„Azoren – Tanz um den Vulkan“: Bildgewaltiges „Universum“-Porträt der entlegenen Inselgruppe im Atlantik von Erich Pröll

Am 8. November um 20.15 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Mitten im Atlantik erhebt sich ein gigantisches Unterwassergebirge, durchdringt mit seinen höchsten Spitzen die Wasseroberfläche und bildet die Inselgruppe der Azoren: neun winzige, grüne Punkte im weiten Ozean – jede Insel eine fantastische Welt für sich. Für Seevögel sind diese üppig bewachsenen Inseln vulkanischen Ursprungs ein Brückenkopf zwischen Amerika und Europa. Möwen- und Seeschwalben-Kolonien überziehen die Steilküsten der vulkanischen Inseln und in den Gewässern des Archipels tummeln sich die größten Tiere der Welt: Blauwale. Sie sind auf Durchzug und treffen auf ihrer Reise von den arktischen Gewässern in wärmere Bereiche des Atlantiks auf ihre Verwandten aus der Walfamilie, darunter Finnwale, Buckelwale und Pottwale. Die „Universum“-Dokumentation „Azoren – Tanz um den Vulkan“ von Erich Pröll zeigt am Dienstag, dem 8. November 2016, um 20.15 Uhr in ORF 2 die entlegene Inselgruppe der Azoren am Atlantischen Rücken als stark frequentierten Tummelplatz der Giganten des Atlantiks.

Das sind die Azoren tatsächlich. Für mehr als 20 Walarten auf ihrem langen Weg von den und in die arktischen Gewässer sind die flachen Meereszonen vor den Inseln ein üppiger Futtertrog: Der Golfstrom schwemmt aus den Tiefen des Ozeans Tausende Tonnen Krill an, Biomasse aus südlichen Gewässern. So treffen vor den Küsten der Azoren riesige Meeressäuger wie Blauwale, Finnwale, Buckelwale, Pottwale oder Schwertwale auf die größten Fische der Ozeane: Walhaie, Blauhaie oder den seltenen Mondfisch. Dieser fast kreisrunde Meeresbewohner kann ein Gewicht von mehr als einer Tonne erreichen und gilt als größter Knochenfisch der Erde.

Wie Wesen aus einer anderen Welt wirken die Salpen, die aus großer Tiefe an die Oberfläche aufsteigen. Sie sind walzenförmig, fächerartig oder langgestreckt, sehen aus wie runde, durchsichtige Köcher oder transparente Plastikröhrchen. Manche Individuen hängen zusammen und bilden Bänder, die acht Meter und mehr erreichen. Selten kommen Salpen in großen Mengen vor. Die Unterwasser-Kameraleute tauchten mit diesen transparenten Aliens, ließen sich mit fremdartigen, pulsierenden Wesen in die Tiefen des Atlantiks sinken. Um Mitternacht waren sie mit dem Boot ausgefahren. An der Südküste der Insel Pico fällt der Vulkanhang steil ab, und nur wenige Seemeilen vor der Küste liegt der Meeresboden bereits in 2.000 Metern Tiefe. Im furchterregend schwarzen Meer blitzen nun im Scheinwerferlicht fremdartige Wesen auf. Manche drehen sich um die eigene Achse, andere wieder ziehen Schlangen vorbei und die nächsten senden bunte Lichtsignale. Man könnte vergessen, dass man sich in der stockfinsteren Nacht vollkommen ungeschützt im Atlantik treibend der Faszination der größten Massenwanderung des Planeten hingibt – der Vertikal-Migration in den Ozeanen. Das Erlebnis ist gewaltig und der Wunsch, diese fremde, dunkle Welt mit Tausenden Lebewesen und unterschiedlichsten Lebensformen mit der Kamera einzufangen, lässt die Kameraleute die Zeit vergessen. Dennoch ist allen die Erleichterung darüber anzusehen, dass der Skipper die Situation im Griff hat und die Taucher nach eineinhalb Stunden wiederfindet und ins Boot holt.

Die Azoren haben aber mehr als das Unterwasser-Spektakel zu bieten:
Die Landschaften auf diesen Inseln voll Basalthöhlen und Wasserfällen sind ebenso spektakulär wie fruchtbar, überall finden sich grüne, teils von Seen und Teichen durchzogene Vulkankrater. Sie sind ein Süßwasserreservoir für die hier lebenden Vögel, aber auch für Zugvögel, die aus Europa und Amerika kommen und sich auf den Azoren treffen, um hier zu überwintern; darunter Strandpieper, Kiebitzregenpfeifer, Steinwälzer und Steinschmätzer. Ihnen bieten die Kraterlandschaften ein sicheres Refugium mit ausreichend Nahrungsangebot.

