Österreichische Ärztekammer gegen Chefarztpflicht

Nein zu Parallel-Bürokratie – Ja zu mehr Zeit für Patienten

Wien (OTS) - Zehn Prozent der verschreibungspflichtigen Medikamente müssen Österreichs Kassenärzte von der Krankenkasse bewilligen lassen. Dazu kommt eine spezielle Dokumentationspflicht für viele nicht bewilligungspflichtige Medikamente. Dieser bürokratische Aufwand stehe aus Sicht der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in keinem Verhältnis zum Nutzen für die Versicherten und sei daher abzuschaffen. Zumal die Gebietskrankenkasse in Oberösterreich sehr gut ohne Chefarztbewilligungen auskomme, sagte der Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und ÖÄK-Vizepräsident, Johannes Steinhart, heute in einer Aussendung. „Entbürokratisierung bedeutet auch Deregulierung in allen Bereichen. Dazu gehört jedenfalls der Umgang mit chefarztpflichtigen Medikamenten“, so Steinhart.

Ob ein Medikament chefarztpflichtig ist oder nicht, ist im Erstattungskodex (EKO) geregelt, der alle Medikamente enthält, deren Kosten die Kassen grundsätzlich übernehmen. Den Großteil der Chefarzt-Bewilligungen – ca. drei Millionen pro Jahr – holen die Ärzte elektronisch über die Formulare des Arzneimittel-Bewilligungsservice ABS ein. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit beträgt laut Hauptverband knapp sechs Minuten. Steinhart: „Selbst wenn man nur fünf Minuten kalkuliert, kommt man auf 4560 Stunden, die nicht nur die Vertragsärztinnen und -ärzte, sondern auch die Patientinnen und Patienten Woche für Woche mit dem Warten auf Medikamentenbewilligungen vergeuden.“

Weg mit Parallel-Bürokratie

Es stelle sich daher grundsätzlich die Frage, wofür man das ABS brauche. Denn dessen Zweck sei es ja zu prüfen, ob die Diagnose das verschriebene Medikament rechtfertige. Genau das geschehe aber ohnehin bei der Abrechnungskontrolle, die für Ärzte schon genug Aufwand und das Beantwortung sinnloser Fragen mit sich bringe. „Wir lehnen diese Parallel-Bürokratie daher ab. Sie bringt nichts als Zeitverlust und Wartungskosten für Ärzte und für Patienten zusätzliche unnötige Wartezeit. Jedes verantwortungsvoll geführte Unternehmen würde ein System einstampfen, das Ressourcen verschwendet, ohne einen Nutzen zu bringen“, sagte Steinhart.

OÖGKK kommt ohne Chefarztpflicht aus

Im Übrigen gebe es mit Oberösterreich ein positives Vorbild: Dort habe man die Sinnlosigkeit der Chefarztpflicht inklusive ABS schon früh erkannt und komme seit vielen Jahren ohne das System aus. Negative Auswirkungen seien nicht bekannt – weder für die Patienten noch für das Budget der Gebietskrankenkasse, sagte ÖÄK-Vizepräsident Steinhart und ergänzte: „Auch die Kontrollärzte selbst sind vermutlich nicht glücklich mit einem Apparat, in dem sie als hochqualifizierte Mediziner mit dem Abnicken von Formularen befasst sind.“ Er kündigte an, nicht nur das ABS, sondern auch die Chefarztpflicht generell in den mit dem Hauptverband vereinbarten Arbeitsgruppen aufs Tapet bringen zu wollen: „Diese Arbeitsgruppen werden sich ja auch mit dem Abbau der Bürokratieflut befassen. Das ABS abzuschaffen wäre ein erster Schritt in diese Richtung.“ (ar)

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