicht nur jetzt direkt treffen, sondern hätten langfristig negative Auswirkungen für das Leben der Kleinsten“.

Armut verhindert Chancen

Kinderarmut steht in direktem Verhältnis zum Haushaltseinkommen der Familie. Besonders betroffen sind Haushalte mit mehr als drei Kindern, Ein-Eltern-Haushalte oder Haushalte ohne österreichische Staatsbürgerschaft. „Diese Kinder sind mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. Sie erleben Armut als ein Anders-Sein, als ein Nicht-Genügen und als ein Ausgegrenzt-Sein. Die betroffenen Kinder werden ständig mit Grenzen konfrontiert, die ihnen nach und nach die Begrenztheit ihrer Handlungs- und Entscheidungsspielräume und ihres ‚besonderen‘ Status klar machen“, sagt Fenninger und fügt hinzu: „Eine Kürzung der Mindestsicherung würde ihre Situation nicht ent-, sondern verschärfen. Steht einer Familie monatlich weniger Geld zur Verfügung, wirkt sich das vor allem auf die Zukunftschancen der Kinder negativ aus. Es entsteht eine Abwärtsspirale: Weniger Freizeitaktivitäten, keine Nachhilfe und somit schlechtere Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten. Langfristig bedeutet das eine viel kleinere Lebenswelt, soziale Ausgrenzung und emotionale Belastungen. Armut wird in Österreich vererbt“, sagt Fenninger.

#dasMindeste für die Kleinsten

Zur Mindestsicherungs-Debatte zeigt Fenninger auf, dass für minderjährige Kinder im Jahr 2016 ein Richtsatz von 150,80 Euro monatlich zur Deckung der Lebens- und Wohnkosten berechnet wurde. „Das ist ein Mindestwert. In fast allen Bundesländern wird dieser Wert bei der Auszahlung überschritten. Den Verantwortlichen ist also bewusst, dass 150 Euro pro Kind zu wenig ist, um Kinderarmut zu vermeiden. Eine Deckelung auf 1.500 Euro für Familien würde weniger für das zweite Kind, und gar nichts für jedes weitere Kind bedeuten. Es ist erschütternd, dass die Debatte auf Kosten der Kleinsten geführt wird. Einer minimalen Einsparung stehen verlorene Zukunftschancen der betroffenen Kinder und Jugendlichen gegenüber. Das kann sich unsere Gesellschaft nicht leisten“. Im Gegenteil, gerade für die Kleinsten muss die materielle Existenz gesichert werden.

Aufwachsen in Armut stoppen!

„Nehmen wir den Weltkindertag zum Anlass, um das Ziel, Armut zu besiegen, wieder vor Augen zu haben. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die Einführung einer Kindergrundsicherung“. Diese würde finanzielle Leistungen und Förderungen nicht nur bündeln, sondern direkt die Kinder in den Mittelpunkt stellen. Zudem wäre es an der Zeit, die Kinderrechtskonvention vollständig in die österreichische Verfassung aufzunehmen. Wichtige Bereiche – wie Gesundheit, Bildung oder soziale Absicherung – müssen endlich angesprochen werden. „Nicht zuletzt braucht es verstärkte Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für das Thema Kinderarmut. Wir müssen den Menschen klar machen, was Armut für Kinder und Jugendliche bedeutet. Dafür ist es nicht nur Voraussetzung, über die Kinder zu reden, sondern sie aktiv einzubinden und mitreden zu lassen“. Abschließend sagt Fenninger, es sei wichtig, an einem Strang zu ziehen. „Nur wenn wir die Ursachen von Armut kennen und uns den Auswirkungen auf die Lebenswelten der Betroffenen bewusst sind, können wir sie konkret bekämpfen. Ein erster Schritt wäre die nochmalige Auseinandersetzung zum Thema Kürzung der Mindestsicherung. Lassen wir nicht zu, dass das Mindeste noch weniger wird – vor allem nicht für unsere Kinder“.

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