Im Lavagestein der Steilküsten brüten Gelbschnabel Sturmtaucher, auf den Azoren „Cagarros“ genannt, gut versteckt in kleinen Felslöchern. Ihre Flugleistungen sind rekordverdächtig: Kaum flügge geworden, ziehen die Jungtiere mit den Eltern über den Atlantik, um dort den Winter zu verbringen. Ein einziges Ei wurde im Frühjahr in die karge Nisthöhle gelegt. Nistplätze gibt es genug auf den vulkanischen Azoren, wo sich im brüchigen Lavagestein Höhlensysteme weit über die Inseln erstrecken. Die Gelbschnabel Sturmtaucher bevorzugen die kleinen Höhlen und Löcher an den Steilküsten. Sobald das Junge geschlüpft ist, verbringen die Elterntiere den ganzen Tag mit der Nahrungssuche am Wasser. Erst wenn es Nacht geworden ist, kommen sie für wenige Stunden zum Nest zurück, um das Junge zu versorgen. Das Geschrei der Cagarros gleicht einem krächzenden Wimmern und erfüllt bei Anbruch der Nacht ganze Küstenstriche.
Einige wenige der riesigen Lavahöhlen sind für Besucher zugänglich, die meisten aber liegen versteckt und sind noch unberührt von Menschen. Manche haben hohe, glatte Gänge, die teils wie ein Autobahntunnel erscheinen, später aber als niedrige, enge Spalten enden, die nur am Bauch kriechend erreicht und begangen werden können. Sie zu erkunden und den Mikrokosmos der Lavahöhlen abzubilden, war eine Herausforderung für das Team. Regisseur Erich Pröll: „Kameras, niedrige Stative, Scheinwerfer – dies alles mussten wir in den Lavaberg bringen. In manchen Höhen ist alles nass, es tropft unaufhörlich und die Wurzeln der Bäume, die sich oben, an der Oberfläche, an die Lavadecke krallen, wachsen durch die Höhle weiter in den Untergrund. Es ist eine skurrile Fantasiewelt, schwer zu erkunden, aber märchenhaft schön.“

Hunderte Meter, ja oft mehrere Kilometer erstrecken sich die gewaltigen Höhlenröhren über die Inseln. Sie verlaufen in Fließrichtung der einst flüssig-heißen Lava von den Vulkanen talwärts, und irgendwann gibt es den Punkt, wo der Höhlenschlund das Meer erreicht – ein Sammelplatz für Unterwassertiere. Im Scheinwerferlicht der Kameras nutzen Fische die Gelegenheit und stoßen in einen Garnelenschwarm. Muränen tauchen auf und vertilgen die Garnelen zu Hunderten. Große Rochen, Oktopusse und Bärenkrebse sind weitere Bewohner dieses düsteren Reichs ohne Tageslicht.

Regisseur Erich Pröll hat mit Kameramann Nuno Sa, der seit vielen Jahren die Unterwasserwelt der Azoren filmt und fotografiert, auch diese Plätze betaucht. Sie zählen zu seinen absoluten Favoriten: „Ich habe Unterwasserhöhlen sehr gerne, dort fühle ich mich wohl, man könnte fast sagen: geborgen! Meist ist das Meer ruhig hier, es gibt kaum Strömung, doch sie zeichnen sich durch eine besonders interessante Tierwelt aus. Millionen von Garnelen drängen sich in den dunklen Unterwasser-Höhlengängen, den Spalten und Grotten rund um die Inseln. Die Begeisterung an dem, was es hier zu filmen gibt, lässt mich fast die Zeit vergessen – schließlich muss der Ausgang aus der Unterwasserhöhle wieder gefunden werden, bevor die Luft im Tauchgerät zur Neige geht“, so Pröll.

Die in UHD-Qualität gedrehte „Universum“-Dokumentation zeigt die kleine Inselgruppe im Atlantik als Brückenkopf zwischen Nord und Süd, Ost und West, zu Wasser wie zu Luft. Während es auf den Inseln selbst keine großen Wildtiere gibt, ist die Biodiversität rund um die Inseln einzigartig. Die Lava- und Basaltfelsen sind aufgrund ihrer exponierten Lage im Atlantik eine Drehscheibe für die größten Tiermigrationen im Atlantik.

Details zur „Universum“-Dokumentation „Azoren – Tanz um den Vulkan“ – eine Produktion der Proell-Film im Auftrag von ORF, National Geographic, ARTE G.E.I.E., NDR Naturfilm/doclights und ORF-Enterprise – sind unter http://presse.ORF.at abrufbar.

Der Film ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

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